"Selbermachen": Der neue Trend in Zeiten der Pandemie

Brotbacken, Stricken, Nähen, Gärtnern... in Zeiten der Pandemie haben viele von uns wieder Freude an handwerklichen Arbeiten bekommen. Das Selbermachen ist nicht nur für dein Gehirn sehr vorteilhaft. Dadurch kannst du auch Stress und Ängste abbauen. Erfahre heute mehr über diesen Trend!
 

Die Einschränkungen der vergangen Wochen haben nicht nur unsere Lebensgewohnheiten verändert. Irgendwie haben sie uns auch dazu gezwungen, unsere Fantasie zu aktivieren und unsere verborgenen Talente zu entdecken. Der Trend zum „Selbermachen“ ist charakteristisch für diese Pandemie geworden: Kochen, Heimwerken, Handarbeiten und sogar Haareschneiden haben wir uns selber angeeignet.

Bedeutet das jetzt, dass wir nicht mehr zum Bäcker gehen oder nie mehr einen Friseur aufsuchen werden? Natürlich lautet die Antwort auf diese Frage: Nein.

Obwohl die Ausgangsbeschränkungen zunehmend gelockert werden und viele Dinge, die bis vor Kurzem nicht möglich waren, inzwischen wieder erlaubt sind, ist unser Leben dennoch nicht dasselbe wie zuvor. Inzwischen können wir beispielsweise wieder zum Friseur gehen und diese Dienste werden wir natürlich sehr gerne in Anspruch nehmen.

Dennoch konnten wir in den vergangenen Wochen zahlreiche wundervolle Hilfsaktionen erleben. In sehr schwierigen Zeiten entstehen oft aus der Not und unerwarteten Engpässen großartige Aktivitäten. Wir konnten beispielsweise erleben, wie sich viele Menschen dazu bereit erklärt haben, Masken in Heimarbeit herzustellen. Inzwischen gibt es zahlreiche Menschen, die diese Masken zuhause auch nach individuellen Wünschen fertigen.

Selbermachen hat sich zu einem neuen Trend entwickelt. Viele Menschen haben Nähen, Kochen oder auch Gärtnern gelernt. Allerdings haben wir dies meistens nicht getan, weil dies nicht unbedingt erforderlich war oder weil es uns an nichts fehlte. Wir konnten so unsere Zeit sinnvoll nutzen, unserer Fantasie freien Lauf lassen und unsere Tage mit sinnvollen Aktivitäten verbringen.

Selbermachen - Haare schneiden

Selbermachen: Mehr Vergnügen als eine Notwendigkeit

In den vergangenen Wochen waren die sozialen Netzwerke voller Fotos von Menschen, die die Ergebnisse ihrer Aktivitäten in der Küche veröffentlicht haben. Wir haben unterschiedlichste Brotvariationen gesehen. Außerdem haben uns viele Menschen mit den unglaublichsten Rezepten verlockender Desserts überrascht – einige erfolgreicher als andere.

Erst kürzlich lagen Gnocchi ganz vorne auf der Beliebtsheitsskala. Und wenn wir noch einige Tage abwarten, dann wird sich schon bald ein neuer Trend entwickeln.

Der Trend zum Selbermachen hat eine ansteckende Wirkung. Wenn wir die tollen Fotos auf Instagram sehen, wird unsere eigene Neugier geweckt und wir wollen diese Aktivitäten nachahmen. Dies führte beispielsweise auch dazu, dass für einige Wochen in fast allen Supermärkten Hefe und Mehl nahezu ausverkauft waren.

Trotz der Tatsache, dass dieses Verhalten aus psychologischer Sicht sehr interessant ist, wollen wir dennoch auf einen wichtigen Aspekt hinweisen.

