Pendeln kostet Zeit und belastet die Gesundheit

Wie viel Zeit verbringst du mit dem Pendeln zur und von der Arbeit? Die Wissenschaft sagt uns, dass die Stunden, die wir im Berufsverkehr verbringen, eine große Quelle für Stress und Ängste sind.
Pendeln kostet Zeit und belastet die Gesundheit

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 07. Juni 2022

Millionen Menschen verlieren tagein tagaus beim Pendeln viel Zeit. Dies führt zu Stress und gefährdet die Gesundheit, ganz besonders, wenn die Strecke mit dem Auto zurückgelegt wird. Obwohl sich die Arbeit im Homeoffice immer mehr einbürgert, gibt es viele Jobs, bei denen keine Telearbeit möglich ist. Zahlreiche Menschen müssen lange Anfahrten in Kauf nehmen, um ihrer Arbeit nachzukommen.

Zusätzlich zu einem höheren finanziellen Aufwand und dem Zeitverlust hat das Pendeln ernste Auswirkungen auf das psychische und physische Wohlbefinden. Häufige Folgen sind Müdigkeit, Schlafmangel, Stress und Angstzustände. Betroffene haben meist wenig Zeit für Erholung und Familie.

Eine Minute, die vergeht, ist unwiederbringlich. Wie können wir mit diesem Wissen so viele Stunden verschwenden?

Frau muss jeden Tag pendeln
Viele Menschen müssen täglich weite Strecken zurücklegen, um zur Arbeit zu fahren.

So wirkt sich das Pendeln auf uns aus

Die Kosten für das gewählte Lebensprojekt sind oft hoch: Durch das Pendeln verlieren zahlreiche Menschen viel Zeit, doch nicht jeder hat die Möglichkeit, in der Nähe einen Job zu finden, den er zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht. Zu den weiten Strecken kommen häufig lange Staus. Bereits am frühen Morgen ist deshalb große Konzentration gefordert, was nicht immer einfach ist.

Eine Studie der Universität Alicante betont, wie sich das Pendeln zwischen Wohnung und Arbeitsplatz auf unsere Gesundheit auswirkt. Je länger die Zeit, desto größer sind die negativen Auswirkungen auf das Leben einer Person. Diese Studie stellte fest, dass Frauen von den Folgen des Pendelns stärker betroffen sind.

Dies liegt vermutlich daran, dass Frauen im Haushalt und in der Kindererziehung noch immer mehr Arbeiten übernehmen als Männer und deshalb zusätzlich belastet sind.

Auslöser für Stress und Ängste beim Pendeln

Es stimmt, dass manche Menschen gerne zur und von der Arbeit pendeln. Diejenigen, die fahren müssen, können diese Minuten für sich in der Einsamkeit genießen. Wer hingegen mit der U-Bahn oder dem Bus fährt, hat die Möglichkeit, sich beim Lesen oder Musikhören zu entspannen.

Die Wahrheit ist jedoch, dass nur sehr wenige Menschen diese erzwungenen Zeiträume genießen.

  • Zunächst einmal erfordern solche Reisen frühes Aufstehen und spätes Nachhausekommen.
  • Autofahren ist eine Tätigkeit, die viel Konzentration erfordert, was manchmal stressig sein kann. Verstopfte Straßen, Verkehr, Verspätungen oder schlechte Manöver anderer Fahrer verstärken die schlechte Laune. Genauso wie die Ungewissheit: Wir wissen nie, was uns erwartet, wenn wir ins Auto steigen.
  • Die öffentlichen Verkehrsmittel werden immer überfüllter. Verspätungen sind häufig und das ist eine weitere Variable, die Ängste auslösen kann.
  • Wenn der Weg zur Arbeit lang ist, kommt man mit einem hohen Grad an Erschöpfung am Arbeitsplatz an. Diese Müdigkeit sammelt sich Tag für Tag an und schwächt die Gesundheit.
  • Hinzu kommen zwei weitere beunruhigende Faktoren: Lärm und Umweltverschmutzung. Beide haben einen großen Einfluss auf unser Wohlbefinden.
Frau wird beim Pendeln wütend
Lange Strecken zur Arbeit sind erschöpfend und verursachen oft schlechte Laune.

Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wenn du jeden Tag ein bis zwei Stunden (manchmal auch mehr) auf dem Weg zur Arbeit verbringst, ist Sport das Letzte, worauf du Lust hast. Natürlich gibt es immer Ausnahmen. Untersuchungen von Dr. Christine M. Hoehner von der Universität Washington und ihrem Team weisen darauf hin, dass längere Pendelwege das Risiko von Herzerkrankungen erhöhen.

Der Grund? Die chronische Erschöpfung führt zu einer sitzenden Lebensweise. Pendler kommen müde nach Hause und haben keine Lust, sich zu bewegen und Sport zu treiben. Hinzu kommt der stets gefährliche Schlafmangel. All das führt zu hohem Blutdruck, Gewichtszunahme, schlechten Essgewohnheiten…

Es gibt noch einen weiteren, nicht weniger wichtigen Faktor: Du hast weniger Zeit für deine Familie, für Erholung und Freizeitaktivitäten. Dies entmutigt, denn die tägliche Routine wiederholt sich ohne unterhaltsame Unterbrechungen. All das gefährdet nicht nur die körperliche, sondern auch die psychische Gesundheit. Pendeln reduziert die Lebensqualität deutlich.

Das könnte dich ebenfalls interessieren...
Ich hasse meinen Job, aber ich brauche ihn: Was kann ich tun?
Gedankenwelt
Lies auch diesen Artikel bei Gedankenwelt
Ich hasse meinen Job, aber ich brauche ihn: Was kann ich tun?

Was kann ich tun, wenn ich meinen Job hasse und ihn trotzdem brauche? Finde in diesem Artikel einige hilfreiche Strategien.



  • . (2021) Happy at a price: employment challenges, life satisfaction, and lifestyle benefits among older individuals in rural communities in Canada and Ireland. Community, Work & Family 24:1, pages 39-59.
  • . (2020) Exploring the effects of commuting on workers’ satisfaction: evidence for Spain. Regional Studies 54:4, pages 550-562.
  • . (2020) Commuting and wellbeing: a critical overview of the literature with implications for policy and future research. Transport Reviews 40:1, pages 5-34.
  • . (2019) An evaluation of the value of time for commuting in Seoul: A life satisfaction approach. International Journal of Sustainable Transportation 13:10, pages 703-709.