Mythen über Trauer: Tücken bei der Bewältigung

· 6. September 2018

Es gibt so viel Kummer, wie es Verluste gibt, und jeder Mensch geht damit anders um. Allerdings gibt es, wie bei anderen Phänomenen auch, einige Mythen über Trauer, die geklärt werden sollten, vor allem, weil sie die Emotionen, die mit der Trauer einhergehen, konditionieren.

Viele der Überzeugungen, die wir im Laufe des Lebens angenommen haben, sind von Mythen über Trauer geprägt, die uns verletzlich machen. Sich der durch den Verlust verursachten Schmerzen bewusst zu sein, schwächt uns nicht, sondern hilft uns, diese menschliche und anpassungsfähige Reaktion als etwas Natürliches zu akzeptieren.

Mythen über Trauer

Verluste und alles, was damit einhergeht, sind Teile des Lebens. Nichtsdestotrotz verstehen wir häufig die Trauer, die mit dem Verlust einhergeht, falsch. Deshalb ist es notwendig, die entsprechenden Mythen darüber zu untersuchen, die im kollektiven Unbewussten noch vorhanden sind, und gegebenenfalls aufzulösen:

  • Du musst stark sein. Verbannen wir die Vorstellung, dass Traurigkeit das Gefühl der Schwachen, der weniger Belastbaren wäre. Um nicht das Bild von jemandem, der zerbrechlich ist, abzugeben, setzen wir eine Maske auf, während wir im Inneren zerbröckeln. Außerdem machen wir das so geschickt, dass wir Empathie für uns unmöglich machen, was dazu führt, dass Menschen uns weniger helfen.
  • Trauer = Depression. Es ist wahr, dass beide einige Gemeinsamkeiten haben, wie Weinen, tiefe Traurigkeit, Apathie und Distanz, aber denken wir daran, dass Trauer nur eine normale Reaktion auf einen signifikanten Verlust ist.
Traurige Frau

  • Trauer kommt nur auf, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Trauer ist eine normale Reaktion auf jede Art von Verlust: eine Beziehung, ein Haustier, die Gesundheit, eine Stadt oder ein Lebensabschnitt – sie sind alle Verluste, die einen Trauerprozess motivieren können. Oft werden diese alternativen Anlässe zur Trauer noch mehr zum Schweigen gebracht, noch weniger anerkannt, als die, die entsteht, wenn ein geliebter Mensch uns für immer verlässt.
  • Medikamente sind notwendig, um die Schmerzen und Ängste im Zusammenhang mit der Trauer zu lindern. Trauer ist keine Krankheit, die geheilt werden muss, und die damit verbundenen Emotionen sind völlig normal. In einigen Fällen können Medikamente eingesetzt werden, aber die üblichen Symptome sind ein Zeichen eines erhöhten Bedarfs an Geduld und Sympathie.
  • Es ist besser, nicht darüber zu reden. Freunde denken, dass es der beste Weg wäre, das Thema zu vermeiden und die Person abzulenken. In Wirklichkeit wollen und müssen Menschen, die leiden, aber über ihren Verlust sprechen.

Andere falsche Überzeugungen über Trauer

Hier sind einige weitere Mythen, die wir während der Trauerbewältigung hören, denen wir zwar nicht so oft begegnen, die aber immer noch existieren:

  • Wenn du nicht weinst, bist du nicht wirklich traurig. Weinen ist nicht die einzige Antwort unseres Körpers, wenn wir etwas verlieren, noch ist es eine notwendige Manifestation von Traurigkeit. Menschen können tiefe Schmerzen empfinden und sie auf viele Arten zeigen, ohne Tränen zu vergießen.
  • Wer am meisten weint, ist derjenige, der am meisten trauert. Dieser Mythos ähnelt dem zuvor genannten. Trauer reduziert sich nicht nur auf Tränen. Dieser Prozess beinhaltet auch Schuld, Wut, Angst, Verlegenheit und andere Gefühle. Momente der Freude und des Friedens können ebenfalls auftreten.
  • Trauer ist ein linearer Prozess. Viele Autoren haben „gemeinsame Etappen“ vorgeschlagen, aber der Trauerprozess ist immer noch etwas sehr Persönliches.
  • Trauer und Klagen sind dasselbe. Trauer ist unsere eigene Erfahrung und unsere persönliche Antwort auf einen Verlust. Klagen sind der äußere Ausdruck von Trauer, die soziale Antwort, die wir offen mit anderen teilen.
  • Wenn der Tod „natürlich“ ist, verursacht er keine Trauer. Der Tod eines älteren Menschen kann eher erwartet werden, aber das bedeutet nicht, dass der Trauerprozess weniger schwer wäre.
  • Du musst weitermachen. So wie wir im Trauerprozess fortschreiten, werden wir wieder die Kontrolle über unser Leben übernehmen, aber die Beziehung zu dem, was wir verloren haben, wird immer in unserer Erinnerung und in unserem Herzen bleiben.
  • Die Zeit heilt alle Wunden. Trauer ist eine adaptive Antwort, die nie wirklich endet; wir lernen, mit ihr zu leben. Aber einige Emotionen können jederzeit wieder auftauchen, während wir uns an unseren Verlust erinnern.
Einsame Frau sitzt allein auf einer Schaukel; die Schaukel neben ihr bleibt leer

Andere Lügen, die wir uns selbst erzählen

  • Feuer mit Feuer bekämpfen. Sätze wie „Es gibt viele Fische im Meer“ lehren uns, dass wir, um einen Verlust zu überwinden, ihn ersetzen müssten, aber das ist ein großer Fehler. Kein Ersatz wird die Erleichterung bringen, die wir suchen.
  • Es ist besser, die Details des Vorfalls nicht zu kennen, die Leiche des Verstorbenen nicht zu sehen. Die Kenntnis der Details, die mit dem Tod eines geliebten Menschen verbunden sind, hilft uns, die Realität des Verlustes zu akzeptieren und reduziert Verwirrung. Es stimmt jedoch, dass wir in schockierenden Fällen anderen sehr sorgfältig erklären müssen, was sie zu erwarten haben.
  • Der Glaube, die verstorbene Person zu sehen, bedeuten, dass wir den Verstand verlieren oder stark deprimiert sind. Am Anfang ist es üblich, den Toten zu sehen oder zu fühlen. Dennoch ist es sehr wichtig, auf diese Zeichen zu achten und professionelle Hilfe zu suchen, wenn es angebracht ist.
  • Je mehr wir einen Menschen lieben, desto schwieriger ist es, die Trauer um seinen Verlust zu überwinden. Es gibt keine Regeln für den Trauerprozess, da er eine persönliche Erfahrung ist, die von vielen Faktoren abhängt, nicht nur von der Liebe.
  • Die trauernde Person muss schnell zu ihren Aktivitäten zurückkehren. Je beschäftigter, desto besser. Eine schnelle Rückkehr zu den alltäglichen Aktivitäten kann die Trauer beeinflussen und verhindern, dass sie in zufriedenstellender Weise bewältigt wird.
  • Kinder sind nicht in der Lage, den Tod zu verstehen. Es ist besser, alles zu leugnen und sie vor der Realität zu schützen. Kinder erkennen die emotionalen Reaktionen ihrer Mitmenschen und zu glauben, dass sie nicht wüssten, was passiert, ist ein großer Fehler. Es ist wichtig, dass Kinder den Trauerprozess zur gleichen Zeit wie alle anderen in der Familie durchlaufen.

Das Brechen dieser Mythen über Trauer ist wichtig, um den Menschen zu helfen, mit diesem natürlichen Prozess umzugehen. Der Weg, der zur Heilung der durch den Verlust verursachten Schmerzen führt, bedeutet, sich auf diesen Schmerz zuzubewegen. Uns selbst zu erlauben, das zu fühlen, was wir fühlen, und es auszudrücken, ist die wahre Essenz des Umgangs mit unseren Gefühlen.