Psychosoziale Intervention für die psychische Gesundheit

9. Dezember 2019
Obwohl die Zahl der psychischen Erkrankungen fortlaufend ansteigt, bleiben psychosoziale Interventionen nach wie vor weitgehend unerforscht. Daher möchten wir heute darauf eingehen, welche Rolle du im Rahmen einer Intervention spielen kannst. Darüber hinaus werden wir die damit verbundenen Zielsetzungen und Möglichkeiten erläutern.

Nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Gesundheit „ein Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen“. Um diesen Zustand zu erreichen oder beizubehalten, kannst du unterschiedliche Strategien aus verschiedenen Bereichen anwenden. Einer dieser Wissensbereiche und Anwendungsmöglichkeiten ist die psychosoziale Intervention.

Zunächst einmal ist es wichtig, dass wir verstehen, was psychosoziale Intervention bedeutet. Nach Alvis (2009) ist psychosoziale Intervention ein Prozess, der darauf abzielt, die Entwicklungsfähigkeit von Menschen, ihrer Familien und Gemeinschaften zu steigern.

Dadurch wird es den Betroffenen möglich, Einfluss auf ihr individuelles und soziales Umfeld zu nehmen bzw. es eigenständig zu kontrollieren. Auf diese Weise verbessert sich ihr Wohlbefinden und ihre Lebensqualität.

Durch regelmäßiges Training und die Bereitstellung individueller Werkzeuge werden die Patienten dazu befähigt, sich mit ihren Problemen auseinanderzusetzen und sie zu lösen. Darüber hinaus werden sie auch Veränderungen in ihrem sozialen Umfeld vornehmen können.

“Was psychische Gesundheit braucht, ist mehr Sonnenlicht, mehr Offenheit und mehr unbeschämte Konversation.“

-Glenn Close-

Was bedeutet psychische Gesundheit?

Oramas, Santana und Vergara sagten im Jahr 2013, dass psychische Gesundheit darin besteht, etwas über die Realität zu lernen, um sie anschließend durch Konfrontation, Management und die Anwendung von Konfliktlösung zu transformieren. Dabei gilt dies sowohl für die interne Realität eines Menschen als auch für sein Umfeld. Wenn dieser Lernprozess gestört wird oder ein Mensch bei seinem Lösungsversuch scheitert, dann kann man von einer Erkrankung sprechen.

Auch andere Autoren beschreiben psychische Gesundheit in ähnlicher Weise. Riviere sagt, dass psychische Gesundheit als Fähigkeit verstanden wird, dialektische und transformative Beziehungen mit der Welt aufrechtzuerhalten. Diese ermöglichen es, die inneren Widersprüche eines Individuums und auch jene, die mit seinem sozialen Kontext zusammenhängen, aufzulösen (zitiert von Oramas, Santana und Vergara, 2013).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert psychische Gesundheit als „einen Zustand des Wohlbefindens, bei dem jedes Individuum sein eigenes Potenzial erkennt, mit den normalen Belastungen des Lebens umgehen kann, produktiv und ertragreich arbeiten kann und dazu in der Lage ist, einen Beitrag in ihrer oder seiner Gemeinschaft zu leisten.

psychosoziale Intervention - Mann mit geschlossenen Augen

Obwohl die Fähigkeit von Menschen, ihre alltäglichen Konflikte zu bewältigen und ihre Realität zu transformieren, von großer Bedeutung ist, gibt es noch weitere entscheidende Faktoren in Bezug auf die psychische Gesundheit:

  • Sozialer Kontext: Armut, Missbrauch oder Zugehörigkeit zu Minderheiten
  • Familiärer Hintergrund
  • Komorbidität mit anderen chronischen Erkrankungen

Die psychosoziale Intervention greift sowohl in den psychologischen als auch den sozialen Kontext des Patienten ein, wobei diese beiden Bereiche eng miteinander verbunden sind.

