Wie erzähle ich meinem Kind vom Tod eines geliebten Menschen?

· 22. Juni 2018

Das Leben ist etwas Wunderbares und Einzigartiges, aber es wird irgendwann enden. Das ist unvermeidlich. Wenn das bei einem geliebten Menschen passiert, zerbricht unsere Welt. Doch diese schwierige Situation kann noch komplizierter werden, wenn wir einem Kind vom Tod erzählen müssen, wenn ein geliebter Mensch gegangen ist.

Diese Situation lässt uns eine endlose Reihe von beunruhigenden und negativen Gedanken durch den Kopf schießen. Neben der Traurigkeit über den Tod ist da nun die Angst, einem Kind diese schlechte Nachricht überbringen zu müssen und nicht mit seiner Reaktion umgehen zu können. Obwohl es unangenehm ist, können wir diese schwierige Aufgabe noch immer am besten lösen.

„Den Tod sollten wir nicht fürchten. Während wir sind, ist der Tod nicht. Und wenn der Tod ist, sind wir nicht.“

Antonio Machado

Einem Kind vom Tod erzählen ist ein wichtiger Teil des Trauerprozesses

Wenn jemand stirbt, der uns wichtig ist, verfallen wir in einen Schockzustand und blockieren uns selbst. Die Nachrichten treffen uns hart und machen es uns schwer, eine neue Realität zu akzeptieren. Diese Realität ist, dass wir diese Person nie wiedersehen und ihre Stimme nie wieder hören werden. Diese Reaktion ist normal. Aber im Laufe der Zeit müssen wir akzeptieren, dass diese Person nicht mehr da ist und wir müssen mit unserem Leben weitermachen.

Das bedeutet nicht, dass wir sie nicht mehr lieben würden. Es bedeutet einfach, dass wir einen Punkt in unserem Trauerprozess erreichen müssen, an dem wir ihre Abreise annehmen. Ein Problem entsteht, wenn die Trauer nicht zugelassen wird oder sich ungünstig entwickelt. In diesen Fällen kann der Trauerprozess kompliziert werden und unser Leben langfristig beeinträchtigen.

„Der Tod existiert nicht; Menschen sterben nur, wenn sie vergessen werden. Wenn du dich an mich erinnerst, werde ich immer bei dir sein.“

Isabel Allende

So geht es Kindern auch. Obwohl wir vielleicht nicht wissen, wie wir ihnen vom Tod erzählen sollen, ist die Tatsache, dass sie diese Nachricht erhalten und ihren eigenen Trauerprozess durchlaufen können, von wesentlicher Bedeutung. Das Wissen um den Verlust bedeutet, dass sich ihre Trauer nicht in einen Ozean verwandelt, in dem sie ertrinken könnten. Auch können wir, durch das Reden über den Tod, das Risiko von Folgeproblemen wie Drogenkonsum, Kriminalität, Verwirrung, niedriges Selbstwertgefühl, schlechter Leistung, riskantem Sexualverhalten oder gar Selbstmord vermindern.

Junge sitzt auf einem Ball am Strand

Einem Kind vom Tod erzählen – keine leichte Entscheidung, aber eine notwendige

Die Wahrheit ist, dass es ein Fehler ist, das Thema nicht zu berühren, um zu vermeiden, dass das Kind trauern muss. Kinder sind großartige Beobachter und werden feststellen, dass etwas nicht stimmt. Sie zu belügen, untergräbt ihr Vertrauen und lässt sie sich minderwertig fühlen. Außerdem werden sie sich in einer Umgebung, in der sie vorher Fragen stellen und sich ausdrücken konnten, seltsam und unsicher fühlen.

Außerdem könnten sie sich schuldig fühlen, was die Entstehung von falschen Vorstellungen über das Ende des Lebens fördert. Wenn wir mit unseren Kindern über den Tod sprechen, können wir dagegen beobachten, wie sie sich wirklich fühlen. Es ist dieses Wissen, das uns hilft, unseren Kindern zu helfen.

„Man muss das Unerwartete erwarten und das Unannehmbare akzeptieren. Was ist der Tod? Wenn wir immer noch nicht wissen, was das Leben ist, wie können wir uns dann um die Essenz des Todes sorgen?“

Konfuzius

Daher ist es sehr wichtig, über dieses Thema zu sprechen, genau wie über andere alltägliche Themen. Es ist sicherlich eines, mit dem sich Kinder in naher Zukunft auseinandersetzen müssen. Genau wie in anderen komplizierten Situationen im Leben gilt auch im Angesicht des Todes, dass es keine Option ist, sie in Unwissenheit zu lassen. Aber … wer wird es ihnen sagen? Wann ist die beste Zeit dafür? Und vor allem, wie können wir einem Kind vom Tod erzählen?

Zunächst einmal ist es am besten, wenn die Eltern oder andere sehr enge Familienmitglieder die Aufgabe übernehmen, das Kind über den Tod eines geliebten Menschen zu informieren. Es ist äußerst wichtig, dass sich die Kinder sicher fühlen und der Person vertrauen, die ihnen die Nachricht überbringt. Auf diese Weise werden sie in der Lage sein, alle Fragen zu stellen, die ihnen in den Sinn kommen, und wir können unseren Kindern Unterstützung bei der Entwicklung einer Antwort anbieten. Um das zu tun, sollten wir so schnell wie möglich mit ihnen sprechen. Das Unvermeidliche hinauszuzögern hilft nicht!

Vielleicht stellen sie uns Fragen, die wir nicht beantworten können. Es ist okay, ihnen zu sagen, dass wir die Antwort nicht kennen oder uns dasselbe fragen. Wenn unsere Kinder dann eine Antwort finden, werden sie sie mit uns teilen und dann können wir gemeinsam darüber sprechen.

Trauriges Kind sitzt auf einer Treppe und schaut auf sein Telefon

Es ist wichtig, einen Ort zu wählen, der Ruhe, Vertrauen und Sicherheit vermittelt. Darüber hinaus sollte die Botschaft auf das Alter des Kindes ausgerichtet sein, ohne Euphemismen oder abstrakte Erklärungen zu verwenden. Zu viele Details werden nicht helfen. Schließlich gibt es eine Reihe von Ausdrücken, die wir vermeiden sollten, wenn wir einem Kind vom Tod erzählen:

  • „Er ist weit weg“  oder „Er ist jetzt im Himmel“.  Diese Sätze können Gefühle des Unverständnisses und der Verlassenheit hervorrufen.
  • „Es war Gottes Wille.“  Das könnte das Kind denken lassen, dass Gott für den Tod verantwortlich sei und dass er schuld daran sei, dass der geliebte Mensch nicht mehr da ist.
  • „Es ist okay, er hat nicht gelitten. Er starb im Schlaf.“  Diese Aussage könnte dazu führen, dass das Kind Angst vor dem Einschlafen entwickelt.
  • „Er war sehr krank.“  Das könnte das Kind denken lassen, dass es ebenfalls sterben könnte, wenn es das nächste Mal krank ist.

Es ist sehr wichtig, all das im Hinterkopf zu behalten, wenn wir ein Kind über den Tod eines geliebten Menschen informieren müssen. Der Tod ist ein sehr schwieriges Thema, aber je öfter wir mit unseren Kindern darüber reden, umso eher wird der Tod als natürlicher Teil des Lebens angenommen.