Sakkadische Augenbewegungen: Merkmale und Funktionen

Sakkaden begünstigen die menschliche Anpassung und ermöglichen es uns unter anderem, uns auf Gegenstände zu konzentrieren oder zu lesen.
Sakkadische Augenbewegungen: Merkmale und Funktionen

Letzte Aktualisierung: 11. November 2021

Sakkaden sind schnelle Augenbewegungen, die im Alltag von großer Bedeutung sind, da sie es uns ermöglichen, unseren Blick auf Objekte auszurichten und sie im Detail zu analysieren. Erfahre heute Interessantes über sakkadische Augenbewegungen.

Die verschiedenen Prozesse, die unsere Aufmerksamkeit erfordern, sind faszinierend. Wenn du mit einer Person sprichst und sie anschaust, laufen im Hintergrund diese Mechanismen ganz automatisch ab. Lies weiter, um mehr über dieses Thema zu erfahren!

“Das Auge ist der Punkt, in welchem Seele und Körper sich vermischen.”

Friedrich Hebbel

Wissenswertes über sakkadische Augenbewegungen

Als sakkadische Augenbewegungen oder Sakkaden bezeichnen wir rasche und ruckartige Rückbewegungen der Bulbi, die es ermöglichen, einen Fixationspunkt zu erfassen. Diese Bewegungen werden von der Großhirnrinde und dem Colliculus superior  gesteuert.

Die Sakkaden ermöglichen es dir, deinen Blick auf einen neuen Fixpunkt zu konzentrieren. Das bedeutet, dass du deine Umgebung erkunden und Objekte analysieren kannst, während du deinen Blick im Raum bewegst. Diese Augenbewegungen sind nötig, um Details zu erfassen. Deshalb müssen sie sehr präzise sein. Sie können willkürlich sein (Willkür-Sakkaden), extern ausgelöst werden (Reflex-Sakkaden) oder spontan und zufällig auftreten. 

Sakkadische Augenbewegungen: Merkmale und Funktionen

Wie kommt es dazu?

Gutiérrez de Piñeres Botero spricht in seinem Buch “Visión humana y movimientos oculares” (Menschliche Sehfähigkeit und Augenbewegungen) über die Kontrolle dieser Bewegungen. Willkürliche Sakkaden entstehen, wenn ein bestimmter visueller Reiz unsere Aufmerksamkeit erregt oder wenn wir auf einen Befehl reagieren, beispielsweise wenn wir aufgefordert werden, in eine bestimmte Richtung zu schauen.

Sie werden von prosakkadischen und antisakkadischen Bewegungen begleitet. Prosakkaden ermöglichen es uns, unseren Blick auf einen neuen Reiz zu richten, Antisakkaden lenken unseren Blick ab. Ein Beispiel dafür ist, wenn wir jemandem in die Augen schauen wollen, um durch unsere nonverbale Sprache Aufmerksamkeit zu erregen.

Die unwillkürlichen Reflexe äußern sich als Orientierungsreflex, der auftritt, wenn ein Reiz, der außerhalb der Peripherie unseres Gesichtsfeldes liegt, plötzlich auftaucht oder wenn es einen neuen Reiz gibt. Sie haben also etwas mit dem Überleben zu tun, denn sie helfen uns, Gefahrenanzeichen zu erkennen.

Diese Funktionen können sich zeigen, wenn wir etwas lesen oder verfolgen und auf Details achten müssen. Wenn wir zum Beispiel über einen längeren Zeitraum lesen, brauchen wir diese Bewegungen, um unseren Blick auf ein Wort zu konzentrieren, wenn wir versuchen, etwas mit unseren Augen zu verfolgen, wie zum Beispiel ein Insekt; oder wenn wir auf die Details eines Kunstwerks achten wollen.

Sakkadische Augenbewegungen: die verschiedenen Arten

Sakkadische Augenbewegungen werden nach ihrem Zweck unterteilt:

  • Antisakkaden. Es handelt sich um Augenbewegungen, die sich auf eine spiegelbildliche Position des Objektes richten.
  • Vorausschauende Sakkaden. Diese Augenbewegungen ermöglichen es uns, ein Ziel zu verfolgen und das Verhalten (z.B. die Flugbahn oder die Fahrstrecke eines Autos) vorauszusehen.
  • Visuell gesteuerte Sakkaden. Sie ermöglichen es uns, unseren Blick auf ein festes Ziel zu wenden.
  • Gedächtnisgeführte Sakkaden. Das ist Augenbewegungen, die nur auf Ziele ausgerichtet sind, die in der Erinnerung bestehen.

Sakkadische Augenbewegungen wurden von Louis Émil Javal untersucht, einem Pariser Arzt, der sich für optische Instrumente und Augenbewegungen interessierte. Er tat dies, nachdem er sie in einem Experiment beobachtet hatte, bei dem Menschen gebeten wurden, schweigend zu lesen.

sakkadische Augenbewegungen beim Lesen

Sakkadische Augenbewegungen und Krankheiten

Die sakkadischen Augenbewegungen können mit Leseproblemen zusammenhängen, vor allem, wenn es um Präzision geht. So können beispielsweise bei Legasthenie Veränderungen vorliegen. In der Folge haben Betroffene weniger Ausdauer oder sind ungenau. Sie können Buchstaben nicht richtig identifizieren oder die Information nicht zur Gänze verstehen. 

Kinder kompensieren diese Schwierigkeit oft automatisch mit Kopfbewegungen. Sie helfen sich auch häufig, indem Sie dem Text mit dem Finger folgen. Häufig überspringen Sie Worte oder Sätze. Schüler mit einer hohen Anzahl an Sakkaden benötigen möglicherweise ein spezifisches Förder- oder Interventionsprogramm.

Eine Pathologie, die eng mit diesen Bewegungen verbunden ist, ist die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS), bei der Fehler aufgrund von antisakkadischen und visuell gesteuerten Bewegungen auftreten. Dies führt zu einer verzögerten Aufmerksamkeit für Details, was es schwierig machen kann, sich auf Details zu konzentrieren.

Andererseits können diese Bewegungen auch unwillkürlich erfolgen, sodass das Sehvermögen durch eine ständige unregelmäßige Bewegung der Augen beeinträchtigt wird. Diese Störung nennt sich Nystagmus und führt dazu, dass wir nicht klar sehen oder unseren Blick nicht aufmerksam fixieren können.

Zusammenfassend können wir festhalten, dass sakkadische Augenbewegungen immer dann notwendig sind, wenn wir unsere Umgebung analysieren, einem Gesprächspartner zuhören oder lesen. Sie sind grundlegend, um mit anderen in Kontakt zu treten, geschriebene Worte zu verstehen und zu überleben.

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