Slow Shopping - Konsum im Einklang mit der Natur

Wir müssen umweltbewusste Verantwortung zeigen, indem wir unser Konsumverhalten ändern.
Slow Shopping - Konsum im Einklang mit der Natur

Letzte Aktualisierung: 26. Juni 2022

Muss es wirklich alle paar Wochen ein neues Kleidungsstück sein? Sollte jedes Schnäppchen in den Kleiderschrank wandern? Und ist es tatsächlich notwendig, alle Kleidungsstücke, die nur eine Saison getragen wurden, in den Müll zu geben? Weil Mode schnelllebig ist und die neusten Trends diktiert? Wir möchten mit unserem Beitrag den Konsum im Einklang mit der Natur fördern: Slow Shopping ist Tendenz.

Es ist Zeit, eigene Entscheidungen hinsichtlich seiner Kleidung zu treffen, statt jeder Modewelle zu folgen, die von fremden Menschen kreiert wird. Notwendig ist dieser Kaufrausch nicht, doch er beschert dem Menschen kurzfristig ein gutes Gefühl von Kontrolle und Selbstbestimmung. Dass die entsprechende Kleidung wenig später ausgedient hat, weil Gefühle nur kurzlebig sind, wurde lange Zeit nicht berücksichtigt. Jetzt geht der Trend zu langlebiger Mode und zur Entschleunigung hinsichtlich des Kaufverhaltens der Menschen.

Statt jeden modischen Wechsel im Auge zu behalten, müssen wir lernen, dass dauerhafte Zufriedenheit nur im eigenen Inneren zu finden ist. Dinge schenken einen kurzen Glücksmoment, dann ist dieser verflogen. Wenn wir diese Tatsache verstehen, können wir das Konsumverhalten endlich ändern. Slow Shopping ist zum Wohle der Umwelt und künftiger Generationen zwingend notwendig.

Konsumverhalten verändern: Slow Shopping

Was ist Fast Fashion?

Mode wandelt sich schnell. Normalerweise wird für zwei Jahreszyklen produziert – die Frühjahrs- und Sommersaison sowie die Herbst-Wintersaison. Doch Fast Fashion bringt zusätzliche Modestrecken auf den Markt.

Auffällig kreierte Printmuster (beispielsweise Leodruck) werden für kleinere Kollektionen produziert und saisonunabhängig vermarktet. Trends, die auf Social Media aus Amerika nach Europa schwappen, werden ebenso aufgegriffen und schnell an die Konsumwünsche der Kundinnen angepasst. So kommt es, dass ein Kleiderschrank mehrmals im Jahr neu bestückt werden muss, willst du mit den modischen Trends der Fast Fashion mithalten.

Es ist nichts daran auszusetzen, sich modisch und aktuell zu kleiden. Die Produktion von Fast Fashion ist jedoch nicht gesund für die Umwelt und den Menschen. Die Herstellung entsprechender Kleidung muss innerhalb eines kurzen Zeitraumes erfolgen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Neue Produkte werden oft innerhalb von zwei Wochen kreiert und gefertigt, deshalb erfolgt die Produktion meistens in Billiglohnländern wie China und Bangladesch. Unter Verwendung von Stoffen niederer Qualität und nicht abbaubaren Chemiefaserprodukten.

Kleidung als Statussymbol und Ersatz für innere Leere

Kleidungsstücke aus hochwertigen Materialien lassen sich viele Jahre tragen und sind kaum abgenutzt, wenn die Saison vorüber ist. Trotzdem muss der Kleiderschrank mit neuen Textilien gefüllt werden, da wir diese nicht als Funktionsgegenstände ansehen, sondern sie für die Darstellung unserer Persönlichkeit nutzen. Durch Kleidung bringst du zum Ausdruck, wer du in dieser Welt bist. Vielen Menschen ist es wichtig, bestimmte Marken zu tragen, um sich mit den damit verbundenen Attributen zu identifizieren.

Für viele Menschen ist Mode eine Möglichkeit, die eigenen finanziellen Verhältnisse zu demonstrieren. Wer teure Kleidung trägt und den Inhalt seines Kleiderschrankes mehrmals im Jahr wechseln kann, muss reich sein. Niemand möchte durch seine Kleidung verraten, dass er aus ärmlichen Verhältnissen kommt und jeden Cent umdrehen muss. Die meisten Menschen (besonders Jugendliche) empfinden es daher als sehr wichtig, modischen Trends zu folgen, um “dazuzugehören”.

Der psychische Druck, der hinter dem Gruppenzwang steht, ist enorm. Wer anders ist, weil er sich bestimmte Dinge finanziell nicht leisten kann, fühlt sich schnell ausgeschlossen. Das Selbstwertgefühl leidet unter solch einer Situation, was zu Depressionen führen kann.

Deshalb sind Schnäppchenkollektionen so begehrt, da sie teure Markenartikel oft mit billigen Stoffen kopieren und diese für die breite Masse erschwinglich machen. Hier muss sich das Bewusstsein ändern. Braucht es wirklich unzählige Kleidungsstücke, um damit die Blicke anderer Menschen auf sich zu ziehen? Ist das Selbstwertgefühl eines Menschen wirklich von der Aufmerksamkeit abhängig, die der Kleidungsstil erzielt?

Solange Menschen ihren Wert aufgrund von Äußerlichkeiten definieren, wird Fast Fashion ihre Berechtigung haben. Allerdings verändert sich das Bewusstsein. Immer stärker wird deutlich, dass die Menschheit sich in Schwierigkeiten bringt, wenn jeder nur auf seine eigenen Bedürfnisse schaut und auf Kosten anderer lebt. Die Ichbezogenheit muss und wird dem Verständnis weichen, dass die Entscheidungen des einzelnen Menschen Auswirkungen auf die gesamte Welt haben. Wir müssen mit den vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll und im Sinne heranwachsender Generationen umgehen.

