Das antike griechische Heilmittel gegen Depressionen und Angstzustände

23. Mai 2019

Das griechische Heilmittel gegen Depressionen und Angstzustände, um das es heute gehen soll, ist in einem interessanten ganzheitlichen Ansatz entwickelt worden. Es handelt sich hierbei um eine Lebensweise, die als Bios Phytagoras  bekannt ist. Diese soll den Menschen beibringen, auf ihre Ernährung und ihre körperliche Aktivität zu achten sowie auch auf ihre Intellektualität. Auf den Körper Acht zu geben und den Geist zu kultivieren, waren für unsere Vorfahren die Schlüssel zur Weisheit sowie auch zur Förderung des Wohlbefindens.

Es ist durchaus möglich, dass uns diese Schlüssel bis in die heutige Zeit elementar erscheinen. Nun sind wir in unserer Gesellschaft an einem Punkt angelangt, an dem es immer dringender wird, uns auf diese Fundamente zu besinnen, womit wir die Komplexität unseres Alltags reduzieren, unsere Sorgen minimieren, Reize abbauen und Prioritäten setzen können.

Die Philosophie ist immer ein interessanter Zufluchtsort, an den wir von Zeit zu Zeit zurückkehren sollten, um zu lernen, nachzudenken und zu erwachen. In einer Welt, in der die Technologie jedes unserer persönlichen Universen zum Einsturz bringen kann, ist es besonders interessant, sich an den Zweck dieser Disziplin zu erinnern. Persönlichkeiten wie Platon, Aristoteles oder Phytagoras sprachen nicht nur über moralische, ethische oder ästhetische Konzepte; sie lehrten uns auch die „Kunst des guten Lebens“. Und was noch viel wichtiger ist, sie lehrten uns das ultimative Ziel der Philosophie. Dieses bestand schon immer darin, besser denken zu können und verstehen zu lernen. Dies ist ein wesentlicher Faktor, der uns auf lange Sicht auch erlaubt, in unser eigenes Wohlbefinden zu investieren.

„Gesundheit erfordert das Wissen über die primäre Konstitution des Menschen, so wie über die Wirkung der verschiedenen natürlichen als auch der vom Menschen hergestellten Lebensmittel. Doch das Essen ist nicht allein ausschlaggebend für unsere Gesundheit. Ebenso müssen wir einen Sport betreiben, dessen Auswirkungen bekannt sein müssen.“

Hippokrates

Skulptur von Platon, der sitzt

Das griechische Heilmittel gegen Depressionen und Angstzustände – worin besteht es?

Nicholas Kardaras ist ein klinischer Psychologe, der für seine Arbeiten in verschiedensten Bereichen anerkannt wird ist, vor allem aber für seine Beiträge zu psychischer Gesundheit, Süchten und den Auswirkungen der modernen Technologien. Eine seiner erfolgreichsten Veröffentlichungen war ohne Zweifel How Plato and Pythagoras can save your life: the ancient greek prescription for health and happiness (zu Deutsch: Wie Platon und Pythagoras dein Leben retten können: das antike griechische Rezept für Gesundheit und Glück,  noch nicht auf Deutsch verfügbar). In dieser Arbeit, die auf einer Konferenz der American Psychological Association präsentiert wurde, weist er auf Folgendes hin:

  • In der heutigen Zeit stellen Depressionen und Angstzustände zwei der größten Herausforderungen im Bereich der öffentlichen Gesundheit dar. Darüber hinaus schätzt die WHO, dass diese Krankheiten im Jahr 2030 zu den Hauptproblemen im Gesundheitswesen darstellen werden.
  • Ebenso ergaben neuere Studien, wie eine, die am King’s College in London (England, Vereinigtes Königreich) durchgeführt wurde und die als die größte Studie zu Depressionen und Angstzuständen angesehen wird, höchstinteressante Resultate. Zum Beispiel, dass zwischen 30 und 40 % des Risikos an Depressionen und Angstzuständen zu erkranken, genetisch bedingt und 60 bis 70 % auf Umweltfaktoren zurückzuführen sind.
  • Dieser größere Anteil hängt daher von uns selbst ab, sowie von den Maßnahmen, die wir zur Steigerung unseres Wohlbefindens ergreifen.
  • Der Ursprung dieser psychischen Störungen liegt nicht nur in unserem industrialisierten und urbanisierten Lebensstil. Ebenso sind wir dabei, unsere existenziellen Prioritäten, unsere Ziele zu verlieren. Vielmehr suchen wir unser Glück in Produkten mit programmierter Obsoleszenz.

