Selbstmord in der Kindheit – der Fall Samantha Kubersky

· 5. August 2018

Kinder stellen die verletzlichste Gruppe unserer Gesellschaft dar. Ihre Ehrlichkeit und ihr Einfallsreichtum machen sie zu leichten Zielen für jede Art von Spott oder Täuschung. Ebenso sind sie oft diejenigen, die anderen Kindern zusetzen, ohne den Schaden zu erkennen, den sie in deren Inneren anrichten. Aus diesem Grund ist Selbstmord in der Kindheit immer noch ein komplexes Thema. Die Gefahr, im Umgang mit Kindern einen Fehler zu machen, die solche Gedanken hegen, ist groß.

Der Tod ist ein Ereignis, das für Kinder schwer zu verstehen ist. Angesichts des Todes eines geliebten Menschen fragen viele Kinder immer wieder nach ihm. Andere räumen dem Toten weiterhin einen Platz in ihren Abenteuern ein. Wenige sind mit dem Klassiker „Er ist jetzt an einem wunderbar ruhigen Ort“  zufrieden. Tatsache ist, dass die Erklärungen, die Kinder zu diesem Thema erhalten, vielfältig sein können. Und sie mögen sie ermutigen, selbst nach dem Tod zu suchen.

Abgesehen davon: der Gedanke, dass Kinder an Selbstmord denken könnten, ist etwas, das wir als Erwachsene ablehnen. Im Erwachsenenalter ist es üblich, dass wir unter bestimmten Umständen über einen Selbstmord fantasieren, ohne ihn jemals auszuführen. Denn ein reifer Mensch ist sich bewusst, dass der Tod etwas Unumkehrbares ist. Doch Kinder sind sich da vielleicht nicht so sicher. Selbstmord in der Kindheit ist nach wie vor ein Thema mit vielen Fragen, aber sehr wenigen Antworten.

Selbstmord in der Kindheit – der Fall Samantha Kubersky

Am 2. Dezember 2009 fand Samantha Kuberskys Mutter die Leiche ihrer 6-jährigen Tochter. Sie hatte sich einen Gürtel um den Hals gewickelt und sich an der Spitze einer Wiege aufgehängt. Trotz der Versuche ihrer Familienangehörigen und von Ärzten konnte nichts getan werden, um ihr Leben zu retten.

Stunden zuvor hatte sich das Mädchen mit ihrer Mutter gestritten. Sowohl die Mutter als auch eine ihrer Schwestern hielten sich in anderen Räumen auf, als die Tragödie passierte. Nach Angaben der Polizei gab es keine Hinweise darauf, dass ihre Familie etwas mit dem tragischen Vorfall zu tun hatte.

Es scheint unglaublich, dass so ein junges Mädchen die Entscheidung trifft, sich das Leben zu nehmen. Es wurde viel darüber spekuliert, ob dieser Selbstmord in der Kindheit ein Unfall gewesen sein könnte. Aber diese Theorie passte nicht zu den Beweisen, die die Polizei fand. Viele Fragen tauchten auf. War es ein Spiel, das schiefgelaufen war? War es nur ihre Art, vor der Wut zu fliehen, die durch das vorherige Gespräch mit ihrer Mutter verursacht wurde? War ihr Verhalten ein Versuch, die Mutter zu verletzen? Oder waren es ihre eigenen Schuldgefühle, die sie dazu veranlassten?

„Wenn du die Art, wie du Dinge anschaust, veränderst, verändern sich die Dinge, die du anschaust.“

Wayne Dyer

Mädchen schaut aus einem verregneten Fenster

Karl Menninger und die Komponenten von selbstmörderischem Verhalten

Selbstmord kann aus soziologischer oder psychologischer Sicht untersucht werden. In Samanthas speziellem Fall spielte der psychologische Faktor eine grundlegende Rolle. Eine der Theorien, die gut zu diesem Fall passt, ist die des amerikanischen Psychiaters Karl Menninger.

Nach seinen verschiedenen Studien kam er zu dem interessanten Schluss, dass Selbstmord als umgekehrter Mord begriffen werden könne. Die Wut und der Hass, den ein Patient gegenüber einer anderen Person empfindet, könnten die Ursache für seinen eigenen Tod sein. Menninger definierte dazu drei Komponenten der Feindseligkeit: den Wunsch, zu töten; den Wunsch, getötet zu werden, und den Wunsch, zu sterben.

Auf der anderen Seite ist es äußerst selten, dass ein Fall von Selbstmord in der Kindheit in einem so frühen Alter auftritt. Kinder unter 10 Jahren hegen in der Regel keine Selbstmordgedanken, es sei denn, es wirken bestimmte Risikofaktoren. So waren diejenigen, die von der Polizei befragt werden sollten, Samanthas engste Familienangehörige.

Es ergaben sich keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass das Mädchen irgendeine Art von Missbrauch erlitten hatte. Die Leute, die es kannten, hoben ihr fröhliches und freundliches Wesen hervor. Das machte die Tatsache, dass sie sich das Leben nahm, noch unverständlicher. Wusste Samantha wirklich, was sie tat?  Nach Angaben des Psychiaters Kirk Wolf war ihr das sicher nicht bewusst.

Bis sie 9 oder 10 Jahre alt sind, verstehen Kinder die wahre Bedeutung des Todes nicht. Erst in diesem Alter entdecken sie, dass es ein Punkt ohne Wiederkehr ist.

Diese Aussage wurde von den Verantwortlichen des Falles nachdrücklich unterstützt. Von Anfang an leugneten sie kategorisch, dass ein 6-jähriges Mädchen gezielt Selbstmord begangen haben könnte. Selbst nachdem die Forensiker bestätigt hatten, dass es Selbstmord war, blieb die Idee, dass Samantha nicht verstand, was mit ihr geschehen würde, gültig.

Sollten wir mit Kindern über Selbstmord reden?

Das führt uns zu der Frage, ob es ratsam ist, mit unseren Kindern über Selbstmord zu sprechen. Es ist notwendig, dass der Tod im Allgemeinen nicht als Tabuthema angesehen wird. Es ist ein sehr schwieriges und kompliziertes Thema und deshalb müssen wir es mit Respekt und Einfühlungsvermögen behandeln.

Trauriger Junge wird umarmt

Mit ihnen über eine Angelegenheit zu sprechen, der sie sich früher oder später stellen müssen, ist sehr vorteilhaft. Der Tod ist ein unvermeidlicher Teil des Lebens, der uns alle eines Tages erreichen wird. Unseren Kindern jedoch sollten wir klarmachen, dass es immer eine Alternative zum Selbstmord gibt.

In diesem Sinne sollten wir sie wissen lassen, dass Selbstmord ein Thema wie jedes andere ist, über das sie reden können. So lernen sie, ihre Gefühle auszudrücken, wenn sie beispielsweise den Selbstmord eines Verwandten erlebt haben. Sie ihre Ängste und Probleme teilen zu lassen, kann tragische und extreme Entscheidungen verhindern, sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft.