Sexuelle Nötigung: Was ist das und wie kann ich mich davor schützen?

· 23. September 2018

Als sexuelle Nötigung kann jede Handlung bezeichnet werden, die eine Person ausführt, um einen anderen Menschen in einen sexuellen Kontext zu zwingen. Es gibt ein ganzes Spektrum an Aktionen, die das bewirken können, sodass die eigentliche Handlung ganz unterschiedlich aussehen mag. Einige der weitverbreitetsten sind verbaler Druck, Drogenkonsum und Gewaltanwendung. Auch heute noch erleben Frauen sexuelle Nötigung so oft, dass es wichtig ist, eine Lösung zu finden.

Es ist nachvollziehbar, dass wir uns angesichts so vieler Frauen, die an den Folgen geschlechtsspezifischer Gewalt versterben, über die Ursachen wundern. Was ist der Grund dafür? Nun, die Wahrheit ist, dass es mehrere Faktoren gibt, die alle gleichzeitig eine Rolle spielen können. Dazu gehören soziokulturellen Einflüsse und persönlichen Hintergründe. Kultur, Umfeld und Erziehungsformen fördern die Einstellungen, Normen, Werte und sexuellen Denkmuster des Einzelnen. Diese wiederum scheinen eng mit dem Hang zu sexueller Nötigung verbunden zu sein.

Eine Frau drückt deutlich aus, dass Abstand zu ihr gehalten werden muss.

Faktoren im Zusammenhang mit sexueller Nötigung von Frauen

Es gibt Faktoren, welche einen Mann leichter zum Täter sexueller Nötigung werden lassen. Sie finden sich irgendwo in der Kombination aus aggressiver Männlichkeit und bestimmten Variablen. Diese wiederum hängen mit der eigenen Motivation und bisher gemachten sexuellen Erfahrungen zusammen. Aber was bedeuten diese Begriffe eigentlich? Wir erklären sie dir hier:

  • Aggressive Männlichkeit: das Bedürfnis der Männer, Frauen zu kontrollieren und zu beherrschen
  • Motivation und sexuelle Erfahrungen: das übertriebene Selbstbewusstsein einiger Männer bezüglich ihrer sexuellen Fähigkeiten. Diese Konzepte haben auch mit ihrem Interesse an Sex ohne Einverständnis zu tun. Außerdem geht es um ihre ständigen Sorge, nicht befriedigen zu können und sexuell nicht aktiv genug zu sein.

Laut Malamuths Konfluenzmodell verhalten sich Männer sexuell nötigend, wenn diese beiden Merkmale zusammentreffen.

Auf der anderen Seite haben Forscher auch Studien über weibliches Verhalten und die Anfälligkeit von Frauen für sexuelle Nötigung durchgeführt. Der wichtigste Risikofaktor für Frauen ist, einen Mann zu treffen, der sexuell aggressiv ist. Das heißt jedoch nicht, dass Frauen nichts dagegen tun könnten. Hier sind einige Ideen, um sicherer zu werden:

  • Selbstvertrauen, wenn es um sexuelle Nötigung geht. Frauen, die denken, dass sie in einer solchen Situation standhaft bleiben können, sind diejenigen, die unerwünschte sexuelle Aktivitäten am besten abwehren können.
  • Bewusstsein für die negativen Auswirkungen übermäßigen Alkoholkonsums
  • Durchsetzungsfähigkeit gegenüber verbalen Angriffen, was bedeutet, klar zum Ausdruck bringen zu können, womit frau einverstanden ist und womit nicht. Durchsetzungsstarke Frauen können unerwünschte sexuelle Angriffe besser verhindern.

Programm zur Verhinderung von sexueller Nötigung

Das Ziel jedes Präventionsprogramms ist es, die Risikofaktoren zu reduzieren. In diesem Fall gilt das sowohl für Männer als auch für Frauen. Es bedeutet auch, Strategien zum Selbstschutz zu vermitteln. Vor einigen Jahren wurde dazu ein Forschungsprojekt mit folgenden Ideen gestartet:

  • Einvernehmliche oder nicht-einvernehmliche Interaktion: Das Ziel ist es, den Unterschied erkennen zu können. Um dies zu erreichen, sollen die Teilnehmer darüber nachdenken, was sexuelle Freiheit für sie bedeutet und was diese sexuelle Freiheit einschränkt.
  • Erwartungen und Mythen über sexuelle Beziehungen und sexuelle Nötigung: etablierte Überzeugungen hinterfragen und sich dessen bewusst sein, wie sie zu Zwang führen können. Zwei der am weitesten verbreiteten Mythen, welche von den Teilnehmer aufgelöst werden sollen, sind: Mädchen, die nein sagen, meinen ja, und um zu beweisen, dass du ein richtiger Mann bist, musst du viel Sex haben.
  • Gefährliche Situationen vermeiden: Das Ziel ist es, jene Situationen zu erkennen, in denen üblicherweise sexuelle Nötigung vorkommt oder zumindest ein sehr hohes Risiko dafür besteht. Um dies zu erlernen, sollen die Teilnehmer ein Video ansehen und Fragen beantworten, wie: Sind einige der Verhaltensweisen, die im Video gezeigt werden, deiner Einschätzung nach sexistisch?
  • Durchsetzungsvermögen und Kommunikationstraining: Es geht darum, unmissverständlich kommunizieren können, was du machen möchtest und was nicht. Dieser Abschnitt beinhaltet auch die Punkte Verhandeln oder das Erreichen von Vereinbarungen über etwas, die in Zukunft unternommen werden soll.
Die Folgen von sexueller Nötigung sind häufig traumatisch, wie hier im Bild, bei der eine Frau durch eine Psychologin Unterstützung erfährt.

Zusammengefasst: Wenn wir etwas über die Ursachen des Problems lernen und auch nur einen kleinen Beitrag zur Lösung beitragen, tun wir schon einen großen Schritt vorwärts, um allen Frauen zu helfen. Geschlechtsspezifische Gewalt sollte in unserer Gesellschaft ein Thema auf höchster Ebene sein, damit sie eines Tages für immer verschwindet.