Roboter und Kinder mit Autismus

· 24. September 2018

Roboter sind inzwischen so weit entwickelt, dass einige von ihnen schon zu einem alltäglichen Bestandteil unseres Lebens geworden sind, wie Kochroboter und Staubsaugroboter. Außerdem hat man damit begonnen, ihnen eine menschliche Gestalt zu geben. In Anbetracht dessen kann es ein bisschen gruselig sein, zu sehen, wie schnell sich diese programmierten Maschinen weiterentwickeln. Auf der anderen Seite entbehrt das nicht dem riesigen Potenzial, welches sie jetzt und in Zukunft haben werden. Unter all diesen Möglichkeiten wollen wir heute eine besondere Fähigkeit diskutieren: Roboter können Kindern mit Autismus helfen.

Viele Kinder mit Autismus erleben soziale Isolation und haben Probleme mit der Kommunikation. Diese machen es zugleich schwer, sie zu unterstützen. Es ist, als versuche man mit dem Kopf durch eine Mauer zu kommen. Aber es gibt jetzt gute Nachrichten: Es sieht so aus, als hätten Roboter in diesem Bereich mehr Erfolg als wir Menschen.

Diese Roboter zeigen im Gegensatz zu Menschen einfache und leicht unterscheidbare Verhaltensmuster. Sie können reden und sogar einfachen Gesprächen folgen. Sie können Kopfbewegungen machen und sogar Gesichtsausdrücke zeigen. Dennoch sind diese leicht zu unterscheiden.

Kinder mit Autismus interagieren mit Robotern

Es ist ein seltsames Phänomen: Viele Kinder mit Autismus, die Schwierigkeiten haben, mit ihrer Umgebung zu kommunizieren, haben keine Probleme, wenn es um die Kommunikation mit einem Roboter geht. Wir sprechen speziell über kleine, emotional einfach programmierte Roboter mit Augen und Gliedern.

Diese Roboter haben zu einem neuen Konzept geführt, das wir „robotergestützte Therapie“ nennen könnten. In diesem Fall sind die Menschen, denen sie helfen, Kinder mit Autismus. Aber wie schaffen es diese Roboter, etwas zu tun, was nicht einmal erfahrene Therapeuten leisten können?

Ein Junge streckt seine Hand aus, im Hintergrund wartet ein Roboter auf seinen Einsatz.

In dem Versuch, Antworten auf diese Fragen zu finden, werden wir uns Juans Geschichte anschauen. Juan ist ein 6-jähriger Junge, bei dem im Alter von 2 Jahren Autismus diagnostiziert wurde. Er hörte auf zu reden, interagierte nicht mehr mit anderen Menschen und zog sich immer weiter in sich selbst zurück. Er wurde ziemlich aggressiv, was für seine Angehörigen enorm schwierig war.

Juans Mutter wusste nicht, an wen sie sich wenden sollte. Sie hatten alle empfohlenen Therapien ausprobiert, aber nichts hatte für Juan funktioniert. Es schien, als würde der Autismus immer nur schlimmer werden, nicht besser. Daher zögerte seine Mutter nicht, als sie von einem Bekannten etwas über die Möglichkeit einer Therapie mit Robotern hörte. Es dauerte auch nicht lange, bis die ersten Ergebnisse vorlagen.

Aus irgendeinem Grund begann Juan, den Kokon zu verlassen, in den er sich selbst zurückgezogen hatte. Er begann mit dem Roboter zu interagieren, der jetzt für seine Therapie zuständig war. Seine Mutter konnte ihren Augen kaum glauben! Ihr Sohn berührte den Roboter, lachte und wiederholte sogar ein paar seiner Worte. Es war eine große Leistung.

Die Universität von Miguel Hernández Elche und die Firma AISOY Robotics arbeiten aktuell an einem Plan für eine Robotertherapie, die Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung helfen kann.

Die Interaktion mit Robotern hilft Kindern in ihrem täglichen Leben

Da Juan nur mit dem Roboter aus seiner Therapie interagiert hat und nicht mit Menschen, könnte man meinen, dass er auch weiterhin nur mit diesem Roboter kommunizieren würde. Aber das ist nicht der Fall. Alle Schritte, die Juan mit dem Roboter machte, halfen ihm, seinem menschlichen Umfeld näherzukommen.

Weil er sich seit seiner frühesten Kindheit selbst zum Schweigen gebracht hatte, aufgehört hatte zu reden und mit anderen Menschen zu interagieren, konnte Juan seine Kommunikationsfähigkeiten bisher kaum entwickeln. Dank der Robotertherapie wurde sein Vokabular wesentlich besser. Die Aktionen des Roboters stimulierten auch seine Emotionen. Juan begann, zu lachen, und er konnte endlich ausdrücken, was er fühlte.

In der Therapie werden zwei Roboter bei Kindern mit Autismus eingesetzt.

Ohne Robotertherapie wäre Juan vielleicht nie aus seinem Kokon herausgekommen, in dem er sich selbst eingeschlossen hatte. Vielleicht brauchte er auch einfach nur mehr Zeit. Das Einzige, was wir sicher wissen, ist, dass diese neue Art von Therapie in kürzester Zeit schon unglaubliche Ergebnisse erzielt hat. Sie half Juan und vielen anderen Kindern, mit ihrer Umwelt zu interagieren und soziale Fähigkeiten zu entwickeln.

Viele Kinder mit einer Autismus-Spektrum-Störung haben zum Beispiel ein erstaunliches Talent für Musik oder Malerei. Sie investieren all ihre kreative Energie in diese Aktivitäten. Sie sind zudem die einzige Art von Interaktion, zu der sie fähig sind. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um einen Pinsel, ein Instrument oder etwas ganz anderes handelt.

Doch dank den Robotern können sie jetzt einfach, aber immer noch auf eine menschliche Art und Weise, kommunizieren lernen. Roboter helfen Kindern mit Autismus dabei, Fortschritte zu machen und diesen Fortschritt in ihr tägliches Leben zu integrieren.

Es gibt noch keine Heilung für Autismus. Aber die Menschen erforschen immer neue Wege, um Kinder mit Autismus zu fördern, damit sie die Werkzeuge entwickeln können, die sie brauchen, um mit ihrer Umwelt zu interagieren. Danke, Roboter!