Dazu muss der Patient zunächst sein gesamtes soziales Umfeld in Betracht ziehen und auch dasjenige, mit dem er interagiert. Bei der Intervention ist es sehr wichtig, die entscheidende Bedeutung der Fachkräfte in der Grundversorgung anzuerkennen. Dies ist der naheliegendste und zugänglichste Dienst. Davon ausgehend wird ausgebildetes Fachpersonal den Patienten dann bewerten und ihn weitervermitteln.

Darüber hinaus müssen wir daran denken, dass verschiedene Fachleute eng miteinander kooperieren müssen. Dadurch wird es erst möglich, die angestrebten Ziele zu erreichen. Obwohl auch die medikamentöse Behandlung der Patienten wichtig ist (natürlich nur mit den Medikamenten, die ein Facharzt verschrieben hat), dürfen wir nicht vergessen, dass eine psychosoziale Intervention ebenfalls sehr effektiv ist.

Wie auch im Handbuch Good Practices in Intervention for People with Mental Illness (Gute Interventionspraktiken für Menschen mit psychischen Erkrankungen, 2016) beschrieben, muss die psychosoziale Intervention soziale Unterstützung, Überwachung, Begleitung und soziale Rehabilitation umfassen. Das hauptsächlich verfolgte Ziel dieser Interventionen ist es, einen Beitrag zur Autonomie eines Menschen zu leisten, der an einer psychischen Erkrankung leidet.

Daher müssen die Betroffenen individuelle und personalisierte Aufmerksamkeit und Unterstützung bekommen. Dabei sollten folgende Aspekte beachtet werden:

  • Die individuellen Bedürfnisse des Patienten
  • Unterstützung durch die Familie oder das nahe stehende Umfeld
psychosoziale Intervention - Therapeutin mit Patienten

Psychosoziale Intervention zur Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen

Dazu gehören unter anderem nachfolgende Maßnahmen:

  • Aktivitäten in Bezug auf die Lebenssituation: Betreuung und Unterstützung bei der Wohnungssuche usw
  • Tägliche Aktivitäten
  • Unterstützung bei instrumentellen täglichen Aktivitäten
  • Überwachung und Unterstützung bei der Medikamenteneinnahme
  • Hilfestellung und Anleitung bei Organisation und Zeitmanagement
  • Training bezüglich des sozialen und familiären Lebens
  • Sozialrechtliche Beratung

Grundsätzlich sind wir uns heute der Wichtigkeit der psychischen Gesundheit viel bewusster, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Dennoch müssen wir nach wie vor noch viel über psychische Erkrankungen lernen und verstehen. Daher sollten wir als Gesellschaft allmählich einfühlsamer und toleranter werden und uns noch mehr über diese Thematik informieren.

Außerdem sollten wir all diejenigen, die Hilfe benötigen, dazu ermutigen, einen Psychologen oder Psychiater aufzusuchen und ihnen aufzeigen, wie hilfreich eine psychosoziale Intervention für sie sein könnte.

“Psychische Erkrankungen sind kein Grund, sich zu schämen, aber wir alle sollten über deren Stigmatisierung und die Vorurteile über sie beschämt sein.“

-Bill Clinton-

  • Alvis. A. (2009). Aproximación teórica a la intervención psicosocial. Poiésis, 9(17).
  • Bernal, P., Diana, J. J., Carroza, E., Fábregas, D., Fernández, C., González, C., Jímenez, A., Jurado, P., López, P., Luque, S., Pareja, N., Rosa, J.J., Ruíz, F., Sánchez, N., Torres, A. y Torres, S. (2016). Guía de Buenas prácticas en intervención por personas con enfermedad mental. Feades Andalucia Salud Mental.
  • Hernández, B. (2013). El Trabajo Social en la intervención psicosocial con personas con trastorno mental severo: una reflexión sobre el papel de las familias. Documentos de trabajo social: Revista de trabajo y acción social, (52), 314-325.
  • López, M., & Laviana, M. (2007). Rehabilitación, apoyo social y atención comunitaria a personas con trastorno mental grave: propuestas desde Andalucía. Revista de la Asociación Española de Neuropsiquiatría27(1), 187-223.
  • Oramas, A., Santana, S, & Vergara, A. (2013). El bienestar psicológico, un indicador positivo de la salud mental.