Slow Shopping statt Konsumrausch, um Umwelt zu schützen

Slow Shopping – Notwendigkeit statt Kaufrausch

Slow Shopping bedeutet, dass der Kauf von modischer Kleidung überlegt sein will. Das bringt jeden Mann und jede Frau wieder mit den eigenen Bedürfnissen in Kontakt. Statt wahllos einzukaufen und neuwertige Garderobe in die Kleiderspende zu geben, geht es auch beim Thema Kleidung zunehmend um Nachhaltigkeit und langlebige Textilien. Die Natur bietet Rohstoffe, die sich durch kostenarme Anbaubedingungen, schnelles Nachwachsen und hochwertige Trageeigenschaften auszeichnen. Beispielsweise Hanf, der bereits seit Jahrhunderten bekannt ist.

Immer mehr Eco-Fashion-Labels erobern den Markt und sorgen dafür, dass ein Umdenken erfolgt. Es geht nicht länger um den Kaufrausch, der die Leere im Leben der Menschen kaschieren soll. Immer öfter wird die Frage nach den Produktionsbedingungen laut. Wie wurden Rohstoffe wie Baumwolle angebaut und verarbeitet oder Schafe für die Gewinnung von Merinowolle gehalten? Welche Entlohnung erhalten die Arbeiter für ihre Tätigkeit? Sind Farbstoffe in den Textilien giftfrei und was geschieht mit dem Lebensraum der Menschen in den Anbaugebieten?

Standards und Prüfsiegel

Um die Produktionsketten lückenlos verfolgen zu können, gibt es immer mehr Zertifizierungsmöglichkeiten. Unternehmen haben damit die Möglichkeit, den Weg vom Rohstoff bis zum fertigen Kleidungsstück für den Verbraucher zu dokumentieren. Die Prüfsiegel legen unterschiedliche Maßstäbe an, deshalb ist das Nachlesen der einzelnen Bedingungen, die für eine entsprechende Zertifizierung zu erfüllen sind, empfehlenswert.

Einige Prüfsiegel orientieren sich an ökologischen Anbaubedingungen und dem Einsatz unbedenklicher Farbstoffe, was besonders bei Textilien für Babys und Kinder wichtig ist. Zunehmend werden auch Kriterien in die Prüfbedingungen aufgenommen, die den Stundenlohn der Arbeitskräfte festschreiben oder vorgeben, wie der Boden beim Anbau von Baumwolle zu kultivieren ist.

Prüfsiegel, die alle Komponenten eines Produktionsprozesses zertifizieren, sind noch selten. Doch es wird daran gearbeitet, alle Aspekte wie Produktionsbedingungen, soziale Verträglichkeit, ökologisch vertretbare Transportwege und die effektive Nutzung der Rohstoffe durch eine Zertifizierung zu berücksichtigen.

Bekannte Siegel sind:

  • IVN Best
  • Global Organic Textile Standard (GOTS)
  • Made in Green”-Siegel von Oeko-Tex
  • Oeko-Tex 100
  • Bluesign
  • Der grüne Knopf
  • Global Recycle Standard (GRS)
  • Fairtrade
  • Fair Wear Foundation (FWF)

Jeder Standard definiert unterschiedliche Bedingungen, die für das entsprechende Siegel zu erfüllen sind. Diese Vorgaben werden regelmäßig überprüft. Bei Nichteinhaltung wird die verliehene Zertifizierung wieder aberkannt. Viele Labels bieten Textilien an, die über mehrere Siegel verfügen. Damit lassen sich giftige Farbstoffe und Pestizide im Stoff ausschließen. Gleichzeitig kann ein weiteres Siegel dokumentieren, dass die Kleidung nicht durch Kinderarbeit oder für einen Billiglohn entstand.

Slow Shopping und der vernünftige Umgang mit begrenzten Ressourcen

Kinder brauchen aufgrund ihres Wachstums mehrmals im Jahr neue Kleidung, Erwachsene müssen diese nur ersetzen, wenn sie verschlissen ist. Rohstoffe von hoher Qualität sorgen dafür, dass Kleidung jahrelang getragen werden kann, ohne abgenutzt zu erscheinen. Wäre da nicht das menschliche Bedürfnis nach Abwechslung und Wahrnehmung der eigenen Person.

Textilien aus Hanf besitzen beispielsweise eine hohe Scheuerfestigkeit. Das bedeutet, dass die Kleidungsstücke auch nach vielen Wäschen kein Pilling zeigen und immer noch neuwertig aussehen. Gleiches gilt für Leinen. Beide Stoffe werden aus Pflanzenfasern hergestellt, die nur geringe Wachstumsansprüche haben. Sie verbrauchen wesentlich weniger Wasser als Baumwollpflanzen und wachsen viel schneller als diese nach. Trotzdem verschwand Hanf als Nutzpflanze jahrelang von der Bildfläche, weil langlebige Fasern den Umsatz stagnieren lassen und damit weniger Profit ermöglichen.

Da unsere Ressourcen begrenzt sind, muss auch die Modewelt umdenken. Klimaveränderungen werden dafür sorgen, dass Baumwolle, die sehr viel Wasser zum Wachsen braucht, in ihrem Anbau teurer wird. Erwärmt sich das Klima, braucht es Fasern, die temperaturunempfindlich und langlebig sind. Daher ist ökologisches Umdenken für die Zukunft unvermeidlich. Entscheidest du dich auch für Slow Shopping?

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