Psychophysiologische Störungen: Inwieweit unsere Gefühle unseren Körper beeinflussen

 

Ist es dir auch schon einmal so gegangen, dass du in Zeiten der Angst mehr Bauch- oder Kopfschmerzen bzw. Verspannungen hattest? Und wie erging es dir, als du extrem wütend warst? Wenn wir es von diesem Standpunkt aus betrachten, fällt uns auf, dass unsere Gefühle wesentlichen Einfluss auf unser Wohlbefinden nehmen.

Auf diese Weise können wir leichter verstehen, was psychophysiologische Störungen sind. Dabei handelt es sich um physische Erkrankungen, deren Ursprung in der Psyche liegt oder deren Verlauf durch unsere Emotionen beeinflusst wird. Wir möchten dich dazu einladen, zusammen mit uns zu entdecken, wie wichtig es für unsere physische Gesundheit ist, mit unseren negativen Gefühlen umzugehen.

„Von 90 Krankheiten entstehen 50 durch Schuldgefühle und 40 durch Unwissenheit.“

Paolo Mantegazza

Wie entstehen psychophysiologische Störungen?

Gefühle manifestieren sich durch ein dreifaches Reaktionssystem: das kognitive, physiologische und antreibende System.

  • Das kognitive System bezieht sich auf unsere Gedanken, wenn wir unterschiedliche Gefühle erleben. Sobald in uns Wut aufkommt, schießen uns Gedanken wie „das macht er nur, um mich zu ärgern“ oder „ich kann einfach nicht glauben, dass sie mir so etwas antut“ durch den Kopf. Dieser innere Dialog unterscheidet sich dabei vollkommen von dem, der stattfindet, wenn wir traurig sind.
  • Das physiologische System umfasst die körperlichen Empfindungen. In diesem Sinn gibt es also Emotionen, die uns mehr oder weniger aktivieren, genauso wie es andere gibt, die uns in unterschiedlichem Ausmaß deaktivieren. Als Beispiel hierfür nehmen wir die Angst. Sie ist ein Gefühl, das uns auf physiologischer Ebene stark aktiviert, sodass unsere Herz- und Atemfrequenz steigen.
  • Das antreibende System seinerseits ist die Gesamtheit unserer Verhaltensweisen im Angesicht der von uns verspürten Gefühle. Wenn wir Angst empfinden, versuchen wir, uns zu beschützen oder zu fliehen, was andere Verhaltensweisen sind als die, die wir zeigen, wenn uns Traurigkeit überkommt.
Ängstliche Frau lehnt an Fensterscheibe

Es existieren unzählige psychophysiologische Störungen. Da gibt es kardiovaskuläre Alterationen, respiratorische Probleme, endokrine Dysbalancen, Verdauungsstörungen, Hautprobleme oder Immunschwächen sowie chronische Schmerzen bei rheumatoider Arthritis. Das sind nur ein paar Beispiele, doch es gibt noch viele mehr.

„Im Angesicht der durch Elend entstehenden Krankheiten, im Hinblick auf Traurigkeit, Angst und das soziale Unglück der Menschen, sind Mikroorganismen wohl leicht abzustellende Ursachen einer Krankheit.“

Ramón Carrillo

Angst und Wut Gefühle bringen eine starke physiologische Aktivierung mit sich: Muskelverspannungen, Hyperventilation und Herzrasen machen sich gleichzeitig zu anderen physiologischen Symptomen bemerkbar. Unser Körper liefert sich dadurch zunächst Energie, um sich der Gefahr zu stellen, die dafür gesorgt hat, dass diese Emotionen auftauchen. Deshalb handelt es sich bei dieser Aktivierung nicht notwendigerweise um etwas Schlechtes.

Zu einem Problem wird sie aber, wenn wir diese Gefühle sehr intensiv, häufig oder über einen längeren Zeitraum hinweg empfinden. Denn dann bleibt unser Körper zu lange angespannt, da diese Aktivierung im Grunde genommen verschwinden sollte, sobald wir den Auslöser für dieses Gefühl überwunden haben. Aber da dem nicht so ist, werden unsere Organe überlastet und in ihnen finden morphologische und funktionelle Veränderungen statt.

Erschöpfte Frau auf einer Couch

Alles, was wir bis hierhin erklärt haben, lässt uns eines schlussfolgern: Die Art und Weise, wie wir verschiedene Situationen wahrnehmen und interpretieren, hilft uns dabei, unsere negativen Emotionen und deren Auswirkungen auf unsere Physis besser zu kontrollieren. Genauso verhält es sich auch, wenn wir an das Geschehene angepasste Lösungen finden.

Somit können wir verhindern, dass unsere Aktivierung langfristig anhält und die Wahrscheinlichkeit wird geringer, dass wir psychophysiologische Störungen entwickeln. Das trifft übrigens auch dann zu, wenn jemand rein körperlich erkrankt – insofern das möglich ist. Der Patient kann sich dafür entscheiden, so gut wie möglich mit seiner Erkrankung zu leben und belastet sich dann nicht mehr als nötig. Manchmal ist dieses Ziel nur schwer zu erreichen, doch mit der Hilfe eines guten Psychologen können wir es schaffen.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von David Cohen, Benjamin Combs und Milada Vigerova