Promiskuität: Ziellos in der Liebe treiben

· 12. September 2018

Nach einer schmerzhaften Trennung oder mehreren erfolglosen Beziehungen fühlst du dich möglicherweise verloren. Wie ein gestrandetes Schiff mitten im Ozean, das ziellos und außer Kontrolle umhertreibt. Für viele Menschen ist Promiskuität eine Alternative zu dieser Situation. Doch was ist Promiskuität überhaupt?

Man könnte sie als Flucht vor einer Situation beschreiben, ohne zu versuchen, aus der eigenen Vergangenheit zu lernen und erlittene Wunden zu heilen. Eine Person zu verlassen, mit der man so viel durchgemacht hat, schmerzt nicht nur wegen der nun bestehenden physischen Distanz, sondern auch wegen der emotionalen Trennung. Letztere mag zudem schwieriger zu heilen sein, weil wir uns dieser Art von Heilung widersetzen.

Eine Frau flüstert einem Mann etwas ins Ohr.

Promiskuität als ein nicht abgeschlossener Trauerprozess

Nach einer Trennung durchlaufen viele Menschen einen langen Trauerprozess, in dem sie nach und nach versuchen, sich mit dem Geschehen zu arrangieren, mit dem Verlust eines Partners. Zuerst weigern sie sich, die Situation zu akzeptieren. Dann kommt Hoffnungslosigkeit bezüglich der Zukunft dazu, möglicherweise zusammen mit einer Depression und Angststörungen.

Die nächste Phase des Prozesses ist die der Akzeptanz, der Rückkehr zur realen Welt und der Erkenntnis, dass die ursprünglichen Hoffnungen nur Utopie waren. Jetzt ist es an der Zeit, sich selbst wieder aufzubauen und neue Leute zu treffen. Schließlich, wenn alles gut geht, kommt das Gefühl auf, die Trennung überwunden zu haben. Jetzt sind wir in der Lage, die vergangene Beziehung objektiv zu analysieren und aus den begangenen Fehlern zu lernen.

Promiskuität entwickelt sich bei denen, die diesen Trauerprozess nicht abschließen können, sei es aus Angst oder als Abwehrmechanismus. Sie bleiben in einer der genannten Phasen stecken und verweigern sich somit selbst die Möglichkeit, in Zukunft positive Beziehungen führen zu können. Sie entscheiden sich dazu, desensibilisiert zu sein und Beziehungen nur dazu zu nutzen, um sich die Zeit zu vertreiben.

Reisende, die nirgendwohin gehen

Menschen, die sich promisk verhalten, wechseln von einer Person zur anderen, sie wechseln von einem Bett ins nächste. Sie lassen sich einfach treiben, ohne irgendeine Richtung in ihrem Leben zu haben. Sie werden durch den Drang zu neuen Erfahrungen getragen und betrachten sich als wahre Abenteurer. Immer auf der Suche nach Vergnügen, Freude und Euphorie, ohne je das Bedürfnis nach fester Bindung zu verspüren. Noch dazu haben sie keinerlei Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Menschen, mit denen sie zusammenkommen.

Wir sollten sie nicht mit jenen verwechseln, die sich bewusst dafür entscheiden, keinen Partner zu haben, sondern es vorziehen, allein zu bleiben. Promiskuität ist nicht das Ergebnis der Entscheidung, Single zu sein und zu bleiben. Es ist eher eine emotionale Selbstsabotage.

Eine Frau führt einen Mann über einen Weg.Vor langfristigen Verpflichtungen fliehen

Ein promisker Mensch spielt mit anderen, unbewusst und gegen deren Willen. Auch wenn er vielleicht eine stabile Beziehung zu einem neuen Partner beginnen will, kann er das nicht, da er immer noch nicht den Schmerz der vorangegangenen Trennung überwunden hat.

Er ist unwissentlich fest in seiner Vergangenheit verwurzelt. Deshalb zieht er es vor, lediglich von Insel zu Insel zu fahren, ohne an irgendeiner Küste längere Zeit anzuhalten. Selbst wenn er zufällig das Paradies findet, nach dem er sich dermaßen sehnt, wird er es der Liebe nicht erlauben, in sein Herz einzutreten. Ein promisker Mensch wird die Person, welche immerhin die Liebe seines Lebens sein könnte, einfach gehen lassen und selbst weiter durch die Welt reisen.

