Rafael Santandreu: „Nutze deinen inneren Dialog zum Glücklichsein“

28. Juli 2019
Dein innerer Dialog kann manchmal dein schlimmster Feind sein. Für unseren heutigen Artikel haben wir Rafael Santandreu interviewt. Er sagt dir, wie du diesen Dialog nutzen kannst, um dein Leben positiver zu gestalten.

Rafael Santandreu hat mit seinem neuesten Buch, Mach´s dir leicht, ein Selbsthilfe-Handbuch für deine persönliche Transformation und Therapie geschrieben. Dabei steht dein innerer Dialog im Mittelpunkt. Es ist ein sehr ausführliches und gleichermaßen originell geschriebenes Buch, das dir wertvolle Strategien aus der kognitiven Psychologie liefert.

Rafael Santandreu besitzt die Fähigkeit, dir die Ursachen deines eigenen Unglücks auf verständliche Art und Weise aufzuzeigen. Außerdem erklärt er dir, wie deine Gedanken deine Wirklichkeit beeinflussen.

Rafael Santandreu - Foto

Unser Interview mit Rafael Santandreu

In unserem Interview mit Rafael Santandreu gehen wir näher darauf ein, wie wichtig es ist, auf welche Art du die Dinge, die in deinem Leben geschehen, interpretierst. Das gilt auch für die schlimmsten Ereignisse.

Als Psychologe und Therapeut ist er spezialisiert auf die strategische Kurzzeittherapie. Rafael Santandreu fordert dich auf, dich selber in Frage zu stellen und dich mit dir selber zu beschäftigen. Durch die Auseinandersetzung mit dir sollst du verstehen, wie und wodurch du dein Potential als Mensch selber einschränkst.

In seinem Buch beleuchtet er einige interessante philosophische Ansätze, die dir verdeutlichen sollen, wie deine eigenen Gedanken die Grundlage für dein Glück und positive Psychologie sind.

Mach´s dir leicht besteht aus vielen originellen und innovativen Kapiteln, die dir helfen werden, als Mensch zu wachsen. Außerdem sollst du dadurch auch deine innere Freude wieder erwecken. Diese Reise ist auf jeden Fall sehr lohnenswert.

“Die stärksten und glücklichsten Menschen pflegen einen ausgefeilten, klugen und bewussten inneren Dialog.”

-Rafael Santandreu-

Ist die Basis kognitiver Therapie die Veränderung des inneren Dialoges?

Das ist richtig. Schon Epiktet sagte „Wir werden nicht gestört durch das, was uns passiert, sondern vielmehr durch unsere Gedanken darüber, was uns passiert.“ Das bedeutet, dass du nicht traurig bist, weil deine Freundin dich verlassen hat. Du bist traurig, weil du denkst: „Ich bin alleine, ich werde niemals mehr glücklich sein! Ich brauche sie!“

Normalerweise sollten uns die meisten Widrigkeiten des Lebens nicht allzu sehr beeinträchtigen. Wenn du aber permanent in einem negativen inneren Dialog mit dir stehst, dann kann das Angststörungen oder Depressionen verursachen.

Pflegen die stärksten und glücklichsten Menschen einen besonderen inneren Dialog mit sich selbst?

Das tun sie in der Tat. Dabei sind sie keine Fatalisten. Natürlich ärgern sich auch diese Menschen über die Unwegsamkeiten des Lebens, aber sie lassen sich von ihnen nicht davon abhalten, glücklich zu sein.

Eines meiner großen Vorbilder für emotionale Stärke war Stephen Hawking, der Wissenschaftler im Rollstuhl. Obwohl er sich überhaupt nicht selber bewegen konnte, sagte er, dass seine Erkrankung nur eine Nebensächlichkeit sei. Da er dachte, dass er glücklich sein würde, so lange er noch einen wertvollen Beitrag für sich selber und für andere leisten konnte. Daher wurde er einer der bedeutendsten Wissenschaftler aller Zeiten und war zudem ein sehr zufriedener Mensch.

Können wir alle diesen Dialog erlernen?

Ich kann dir versichern, dass sich dein emotionaler Zustand verändern wird, wenn du die persönliche Philosophie von Hawkings für dich anwendest. Die vielen kleinen unwichtigen Dinge werden dich nicht mehr wirklich berühren und beeinträchtigen. Dafür wirst du aber viel mehr geistigen Freiraum haben, um dein Leben zu genießen. Alles dreht sich nur noch um deinen inneren Dialog und um deine Glaubenssätze über das Leben.

Rafael Santandreu - glücklich

Worauf begründet sich diese neue Lebensphilosophie?

Eines der fundamentalen Prinzipien ist die Beseitigung der Überzeugung, dass du viele Dinge brauchst, um glücklich zu sein. Im Grunde genommen brauchen wir jeden Tag nur Wasser und Nahrung.