Wir isolieren uns immer mehr; wir sind eine hypervernetzte Gesellschaft, die sich dennoch einsamer fühlt, als je zuvor.

Depressive Frau, die sich die Augen zuhält

Weitere Arbeiten ergaben interessante Erkenntnisse, die diese Behauptungen stützen und ergänzen. Indigene Völker, wie die Kaluli in Papua-Neuguinea, weisen weit weniger Anzeichen von Depressionen auf. Sie wenden in ihrem Alltag eine grundlegende Lebensphilosophie an, die es ihnen ermöglicht, großes Wohlbefinden zu erlangen und zu erhalten.

Auch uns steht ein solches Heilmittel gegen Depressionen zur Verfügung. Jenes, das Phytagoras zu seiner Zeit verkündete und das als Bios Phytagoras bekannt ist. Lasst uns sehen, worin dieses besteht.

Eine Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist

Omega-3-Fettsäuren sind jene Fettsäuren, die in Lebensmitteln wie Olivenöl, Lachs, Walnüssen oder Chiasamen enthalten sind. Interessanterweise zeigen viele aktuelle Studien, dass diese Art der Fettsäuren als authentisches Mittel zur Neuroprotektion wirkt.

Regelmäßige körperliche Betätigung

Das Gymnasium des antiken Griechenlands war eine Institution, die sich dem körperlichen und geistigen Unterricht widmete. Eine Domäne war daher mit der anderen verbunden. In der heutigen Zeit vernachlässigen wir oft die Bedeutung dessen, unseren Körper zu trainieren, ihn aktiv zu halten und jene Vitalität zu genießen, die uns wiederum mit unserer Umwelt, mit der Natur und auch mit uns selbst verbinden kann.

In Harmonie mit dem Sonnenlicht sein

Dies stellt einen weiteren Schlüssel der griechischen Antike zur Heilung von Depressionen dar. Wenn wir genauer darüber nachdenken, fällt uns auf, dass wir diese Verbindung immer mehr verlieren: Wir umgeben uns mit künstlichem Licht, das von unseren Arbeitsplätzen und unseren elektronischen Geräten ausgeht. Diese Art des Lichts wirkt sich direkt auf unsere Ruhe und somit auch auf unsere Gesundheit aus. Wir sollten Sonnenbäder nehmen und unsere Zeitpläne so strukturieren, dass uns diese Verbindung mit den Zyklen der Natur nicht verloren geht.

Glückliche Frau, die in der Sonne liegt

Aufgaben ausführen, die uns negative Gedanken vermeiden lassen

Die Griechen waren in Sachen Genuss, Entspannung und kultiviertem Vergnügen, um die Sorgen zu bekämpfen, wahre Gurus. Es ist nicht notwendig, in den Hedonismus zu verfallen, doch wir sollten uns selbst erlauben, diese Momente zu genießen, in denen wir mit unseren Leidenschaften in Kontakt treten und uns frei, glücklich und kreativ fühlen können.

Dialektische Diskussionen

Die Dialektik ist ohne Zweifel ein sehr interessantes Thema. Sie ist die Kunst des Zuhörens, Konfrontierens, Debattierens, Relativierens, Lernens, sowie der Erneuerung von Ideen, der Entdeckung von Zwecken. In erster Linie bedeutet das, dass es uns bereichert, soziale Kontakte zu haben, die uns neue Perspektiven eröffnen und uns mit ihrer Energie, Vitalität und ihrem Optimismus fordern.

Diese Säulen des griechischen Heilmittels gegen Depressionen könnten stabiler und einfacher nicht sein. Mehr als eine Erste-Hilfe-Ausrüstung sind sie eine Einladung dafür, neue Lebensstile zu erschaffen, ein Projekt zu generieren, in dem wir uns als Protagonisten positionieren, um unser Wohlbefinden zu steigern und ständig an ihm zu arbeiten.

  • Kardaras, Nicholas (2011) How Plato and Pythagoras Can Save Your Life. New York: Conari