Sperr dich nicht ein, geh aus dir heraus!

10. Juli 2017 en Psychologie 305 Geteilt

Natürlich unterscheiden sich Personen in ihrem Temperament und während die einen ein stärkeres Bedürfnis haben, aus sich herauszugehen, halten sich andere lieber zurück. Diese Persönlichkeitszüge sind an sich kein Problem, es sei denn, man kommt dabei völlig aus dem Gleichgewicht. Wenn du dich nicht unauffällig verhalten kannst, wenn es die Situation verlangt, oder wenn du in Panik gerätst, wenn du allein bist, dann ist das durchaus nicht positiv. Wenn du dich stets in deinem Inneren versteckst und nicht aus dir herausgehen kannst, stellt das auch ein Problem dar.

Manche Menschen bauen einen unsichtbaren Schutzpanzer um sich auf, durch den niemand an sie herankommt. Sie verhalten sich dabei wie Schnecken, die sich in ihre Häuser zurückziehen und jeden direkten Kontakt mit der Realität vermeiden. Letztendlich werden sie für andere unsichtbar und ihr Verhalten, das als Selbstschutz gedacht ist, bereitet ihnen große Schwierigkeiten.

„Die Pille, welche die Symptome der Einsamkeit und Isolation am Ende des Tages verhindern könnte, wurde noch nicht erfunden.“

John Katzenbach

Eine zurückhaltende Person zu sein ist nicht das Gleiche, wie sich emotional völlig zu isolieren. Im ersten Fall drückt die Person ihre Gefühle nur denjenigen Menschen gegenüber aus, denen sie wirklich vertraut oder die sie seit Langem kennt. Im Falle einer emotional isolierten Person besteht ein Interesse daran, dass niemand darüber Bescheid weiß, wie es einem geht, oder es besteht eine grundsätzliche Unfähigkeit, dies zu kommunizieren. An diesem Punkt sollte man beginnen, sich Gedanken zu machen.

Was hält dich davon ab, aus dir herauszugehen und der Welt hallo zu sagen?

Emotionale Isolation ist an erster Stelle ein Zeichen von Angst. Sie bringt Betroffene dazu, den Kontakt zu anderen Menschen zu meiden, weil sie Verwundbarkeit und Verletzlichkeit fürchten, wenn ihnen jemand zu nahe kommt. Emotionale Isolation rührt aus der falschen Überzeugung her, dass man nicht die nötigen Ressourcen oder Möglichkeiten hätte, um mit dieser angeblichen Bedrohung umzugehen oder das damit verbundene Leid zu verarbeiten.

Diese Art der Isolation kommt häufig bei Menschen vor, die unter Aggressionen und Gewalt seitens anderer zu leiden hatten. Meistens haben sie Erfahrungen mit Schikane oder der Wehrlosigkeit gegenüber gewalttätigem Verhalten machen müssen. Das resultierende Trauma wurde oft nicht angemessen verarbeitet und zeigt sich schließlich in emotionaler Isolation und anderen Symptomen.

Menschen, die sich isolieren, haben ein negatives Selbstkonzept. Sie haben das Gefühl, dass sie es nicht wert seien, einen Platz in einer sozialen Gruppe einzunehmen. Es kann sein, dass sie sich für ihre Gefühle schämen und schließlich denken, dass es unverschämt sei, diese nach außen zu tragen. Gleichzeitig legen sie überproportional viel Wert auf andere. Sie fürchten sich vor ihren Meinungen, ihren Reaktionen und ihrem Ärger.

Emotionale Isolation hat viele Gesichter. Manchmal sitzt die Angst sehr tief und die betroffene Person weiß, dass es nur die Angst ist, die sie davon abhält, ihr Schneckenhaus zu verlassen. Manchmal wird die Situation allerdings auch durch eine verächtliche Einstellung, mürrisches Verhalten oder fehlende Sensibilität gegenüber anderen überdeckt.

Von der emotionalen zur sozialen Isolation

Es ist ganz logisch, dass wir alle erst einmal zögern, bevor wir Gefühle, Gedanken und Träume preisgeben. Aber wenn jemand unter keinen Umständen mit Worten ausdrücken kann, wie es in ihm aussieht, ist das nicht mehr gesund. Dann können wir von emotionaler Isolation sprechen, das heißt, die Person ist in ihrem Inneren eingesperrt.

In vielen Fällen werden diese Situationen ertragen, ohne dass offensichtlich Schäden entstünden. Die Betroffenen kapseln sich von anderen Menschen einfach dadurch ab, dass sie mit ihnen nur noch über oberflächliche Dinge sprechen, nehmen in generell ein formal angebrachtes Verhalten an oder verhalten sich stereotyp. Auf diese Art bleiben sie an ihre Umgebung angepasst, müssen sich aber nicht im Detail mit ihr auseinandersetzen.

Unter anderen Umständen führt emotionale Isolation jedoch auch zu sozialer Isolation. Die Person beschließt, jeglichen Kontakt zu anderen zu meiden, verbringt ganze Tage eingesperrt, ohne mit irgendwem zu sprechen, und geht jeder Situation aus dem Weg, in der sie mit anderen in Kontakt treten müsste. Unter diesen Bedingungen können sich leicht Depressionen oder Angststörungen einstellen, häufig existieren diese aber auch bereits.

Enge Bindungen sind absolut notwendig für unsere psychische Gesundheit. Alle Menschen müssen auf Vertrauen basierende Beziehungen entwickeln, um sie selbst sein zu können und um sich wirklich verbunden mit der Welt zu fühlen. Wir müssen uns alle sowohl individuell als auch sozial entwickeln, um unser Leben zu einer erfüllenden Erfahrung zu machen. Wenn du also dazu tendierst, dich einzusperren, dann lohnt es sich vielleicht, darüber nachzudenken, warum das so ist. Hab keine Angst, geh aus dir heraus!

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Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Christopher Cuseo

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