Oxytocin, das Liebes- und Glückshormon

· 19. Januar 2018

Oxytocin ist ein Hormon, das viele verschiedene Aufgaben erfüllt. Wir wissen immer noch nicht genau, welche das alles sind. Aber wir wissen zum Beispiel, dass es Oxytocin ist, das uns mit anderen Menschen verbindet: Es gibt uns jene Kraft und Energie, die eine Rolle bei der Entwicklung von Zuneigung, in der Fortpflanzung und Stillzeit, und in der Liebe in all ihren Formen und Farben spielt. Oxytocin ist das, was Geburten bewirkt, was Leben formt und glücklich macht. Oxytocin ist das Glückshormon.

Oxytocin wird in unserem Hypothalamus produziert und wird von unserer Hypophyse abgesondert. Studien über dieses winzige organische Molekül, das sowohl Hormon als auch Neurotransmitter ist, gibt es immer mehr. Vor wenigen Monaten beispielsweise enthüllte das Wissenschaftsmagazin Social Cognitive and Affective Neuroscience  die Rolle, die Oxytocin auf der mentalen Ebene spielen kann, wenn es um Entspannung, Frieden und Prozesse geht, die beispielsweise durch Meditation in Gang gesetzt werden. Um es anders auszudrücken: Oxytocin verbindet uns nicht nur mit anderen. Es fördert auch psychologische und emotionale Mechanismen, die uns helfen, uns besser mit uns selbst zu verbinden. Es hat mit unserem inneren Gleichgewicht zu tun.

Jetzt, da wir einige seiner Funktionen beschrieben und über seine Wichtigkeit gesprochen haben, werden wir versuchen, dieses unglaubliche Hormon Oxytocin ein wenig besser kennenzulernen.

Liebespaar

Oxytocin, das Hormon der Liebe und … noch mehr

Oxytocin ist ein Oligopeptid, das aus neun Aminosäuren besteht. Es wurde zu Beginn des letzten Jahrhunderts entdeckt und vom Biochemiker Vincent du Vigneaud 1953 synthetisiert. Damals wurde dieser Stoff, der in unserem Gehirn so eine wichtige Rolle spielt ist, erstmalig unter die Lupe genommen. Das Ziel war es zunächst, herauszufinden, was Oxytocin zu unserem Leben beiträgt.

Jetzt wissen wir, dass diese chemische Substanz der Motor ist, der viele unserer positiven sozialen Verhaltensweisen antreibt und prägt. Empathie, Vertrauen, Freundschaft, Großzügigkeit und Altruismus wären ohne Oxytocin nicht denkbar. Es hat auch eine grundlegende Funktion in der Regulation der Aktivität der Belohnungszentren: Es ist das Glückshormon, das während des Orgasmus ausgeschüttet wird.

Und angesichts dieser Eigenschaften geht man davon aus, dass es für die wirklich intensiven und bedeutsamen Beziehungen unabdingbar ist. Aber, wie in einem Artikel der Zeitschrift Neuroscience and Biobehavioral Reviews  erklärt wird, ist dieser Zusammenhang komplexer, als wir es uns auf den ersten Blick vorstellen können. Weil in gefühlsbedingten Beziehungen so viel passiert. Es gibt viele verschiedene Dynamiken in dem Cocktail aus Neurotransmittern, der Oxytocin einschließt.

Liebespillen

Wenn wir verliebt sind und diese intensive, verrückte, fast obsessive Leidenschaft fühlen, senkt Oxytocin unsere Hemmungen. Wissenschaftler sagen, dass dieses Hormon eine ähnliche Wirkung auf unsere neuronalen Schaltkreise habe wie Alkohol. Es ermutige uns, Risiken einzugehen, uns selbst zu vertrauen und mögliche Gefahren oder Auswirkungen der potenziellen Beziehung nicht zu sehen. Auch wenn sie uns schaden könnte. Auch wenn sie giftig ist.

Manche mögen dies die „dunkle Seite des Oxytocin“ nennen. Aber es macht es interessanter.

Oxytocin, der Moderator des Lebens

Oxytocin reguliert Großzügigkeit, Fürsorge, Vertrauen und Mitgefühl. Wenn das wahr ist, ist es leicht, zu verstehen, warum Menschen es das „Humanitätshormon“ nennen.

Aber wir sollten eine sehr wichtige Tatsache nicht vergessen: Auch im Tierreich kümmern sich Mütter um ihre Kinder und verteidigen sie bis zum Tod. Oxytocin reguliert auch ihr Verhalten. In der Tat wissen wir, dass Menschen und Hunde aufgrund dieses Hormons wunderbare Verbindungen zueinander aufbauen können.

„Augen werden einem blinden Herzen keine Hilfe sein.“

Arabisches Sprichwort

Anstatt es nur als Humanitätshormon zu bezeichnen, sollten wir es aus einer umfassenderen und wichtigeren Perspektive betrachten. Als Vermittler von Leben. Weil es uns ermöglicht, miteinander, mit anderen Spezies, mit unserer Umwelt und sogar mit uns selbst zu kommunizieren. Es erleichtert die Koexistenz. Wir verstehen, dass Zuneigung, Nächstenliebe, Fürsorge und Selbstfürsorge das Überleben garantieren.

Mann mit Hund

Forscher haben jüngst entdeckt, dass Oxytocin unsere Aufmerksamkeit auf die sozialen und emotionalen Informationen in unserer Umgebung richtet. Es hilft uns also, zu interpretieren, welche Reize wichtig sind. Auf diese Weise können wir uns erinnern, interpretieren und verarbeiten. Auch hier haben wir diese Kraft, die uns einlädt, uns mit dem zu verbinden, was uns umgibt. Sich wie ein Teilnehmer zu fühlen, als Teil eines Ganzen.

Diese Forschungsrgebnisse könnten auch für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen signifikant sein. In der Tat haben sie gezeigt, dass ein Oxytocinmangel zum Auftreten von Autismus beitragen kann. Aus diesem Grund haben die ersten klinischen Studien begonnen, in denen versucht wird, mit Oxytocin die soziale Integration und Interaktion zu verbessern. Hoffen wir, dass es funktioniert.

Lasst uns auch hoffen, dass noch viele weitere Entdeckungen über dieses erstaunliche Molekül gemacht werden.