Immer die Tür offen lassen

Wenn du mit einem unter Promiskuität leidenden Menschen sprichst, wird er wahrscheinlich versuchen, dich dazu zu bringen, seiner Philosophie zu folgen: „Es ist besser, das zu bereuen, was du getan hast, als das, was du nicht getan hast“, „Mach weiter! Riskiere etwas! Wenn du es nicht ausprobierst, wirst du nie wissen, was hätte passieren können“  und ähnlich Aussagen gehören dazu. Promiske Menschen bevorzugen ein „Bis später“  vor dem Abschiedsgruß. Sie vermitteln damit stets den Eindruck, dass sie jederzeit zurückkehren könnten. Aber alle Beteiligten wissen, dass sie es niemals tun werden.

Intermittierende Liebe

Ihre Liebe ist intermittierend. Heute hier und morgen weg. Der promiske Mensch kommt und geht. Sein tägliches Leben wird von Instabilität, Ausschweifung und Selbstsucht kontrolliert und beherrscht. Wer sich mit ihm einlässt, wird damit enden, nichts mehr von ihm zu erwarten.

Romantisches Abendessen

Dieses Verhalten kann gefährlich sein. Es ist eine Art „im Moment zu leben“, die süchtig machen und eine tiefe Abhängigkeit schaffen kann. Noch schlimmer kann es werden, wenn Promiskuität als Lebensweg definiert wird. Ein ständiges Leben auf dem Drahtseil wechselnder Liebschaften schafft eine Unsicherheit, die pathologisch werden kann.

Übermäßig extrovertiert

Promiske Menschen genießen es, neue Freundschaften zu schließen und sporadische Beziehungen zu haben, fast genauso, wie Partner gehen und Beziehungen zerbrechen zu lassen. Auf der einen Seiten lässt es sie zwar verzweifeln, gleichzeitig motiviert sie es allerdings auch. Selten sind ihre Beziehungen produktiv und fruchtbar. Sie bevorzugen es, das Reisen zu genießen, anstatt für lange Zeit an einem Ort zu verweilen. Ihr Leben basiert auf dem Hier und Jetzt und auf dem steten Wandel.

Wenn es nur vorübergehend ist, hilft es zu lernen

Trotz all des bisher Erwähntem, ist es manchmal eine gute Idee, dem Alltagstrott zu entfliehen und einen Abstecher in die weite Welt zu wagen. Nachdem sie eine besonders schädliche langfristige Beziehung endlich überwunden haben, entscheiden sich viele Menschen dazu, dass nun die Zeit reif sei, auf neuen Weiden zu grasen.

Diese Menschen könnten sich durchaus dazu entschließen, der „Promiskuität“ zu verfallen. Dabei wären sie sich völlig im Klaren darüber, dass sie das nur tun, um ihren Schmerz zu stillen. Sie sind frei, zu reisen, verloren zu gehen und sich dann wiederzufinden, ohne die Menschen um sie herum zu verletzen. Diese Art der Trauerbewältigung ist besonders für sehr emotionale Menschen hilfreich. Sie dient ihnen normalerweise als eine bereichernde Erfahrung und als Möglichkeit, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Mit dem Kompass in der Hand auf LiebessucheWie man einem promisken Menschen hilft

Normalerweise ist sich ein promisker Mensch nicht bewusst, wie sehr er an emotionaler Erschöpfung leidet. Sollte er tatsächlich auf dich hören, ist es eine gute Idee, ihn zu einem Psychologen oder Psychotherapeuten zu bringen. Nur ein Beziehungsspezialist kann ihm helfen, die notwendigen Änderungen in seinem Leben vorzunehmen, um es wieder zu normalisieren.

In diesen Fällen geht es nicht darum, seine Überzeugungen oder Werte zu ändern. Es geht mehr darum, ihm zu helfen, sein Leben neu auszurichten und die Panzerung zu durchbrechen, die zu seinem tief verwurzelten Selbstverteidigungsmechanismus geworden ist, um ihn vor Verletzungen in Sachen Liebe zu beschützen.