Sind Psychologie-Apps wirksam?

Moderne Technologien haben viele Vorteile. Doch wie sieht es mit Apps im Bereich der Psychologie aus?
Sind Psychologie-Apps wirksam?

Letzte Aktualisierung: 10. Mai 2022

Neue Technologien prägen unseren Alltag und bieten auch in Bereichen wie der Psychologie immer mehr Möglichkeiten. Psychologie-Apps sind sehr beliebt, da sie einfach zugänglich, intuitiv und oft kostenlos oder preisgünstig sind. Wie in allen Bereichen ist auch hier die richtige Wahl und Nutzung grundlegend.

Die Forschung über die Wirksamkeit dieser Anwendungen hat bisher keine schlüssigen Ergebnisse erzielt. Viele Studien werden von den Herausgebern dieser Anwendungen finanziert und sind deshalb nicht neutral. Wir gehen heute der Frage nach, ob und in welchen Situationen sie nützlich sein können.

Frau verwendet Apps für ihre psychische Gesundheit
Psychologie-Apps können einen Beitrag leisten, um die Stigmatisierung psychischer Krankheiten abzubauen.

Psychologie-Apps

Verschiedene Psychologie-Apps sollen helfen, pathologische Verhaltensmuster zu erkennen. Manche ermöglichen es den Nutzern zu beurteilen, ob sie an einer Störung leiden, andere empfehlen Übungen, um konkrete Ziele, wie Stressabbau oder Raucherentwöhnung, zu erreichen, oder bieten Programme zur Prävention psychischer Krankheiten an.

Warum sind diese Anwendungen so beliebt?

Es wird zwar spekuliert, dass Unmittelbarkeit und Bequemlichkeit Psychologie-Apps so erfolgreich machen, doch in Wahrheit spielen auch folgende Faktoren eine grundlegende Rolle:

  • Viele Psychologie-Apps sind kostenlos oder sehr preisgünstig: Nicht jeder kann sich eine Therapie leisten, deshalb betrachten viele diese Möglichkeit als gute Alternative, um mit psychischen Problemen besser umzugehen.
  • Chronischer Stress und Angst als Übel unserer modernen Gesellschaft: Stress und Hektik prägen den Alltag, der Leistung und Effizienz erfordert. Deshalb haben viele keine Zeit für eine Therapie und nutzen Apps.
  • Der erste Schritt vor einer Therapie: Viele Menschen, die psychische Krankheiten noch immer stigmatisieren oder Angst davor haben, stigmatisiert zu werden, fällt es einfacher, sich anhand einer Psychologie-App Hilfe zu holen. Oft ist es der erste Schritt, der schließlich zu einer Therapie führt.
  • Unterstützung während der konventionellen Therapie: Die Anwendungen können unterstützende Werkzeuge zur Verfügung stellen, die für viele Patienten hilfreich sind.

Sind Psychologie-Apps wirklich nützlich?

Eines ist klar: Psychologie-Apps können auf keinen Fall eine fachärztliche Diagnose oder Intervention ersetzen. Doch können sie helfen, ungesunde Gewohnheiten zu ändern oder die psychologische Gesundheit fördern?

Viele Studien haben positive Ergebnisse aufgezeigt, die jedoch mit Vorsicht zu genießen sind. Eine allgemeine Aussage ist schwierig, da es zahlreiche Apps gibt, die jedoch alle sehr verschieden sind und sich auf unterschiedliche Bereiche konzentrieren. Manche sind hilfreich, andere ein unterhaltsamer Zeitvertreib und manche bergen sogar verschiedene Gefahren. 

Oft sind die Fragebögen oder Tests nicht zuverlässig und können die Nutzer verunsichern oder glauben lassen, dass sie keine fachärztliche Hilfe benötigen, auch wenn dies dringend nötig wäre. Eine Gefahr stellen auch unmoderierte Chats dar, in denen alle Nutzer Kommentare und Ratschläge geben können. Von fragwürdigen Apps ist unbedingt abzuraten.

Frau nutzt Psychologie-Apps
Manche Psychologie-Apps können helfen, gesunde Gewohnheiten zu fördern. Von fragwürdigen Anbietern ist jedoch auf jeden Fall abzuraten.

Vorsichtsmaßnahmen

Die Auswahl an Psychologie-Apps ist sehr groß, deshalb solltest du dich vor Verwendung unbedingt gut informieren, denn offen zugängliche Apps können gefährlich sein. Solltest du Probleme haben, lässt du dich am besten fachärztlich beraten. Es gibt verschreibungspflichtige Apps, die geprüft sind und im Rahmen einer Therapie zur Anwendung kommen. Ferner kannst du Online-Sprechstunden bei zertifizierten Anbietern in Anspruch nehmen.

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