Nutzen und Risiken der Schocktherapie

· 3. Oktober 2018

Der Terminus „Schocktherapie“ umfasst eine Vielzahl von Therapien, die sich mitunter stark voneinander unterscheiden. Was sie gemeinsam haben, ist, wie der Name schon sagt, eine schockierende Wirkung. Es handelt sich dabei um Reize, die in der Lage sind, akute Veränderungen im Gehirn eines Menschen herbeizuführen.

Soweit wir wissen, waren die alten Griechen die ersten, die mit der Schocktherapie experimentierten. Wir wissen, dass sie bei Menschen, die sich in einem sehr aufgeregten Zustand befanden, Schocktherapien anwandten. Es gibt Hinweise darauf, dass beispielsweise Angst vor Erstickung mit Luftentzug behandelt wurde. Das ist sicher eine fragwürdige Idee, die, wie wir sehen werden, eine starke emotionale Erfahrung hervorrufen kann.

„Angst schärft die Sinne, während Furcht sie lähmt.“

Kurk Goldstein

Die Schocktherapie selbst ist in der Psychiatrie zu Hause. Zunächst führten Psychiater die Insulinschocktherapie und die Cardiazolschocktherapie ein. Anscheinend hat eine Überdosierung der jeweiligen Substanzen die von psychisch Kranken gezeigten Symptome verbessert. Später führte man dann die Elektroschocktherapie ein. Diese Art der Behandlung ist bis heute sehr umstritten, wird aber nach wie vor von Psychiatern angewendet.

Im Laufe der Zeit haben Experten verschiedene Techniken in die Kategorie der Schocktherapie aufgenommen. Sie reichen vom Gehen auf heißen Kohlen bis hin zur öffentlichen Verkündigung bestimmter Misserfolge. In allen Fällen ist das Prinzip das gleiche: Es geht darum, den Patienten einer intensiven emotionalen Erfahrung auszusetzen, mit dem Ziel, Verhaltensänderungen zu provozieren.

Eine kurze Geschichte der Schocktherapie

Es ist nicht einfach, die Relevanz und Wirksamkeit der Schocktherapie zu beurteilen. Es liegt auf der Hand, dass eine Person, die einem grenzwertigen, traumatisch wirkenden Ereignis ausgesetzt wird, sich in gewisser Weise verändern wird. Die Frage ist, ob die Änderung tatsächlich das Problem löst, das es zu beheben versucht? Und wenn die Antwort ja lautet, ist die Änderung dann auch dauerhafter Natur?

Schocktherapie versetzt eine Frau außer sich

Es gibt viele umstrittene Aspekte der Schocktherapie. Therapeuten begannen im 16. Jahrhundert damit, psychische Erkrankungen formal zu behandeln. Die Daten zur Unterstützung ihrer Wirksamkeit waren jedoch nicht immer zuverlässig. Das liegt daran, dass diejenigen, die diese Art der Psychiatrie praktizierten, Informationen nicht organisierten und kaum mithilfe wissenschaftlicher Methoden erlangten.

Später machte Ugo Cerletti, ein italienischer Neurologe, eine merkwürdige Beobachtung. Er entdeckte, dass Schweine, die vor dem Schlachten Elektroschocks erhielten, sich ruhiger verhielten. Das brachte ihn auf die Idee, etwas Ähnliches an Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie zu versuchen.

Nutzen und Risiken der Schocktherapie

Die klassische Schocktherapie gibt es nach wie vor, und sie führt immer noch zu Kontroversen. In vielen Fällen verursacht die Schocktherapie Hirnschäden. Mit diesem Schaden verschwinden einige Zustände psychotischer Angst. Dennoch ist der Preis in den meisten Fällen – wenn auch nicht in allen – sehr zu hoch: Es gibt dokumentierte Fälle, in denen die Schocktherapie zu bleibenden Verletzungen oder zum Herzstillstand geführt hat. Mit anderen Worten, sie kann zum Tod des Patienten führen. Es gibt auch Fälle von Menschen, die nach diesen Verfahren in einen vegetativen Zustand verfallen sind.

Psychiater setzen die Elektroschocktherapie weiterhin ein. Sie verwenden sie vor allem bei schweren Depressionen. Es gibt eine ganze Reihe von Menschen auf der Welt, die behaupten, von diesen Verfahren profitiert zu haben. Und es ist möglich, dass sie recht haben. Ebenso aber ist es möglich, dass der Patient die Behandlung als schwere Strafe betrachtet. Folglich verzichtet er auf bestimmte Verhaltensweisen, die der behandelnde Arzt nicht sehen will. Das ist im Einzelfall kaum abzuklären.

Elektroschocktherapie bei einer Frau

Schocktherapie und Psychologie

Nun, es gibt einige Schocktherapien, die weniger schädlich sind. Psychologen verwenden sie vor allem zur Behandlung von Phobien. Die Methode besteht darin, die Patienten ihren Ängsten auszusetzen. Die behandelnden Psychologen begleiten sie währenddessen.

Wenn diese Art der Therapie Anwendung findet, berichten Patienten nicht selten, dass sie wahre Qualen erlebt haben. Bevor ihr Therapeut sie ihren Ängsten aussetzt, verspüren sie verständlicherweise Angst und leiden – in der Erwartung, sie konfrontieren zu müssen. Doch wenn sie sich ihren Ängsten stellen und nicht länger vor ihnen fliehen, wird ein gegenteiliger Prozess in Gang gesetzt. Sie fühlen sich zunehmend selbstsicher und selbstbewusst.

Bei der Schocktherapie erfolgt die Exposition in der Regel nur einmal. Das ist genug, damit die Phobie verschwindet. Allerdings verwenden Psychologen manchmal auch progressive Expositionsschemata. Das hängt von der Situation ab.

Eine Frau weint beim Psychologen

Wie zu anderen Themen in der Psychologie ist auch hier das letzte Wort noch nicht gesprochen. Es gibt keine absolute Wahrheit, denn jeder Mensch ist einzigartig. Was für den einen funktioniert, kann für den anderen katastrophal sein. Psychologen müssen jeden Patienten, den sie behandeln, gründlich untersuchen. Erst dann sollten sie eine Schocktherapie in Betracht ziehen oder diese Option verwerfen.