Psychophysiologie: Was ist das?

27. April 2019

Die Psychophysiologie ist jener Zweig der Psychologie, der psychische Vorgänge im Zusammenhang mit körperlichen Prozessen untersucht. Kurz gesagt, die Psychophysiologie analysiert das menschliche Verhalten und die zugrunde liegenden physischen Prozesse.

Seit den Anfängen im 19. Jahrhundert ist der Forschungsgegenstand der Psychophysiologie unverändert geblieben. Allerdings haben das Erscheinen von neuen Technologien und der allgemeine Erkenntnisgewinn ihre Spuren hinterlassen, sodass es heute unterschiedliche Ansätze gibt, um sich diesem Thema zu widmen.

In der Moderne verwenden Psychologen die verschiedensten Techniken, um das Gehirn zu untersuchen. Und es wird immer deutlicher, dass die einzelnen Teilgebiete der Psychologie nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können. So besteht ein Zusammenhang zwischen Psychophysiologie, Neuropsychologie, Psychoendokrinologie, Psychoimmunologie und der Psychobiologie der Neurowissenschaften.

Ein Puzzleteil und ein Kopf aus Papier liegen auf einem Holztisch.

Psychophysiologische Zeitschriften

Einige der bekanntesten wissenschaftlichen Zeitschriften auf diesem Feld sind:

  • Psychophysiology,  seit 1964
  • Internationale Journal for Psychophysiology,  seit 1983
  • Journal of Psychophysiology,  seit 1987
  • Applied Psychophysiology and Biofeedback, seit 1997
  • Cognitive Neuroscience,  seit 2010

Ein Überblick über die Psychophysiologie

Wie bereits erwähnt, besteht das Hauptziel der Psychophysiologie darin, den Menschen und die Prozesse, die hinter seinem Verhalten stecken, zu untersuchen. Aus diesem Grund werden in diesem Zweig der Wissenschaft insbesondere Techniken zum Erfassen physiologischer Signale verwendet, die digital umgewandelt und von Experten analysiert werden.

Dazu finden vordergründig elektrische oder bioelektrische Methoden Anwendung. Instrumente wie der Thermistor oder der Photoplethysmograph sind für diese Aufgabe unglaublich nützlich und liefern zuverlässige Messergebnisse. Sobald die Sensoren die physiologische Reaktion erfassen und übertragen, können die Daten entweder transformiert, verstärkt oder gefiltert werden, je nach Fragestellung. Um das Signale lesen zu können, ist häufig ein Oszillograf erforderlich. Der zeichnet mit feinen Tintenstiften, die sich in konstanter Bewegung befinden, die eingehenden elektrischen Daten auf.

Daten werden von einem Oszillografen aufgezeichnet.

Um die psychophysiologische Reaktion zu deuten, müssen Experten sowohl eine Analyse als auch eine Interpretation der aufgezeichneten Daten durchführen. Dazu beachten sie folgende Parameter:

  • Amplitude,
  • Frequenz (Hz)
  • Wellenform
  • Latenz (ms)
  • Wissenschaftliche Methode oder Zyklus
  • Intervall

Grundlegende Aufnahmetypen

Die Signale können einpolig oder zweipolig registriert werden:

  • Einpolig (endosomatisch): Eine Elektrode befindet sich in einem aktiven Hauptbereich und eine andere in einem inaktiven Bereich. Ein EEG beispielsweise ist eine Möglichkeit, einpolige Aufzeichnungen zu machen.
  • Zweipolig (exosomatisch): Das Signal wird von zwei Elektroden aufgezeichnet, die an zwei elektrisch aktiven Punkten angebracht sind. Ein EKG beispielsweise funktioniert auf diese Weise.

Arten von psychophysiologischen Reaktionen

  • Tonisch: Dieser Terminus bezieht sich auf das basale Level eines psychophysiologischen Signals bei Aktivität.
  • Phasisch: Dieser Begriff beschreibt die Reaktion oder den Aktivitätsgrad nach einer Stimulation. Als Reaktion auf einen Reiz tritt eine vorübergehende Änderungen des tonischen Pegels auf.
  • Spontan oder unspezifisch: Diese Reaktionen erscheinen in Abwesenheit einer gezielten Stimulation und zeigen den Grad der Labilität, eine Art Rauschen an.
Aufzeichnung von Hirnströmen

Abgesehen von dem, was wir bisher erwähnt haben, ist es wichtig, auch den Kontext der Aufzeichnung zu berücksichtigen. Wenn die Aufzeichnung beispielsweise im Labor durchgeführt wird, werden Variablen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht in der Regel kontrolliert.

Während der Aufzeichnung erledigt das Individuum die experimentelle Aufgabe, meist in mehreren verschiedenen Phasen: Zu Beginn ist es erforderlich, die Merkmale und physiologischen Reaktionen des Subjekts kennenzulernen. Dann folgt die Anpassungsphase, gefolgt von einer Grundaufnahme, einer Stimulusaufnahme und einer Nachreizung.

Schließlich ist es erwähnenswert, dass die Psychophysiologie wie ein Baum ist, von dem viele Äste abzweigen; sie erstreckt sich in viele verschiedene Wissenschaftsbereiche. Die Interpretation psychophysiologischer Daten erfordert daher in aller Regel Wissen aus anderen Disziplinen. Aber genau deshalb ist die Psychophysiologie auch für all diese anderen Wissenschaften so nützlich. Es ist definitiv ein faszinierendes Forschungsfeld.

  • Kakarot, N.; Mueller, F.; Bassarak, C. (2012). “Activity–rest schedules in physically demanding work and the variation of responses with age”. 
  • Fabiani, M (2012). “It was the best of times, it was the worst of times: A psychophysiologist’s view of cognitive aging”. Psychophysiology.