Letztendlich ist alles andere entbehrlich. Beispielsweise ist es nicht erforderlich, dass du einen Partner oder einen Job hast, um glücklich zu sein. Alles, was du tun musst, ist es, damit aufzuhören, dich über dein Leben zu beschweren. Dann kannst du einfach das genießen und wertschätzen, was du bereits hast.

Müssen wir gesund sein, um uns gut zu fühlen?

Nein, nicht unbedingt. Wenn wir älter werden, ist unsere Gesundheit oftmals das Erste, was wir verlieren. Aber ich versichere dir, dass du immer noch glücklich sein kannst, selbst, wenn du an einer chronischen Erkrankung leidest. Schaue dir beispielsweise Stephen Hawking an. Das Einzige, was wirklich relevant ist, ist das, was du dir selber über dich sagst.

Nach dem Verlust eines geliebten Menschen werden viele Menschen depressiv. Auch hier kann ich dir versichern, dass diese Depression einzig und allein das Produkt ihres inneren Dialoges zum Thema Tod ist. Ich persönlich glaube, dass der Tod etwas Gutes, ja man könnte fast sagen, etwas Wunderbares ist. Warum? Weil alle natürlichen Dinge gut und notwendig sind. Der Tod gehört zum Leben dazu.

Außerdem ist es ebenfalls nicht wirklich relevant, ob du ein langes oder ein kurzes Leben lebst. Das einzig Bedeutende ist, dass du ein wunderbares und großartiges Leben lebst. Menschen werden depressiv, wenn ein geliebter Mensch verstirbt. Dabei vergessen wir oft, dass die Welt voll von Menschen ist, die wir lieben können. Da sind deine Geschwister, deine Familie, deine Freunde. Liebe sie genauso wie all die Lieben, die nicht mehr am Leben sind.

Gibt es in der kognitiven Psychologie einen „richtigen“ Weg, mit Widrigkeiten umzugehen?

Ja, den gibt es. Nehmen wir meine Bücher als Beispiel. Sie sind eine Sammlung philosophischer Prinzipien, die dich davon überzeugen werden, dass du glücklich sein kannst, egal, wie auch immer die Umstände sein mögen. Außerdem wirst du viele Argumente darin finden, die dich sagen lassen werden: „Es gibt nichts, das mich unglücklich machen kann!“

Tatsächlich war Epiktet, der Philosoph, von dem du sprachst, ein Sklave.

Ganz genau. Er wurde als Sklave geboren! So wie auch seine Eltern Sklaven waren. Bereits nach seiner Geburt wurde er verkauft. Daraufhin brachte ihn sein Herr, Epaphroditus, nach Rom. Dennoch war Epiktet glücklich. Denn er sagte zu sich selbst. „Solange es sinnvolle Dinge für mich und für andere zu tun gibt, werde ich glücklich sein.“

Rafael Santandreu - smileys

Genauso dachte auch Stephen Hawking. Daraus kannst du erkennen, dass der Schlüssel zum Glück dein innerer Dialog ist. Wenn du den Dialog mit dir selber kontrollieren kannst, dann wirst du lernen, glücklich zu sein.

Ist das eine tägliche Praxis?

Ja. In der kognitiven Psychologie wirst du dazu aufgefordert, jeden Tag das zu hinterfragen, was du zu dir selber sagst, wenn etwas Unangenehmes oder Schlechtes passiert.

Wenn du zum Beispiel in einem Stau stehst, dann solltest du nicht zu dir selber sagen: „Das ist Mist! Das sollte jetzt nicht passieren!“ Stattdessen solltest du zu dir sagen.“Letztendlich ist es nicht relevant, dass ich hier im Stau stehe. Während dieser Wartezeit kann ich viele sinnvolle Dinge tun. Ich kann beispielsweise singen oder vielleicht meine Mutter anrufen.“

Sollte ich meinen inneren Dialog nach jedem Problem überprüfen, egal ob es ein kleines oder ein großes ist?

Ganz genau das. Wenn du das nächste Mal im Stau stehst, dann wirst du überrascht sein, wie wenig dich diese Situation beeinträchtigen wird. Oder nehmen wir an, dass jemand etwas Beleidigendes zu dir sagt. Dann solltest du daran arbeiten, dass es dich nicht wirklich berührt. „Mich muss nicht jeder mögen. Außerdem ist es egal, ob mich jemand beleidigt. Das ist Problem des anderen, nicht meines.“

Wie lange dauert es, bis sich eine positive Veränderung bei mir einstellt, wenn ich mit dem inneren Dialog arbeite?

Während des ersten Monats wirst du bereits große Fortschritte und Verbesserungen an dir bemerken. Natürlich musst du konsequent daran arbeiten. Nach drei Monaten wirst du dich dann um 80 % besser fühlen. Ein oder zwei Jahre später wirst du dich vermutlich um 100 % besser fühlen. Aber  du musst jeden Tag daran arbeiten.

Zusammenfassend sagte Rafael Santandreu, dass du dich insgesamt glücklicher fühlen wirst. Außerdem wirst du viel mehr wagen und auch die guten Dinge im Leben sehr zu schätzen wissen.