Die Kunst, mit sich selbst zufrieden zu sein, ist unbezahlbar

· 2. März 2018

Mit sich selbst zufrieden sein – das ist unbezahlbar. Diese Kunst, dieses psychologische Handwerk erfordert zwei Errungenschaften: sich mit der Vergangenheit zu versöhnen, um mit erfahrenen Enttäuschungen abzuschließen, und nicht besessen von der Zukunft zu sein, um Ängste abzubauen. Sich gut zu fühlen bedeutet vor allem, zu lernen, auf gesunden Denkmustern zu folgen und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren, in der man seinen inneren Frieden so gestaltet, der dass er von niemandem gestört werden kann.

Sicher sind wir alle mit diesen Aussagen einverstanden. Warum fällt es uns jedoch so schwer, dieses innere Gleichgewicht zu finden, in dem wir uns vollkommen fühlen, wo wir genießen können, was wir haben und was uns auszeichnet? Ob wir es wollen oder nicht, es gibt immer etwas, das schiefläuft, etwas, das uns stört und uns davon abhält, dauerhaftes Wohlbefinden zu erfahren, Wohlbefinden, das nicht in unseren Händen zerrinnt und beständig ist, egal ob Wind oder Flut herrschen.

„Du selbst zu sein, in einer Welt, die ständig versucht, dich zu verändern, das ist der größter Erfolg überhaupt.“

Ralph Waldo Emerson

Psychologen haben sich immer bemüht, genau dieses Ziel erreichbar zu machen. Aber das war von Anfang an eine komplexe Angelegenheit. Lange Zeit versuchte man ausschließlich, pathologische Abläufe zu verstehen. Erst Ende der 70er Jahre haben Menschen wie Martin Seligman oder Aaron T. Beck einen inspirierenden Wandel ausgelöst: Martin Seligman, bekannt für seine Studien zur Depression und erlernten Hilflosigkeit, hielt es für notwendig, Forschungsarbeiten auf eine neuen Aspekt zu konzentrieren, nämlich auf das Glück. Aaron T. Beck hingegen, ein Pionier der kognitiven Therapie, hat uns beigebracht, dass ein gewisser positiver Filter notwendig sei, um sich mit sich selbst gut zu fühlen. Diesen Filter muss angewandt werden, wenn man nach außen schaut  … und auch nach innen.

Mann sieht auf See hinaus

Akzeptanz, der Schlüssel zum persönlichen Wohlbefinden

Epiktet sagte in seinem Handbüchlein der Moral,  dass Menschen oft darauf beständen, dass das Leben sich nach ihren Wünschen richte. Das ist ein fast kindliches Bedürfnis, das unmöglich erfüllt werden kann. Deshalb erzeugt es oft Frustration. Daher hat uns der bekannteste Stoiker seiner Zeit empfohlen, einfach zu lernen, sich die Dinge so zu wünschen und sie so zu sehen, wie sie sind.

Die Kunst, mit sich selbst zufrieden zu sein, ist daher nichts anderes als die Praxis der Akzeptanz. Akzeptanz ist dabei jedoch nicht gleichbedeutend mit Passivität oder Resignation. Der Trick ist, dass wir unsere Anstrengungen in eine Reihe von Erfolgen investieren:

  • Akzeptiere die negativen Seiten der Dinge, sobald sie geschehen sind, um die Kontrolle zu übernehmen und Veränderungen herbeiführen zu können. Zum Beispiel ist es wichtig, dass wir unsere uns selbst beschränkenden und negativen Gedanken schnell wahrnehmen können, bevor sie unseren Geist und unsere Zielsetzungen vollständig beherrschen.
  • Akzeptiere, was du bist, akzeptiere deine vergangene und gegenwärtige Geschichte, akzeptiere jene Person, die du jeden Tag im Spiegel erblickst, mit all ihren Tugenden und ihren Fehlern, und versuche, die Bestätigung in dir selbst zu finden und nicht auf andere zu warten, die dir dieses Gefühl geben sollen.
Frau hält eine Wolke

Mit sich selbst zufrieden sein bedeutet, zu wissen, wie man eine Art von Akzeptanz praktiziert, in der wir die Kontrolle über unsere Gedanken behalten. Es kann immer passieren, dass das, was uns umgibt, und sogar die Menschen, die Teil unseres engsten Umfelds sind, nicht so handeln, wie wir es uns wünschen. Aber nichts davon sollte uns ärgern, denn wenn es in unserem Inneren Ruhe gibt, wenn Selbstliebe und Ausgeglichenheit dominieren, gibt es keine Wolke, hinter der sich unsere Sonne verstecken kann.

Mit sich selbst zufrieden sein – die Kunst der persönlichen Wertschätzung

Persönliche Wertschätzung ist eine ebenso nützliche wie oft ignorierte Aufgabe. Man erinnert sich vielleicht an sie, wenn man bemerkt, dass die eigene Würde immer mehr verloren geht und , dass man fast wie ein Bauer auf einem Schachbrett agiert – eine Figur von geringem Wert, die problemlos geopfert werden kann. Wir wollen die Königin sein, aber dafür müssen wir selbst wissen und uns daran erinnern, was wir wert sind und welche Rolle wir im Spiel unseres Lebens spielen.

All das erreichen wir durch adäquate persönliche Wertschätzung, das heißt, dass wir uns selbst als Teil von allem fühlen müssen, was wir tun, und mit allem, was wir tun, zufrieden sein sollten. Auf diese Weise, erreichen wir – wie wir bereits besprochen haben –  mehr Kontrolle über unsere Gedanken. Nun ist es an der Zeit, zu lernen, uns selbst zu schätzen – durch unsere tägliche Übung und Praxis.

Hier ein paar Beispiele:

  • Mit sich selbst zufrieden sein bedeutet, von den Menschen, die wir dazu auswählen, ein Teil unserer Reise zu werden, auch selbst ausgewählt zu werden.
  • Zufrieden mit sich selbst sein bedeutet auch, ein Gefühl der Selbstwirksamkeit zu haben, sich selbst für seine Erfolge und kleinen täglichen Erfolge zu schätzen.
  • Es bedeutet auch, konsistent zu sein mit dem, was wir sagen und tun, mit dem, was wir wollen und uns wünschen.
Junge geht in einem Kreis aus Büchern

Wir dürfen jedoch auch Folgendes nicht vernachlässigen: Zufrieden sein mit dem, was du bist und was du hast, ist mit Komfort verbunden. Denn das Gefühl von Freiheit und Geschick, das wir bei manchen Menschen, so wie bei uns selbst, schätzen, entsteht aus einem Mangel an überflüssigem Gewicht auf unserem Rücken.

Nichts ist so befriedigend wie das Gefühl, zu wissen, dass es keinen Ballast von gestern oder Ketten gibt, die unsere Füße binden und so unsere Bewegungen und unsere Möglichkeit zum Wachstum behindern. Lasst uns deshalb nicht die Kunst vernachlässigen, mit uns selbst zufrieden zu sein, und lasst uns dafür üben, auch wenn es großen Willen und Entschlossenheit erfordert.