Es ist absolut richtig, dass wir nicht täglich einkaufen gehen sollten, um uns selber zu schützen. Und manchmal vermissen wir dann natürlich auch frisch gebackenes Brot oder Gebäck. Dennoch haben viele Menschen mit dem Selbermachen nicht begonnen, weil dies absolut notwendig war, sondern häufig, weil es ihnen Vergnügen bereitete und sie ihre Zeit sinnvoll nutzen konnten.

 

Das Arbeiten mit deinen Händen ist ein therapeutisches Instrument, um Depressionen zu lindern

Jeder Mensch ist mit der Zeit des Lockdowns auf seine persönliche Weise umgegangen. Manche haben sich dazu entschieden, sich zu erholen und möglichst wenig zu unternehmen. Andere wiederum haben eine Aktivität nach der anderen unternommen und haben sich keine Pause gegönnt.

Egal wozu du dich entschieden hast, der Trend zum Selbermachen hat einen sehr wichtigen Vorteil, den wir unbedingt erwähnen möchten. Das Arbeiten mit deinen Händen und kreative handwerkliche Tätigkeiten wirken sich positiv auf dein Gehirn aus und können sogar Depressionen lindern.

Es gibt ein sehr interessantes Buch zu diesem Thema. Dr Kelly Lambert, eine Neurowissenschaftlerin an der Universität von Richmond in den Vereinigten Staaten, ist die Autorin von Lifting Depression: A Neuroscientist’s Hands-On Approach to Activating Your Brain’s Healing Power.

Kochen, Nähen, Stricken, Modellieren, Malen, Zeichnen, Gartenarbeiten und weitere Aktivitäten konzentrieren deine Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt. Sie regulieren deine Emotionen, reduzieren Stress und erhöhen sogar die Plastizität deines Gehirns. Daher können wir mit Sicherheit sagen, dass diese Aktivitäten in der heutigen Zeit ideal sind.

Selbermachen - Stricken

Selbermachen: Die Entdeckung, dass du dich auch selber versorgen kannst

Einige Menschen haben damit begonnen, auf ihrem Balkon oder in einem kleinen Garten einige Kräuter und Gemüse anzubauen. Wenn du die Samen in die Erde bringst und beobachten kannst, wie sie langsam anfangen zu wachsen, ist das ein tolles Gefühl. Und wenn du dann zum ersten Mal deine selbst angebauten Tomaten essen kannst, ist das ein wahrer Hochgenuss.

Wenn du Brot backst, nähst, deine Haare selber schneidest oder einen Online-Kurs belegst, siehst du, dass du auch viel erreichen kannst, ohne dabei dein Zuhause verlassen zu müssen.

Außerdem wirst du erkennen, dass du dich mit bestimmten Produkten (in bescheidenem Ausmaß) autark versorgen kannst und nicht auf alle externen Dienstleistungen unbedingt angewiesen bist. Dies ist doch ein guter Anfang. Vielleicht haben diese vergangenen Wochen zwei Dinge in uns bewirkt.

Zuerst einmal haben wir gelernt, dass wir all die Menschen, die sich um unsere tägliche Lebensmittelversorgung kümmern (Supermarkt-Mitarbeiter, Landwirte und viele mehr), noch mehr wertschätzen, als wir dies bisher getan haben.

Außerdem haben wir dank des neuen Trends zum „Selbermachen“ entdeckt, dass jeder von uns in der Lage ist, viel mehr Dinge zu tun, als wir für möglich gehalten hätten. Und darüber hinaus macht uns das auch noch viel Spaß.

 

Die Arbeit, die wir mit unseren Händen verrichten, gibt uns sehr viel und das bedeutet, dass wir sie besonders zu schätzen wissen. So sehr, dass wir diese Erfahrungen vielleicht auch dazu nutzen, um künftig einen kleinen Bio-Garten anzulegen oder uns gesünder zu ernähren, häufiger selber kochen und die gefrorenen Fertiggerichte aus den Supermärkten von unserem Speiseplan streichen.

All dies sollte uns wirklich zum Nachdenken anregen!