Präpartale Psychologie: Wie wichtig es ist, eine gesunde Bindung zum Kind aufzubauen

· 5. Juni 2018

Viele Frauen empfinden die Schwangerschaft als magische Erfahrung. Dabei legen sie den Fokus meist auf die körperlichen Veränderungen, die sie während der Schwangerschaft erleben, und vergessen oft den mentalen Aspekt, obwohl die präpartale Psychologie hochinteressant ist. Dieser Bereich der Psychologie beschäftigt sich mit den psychologischen Herausforderungen, denen sich schwangere Frauen stellen müssen – von der Empfängnis bis zur Geburt.

Auch wenn die Schwangerschaft als wundervolle Erfahrung gilt, fühlen sich manche Mütter allein und unvorbereitet, sind ängstlich und gestresst. Darüber hinaus können ein angespanntes, häusliches Umfeld oder eine traumatische Geburt zu Wochenbettdepressionen führen. Die präpartale Psychologie hat unter anderem das Ziel, diese zu vermeiden. Sie vermittelt den Frauen Mittel und Wege, um mit schwierigen Situationen umgehen zu können, was der Gesundheit von Mutter und Kind zugutekommt.

Doch das Feld der präpartalen Psychologie ist noch weiter. Sie lehrt auch Strategien, mit denen Mütter eine gesunde und starke Bindung zu ihrem Kind aufbauen können, was die Grundlage für ein glückliches und gesundes Leben beider ist.

Sorgen und Ängste während der Schwangerschaft

„Egal, ob deine Schwangerschaft sorgfältig geplant, medizinisch herbeigeführt oder eine Überraschung war, es ist sicher, dass dein Leben nie mehr dasselbe sein wird.“

Catherine Jones

Die Mutterschaft ist eine radikale Umstellung und natürlich wird sie von Unsicherheit und Zweifeln begleitet. Es gibt so einiges, das schiefgehen könnte: Frühgeburt, eine sehr schwere Geburt, Probleme beim Stillen, Probleme, eine Beziehung zu dem Kind aufzubauen … Wenn ein Baby unterwegs ist, sehen sich Mütter deshalb mit einer ganzen Reihe von Ängsten konfrontiert und stellen sich unzählige Fragen: Wird alles gut gehen? Was, wenn der Ultraschall zeigt, dass etwas nicht stimmt? Der Arzt hat so komisch geguckt, vielleicht verheimlicht er mir etwas?

Kenntnisse um die präpartale Psychologie geben Müttern aber die Chance, mit diesen Ängsten umzugehen und sie abzubauen. Sie sind die Werkzeuge, mit denen sie jede Hürde nehmen können.

Die Darstellung eines Babys im Mutterleib.

Bis hierhin klang es vielleicht so, als beträfe die präpartale Psychologie ausschließlich die werdenden Mütter. Und ganz offensichtlich stehen die schwangeren Frauen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Eine Schwangerschaft betrifft sie am stärksten, schon allein aufgrund des körperlichen Aspekts, einschließlich des hormonellen und emotionalen Chaos. Aber auch der andere Elternteil sowie weitere Familienmitglieder erleben Veränderungen. Für diese sollten sie offen sein und bereit, neue Strategien zu erlernen.

Die präpartale Psychologie hilft …

  • Vor der Empfängnis: Vielleicht leidet ein Paar wegen eines unerfüllten Kinderwunsches und zieht eine künstliche Befruchtung in Betracht. Das löst oft eine Menge Druck aus. Für den Fall, dass eine Schwangerschaft keine Option ist, arbeiten Psychologen mit dem Paar an dessen Überzeugungen und Vorstellung zum Thema Kinder. Sie können auch dabei helfen, Erlebnisse aus der Vergangenheit zu verarbeiten, etwa eine Abtreibung oder eine Fehlgeburt.
  • Während der Schwangerschaft: Gerade für sogenannte Erstmütter kann der Gedanken an die Geburt enorm beängstigend sein. Immerhin ist es für sie das erste Mal. Dazu sind sie auch zum ersten Mal mit den körperlichen und psychologischen Veränderungen, die eine Schwangerschaft mit sich bringt, konfrontiert. Angst ist eine übliche Reaktion und ein Bereich, in dem die präpartale Psychologie helfen kann. Die Mutter kann Entspannungsübungen und Atemtechniken erlernen, mit denen sie sich beruhigen kann.
  • Nach der Geburt: Eine Geburt kann durchaus traumatisch sein. Das Kind liegt vielleicht in der falschen Position, vielleicht ist eine Geburtszange notwendig oder sogar ein Kaiserschnitt. In solchen Fällen ist eine psychologische Betreuung besonders wichtig. Sie kann dazu beitragen, Wochenbettdepressionen vorzubeugen, und Mutter und Kind dabei helfen, eine gute Bindung zueinander aufzubauen.
  • Der Familie: Die Ankunft eines Babys verändert das Leben der Mutter – aber auch das des Partners und der gesamten Familie. Sich diesen Veränderungen anzupassen, ist dabei nicht immer einfach. Die präpartale Psychologie bietet den Eltern und der Familie Hilfe an, um mit der neuen Realität klarzukommen.
Eine schwangere Frau und ihr Mann blicken sich glücklich an.

Eine Beziehung aufbauen

Die Grundlagen für die Mutter-Kind-Bindung werden gelegt, während sich das Kind noch im Bauch der Mutter befindet, natürlich geht es auch nach der Geburt noch darum, diese Bindung zu festigen. Von dem Zeitpunkt an, in dem die Mutter ihr Kind das erste Mal im Arm hält, stärkt sich diese Verbindung mit jedem Moment, der vergeht. Aber es kann Probleme beim Stillen oder der bei Versorgung des Babys geben, die sie auf die Probe stellen. Das gilt vor allem dann, wenn die Mutter nach der Geburt unter Wochenbettdepressionen leidet.

Der Kontakt zum Baby ist außerordentlich wichtig, genau wie das Erkennen und Stillen der Bedürfnisse des Babys. Durch präpartale Psychologie lernt die Mutter, sich liebevoll auf ihr Kind einzulassen. Das ist das Fundament einer sicheren Bindung. Und die sichere Bindung ist immer das Ziel.

Junge Eltern kümmern sich liebevoll um ihr Baby.

„Wenn wir Erwachsene Probleme damit haben, dem Kind zu geben, was es braucht, dann liegt es an uns, einen kritischen Blick auf unsere Versäumnisse zu legen, anstatt dem Kind die Schuld zu geben“.

Laura Gutman

Präpartale Psychologie hat zu jeder Phase der Schwangerschaft etwas zu sagen, und zur Zeit nach der Geburt. Das Ziel sind ein gesundes, glückliches Baby und eine gesunde, glückliche Mutter – und eine ganz besondere Bindung zueinander. Und natürlich auch ein gesunder, glücklicher Vater, Oma und Opa, Bruder und Schwester. Ein aufregendes Leben wartet auf die gesamte Familie!