Mehr lachen: Auch ein erzwungenes Lächeln macht glücklich

· 14. November 2018

Mehr zu lachen ist ein Vorhaben, das bei vielen auf der To-Do-Liste steht. Manchmal ist es aber schwieriger, einfach so zu lächeln, als wir denken. Manchmal müssen wir uns regelrecht dazu zwingen. Hierbei stützen wir uns auf eine Hypothese: Glücklich zu sein bringt uns zum Lachen, und genauso macht uns auch ein Lächeln glücklicher.

Die Theorie, auf der diese Prämisse basiert, besagt, dass uns unsere Art der Kommunikation mit unserem Körper uns emotional beeinflusse. Wenn wir dazu neigen, pessimistisch und melancholisch zu denken, ist es sehr wahrscheinlich, dass wir auch einen entsprechenden Geisteszustand annehmen werden. Deshalb können wir sagen, dass unsere nonverbale Kommunikation „Nebenwirkungen“ in uns auslöse.

Mehr zu lachen hilft uns dabei, uns besser zu fühlen.

Welche Funktionen ein Lächeln hat

Das Lächeln ist eine universelle Geste, was bedeutet, dass die gesamte Menschheit lächelt. Interessanterweise dient es nicht nur dazu, zu zeigen, dass wir glücklich oder zufrieden sind. Es gibt genauer gesagt drei Arten von Lächeln:

  • Ein Lächeln aufgrund von Freude und Glück: Das ist das wohl bekannteste Lächeln. Wir benutzen es, um unsere Freude zu kommunizieren, um der Welt zu zeigen, dass wir glücklich sind und uns wohl und erfüllt fühlen.
  • Ein soziales Lächeln: Diese Art von Lächeln steht nicht für Glück, sondern dient dazu, den Menschen um uns herum Sicherheit zu vermitteln. Mit diesem Lächeln kommunizieren wir, dass wir vertrauenswürdig sind, dass andere nichts zu befürchten haben. Es ist ein Lächeln, das wir unter anderem auf der Straße oder in der Schlange an der Kasse im Supermarkt mit Menschen teilen, die wir nicht kennen.
  • Ein Lächeln der Überlegenheit: Damit strahlen wir Arroganz aus und machen uns vor anderen wichtig. Es ist ein Ausdruck von Stolz und zeigt, was wir in diesem Moment annehmen: Wir seien den Menschen in unserem Umfeld überlegen.
Frau lacht verlegen

Mehr lachen = mehr Glück

Auch wenn es schwer zu glauben ist, fühlen wir uns durch eine entspannte und glückliche Haltung auch eher entspannt und glücklich. Deshalb hilft es uns, das Glück förmlich anzuziehen, indem wir mehr lachen. Es gibt eine Studie, die in den 1980er Jahren von Fritz Strack durchgeführt wurde und die dies belegt:

In dieser Studie wurden zwei Personengruppen lustige Comics vorgelegt, wobei eine Gruppe diese mit einem Bleistift im Mund lesen musste. Der Bleistift im Mund stimulierte Kontraktionen des großen Jochbeinmuskels, der für die beim Lachen charakteristische Wangenhebung verantwortlich ist. Die Gruppe mit dem Bleistift im Mund reagierte sensibler auf die humorvollen Inhalte als die Gruppe ohne Bleistift, woraus geschlussfolgert wurde, dass die physiologische Replikation der Geste des Lächelns eine positive Stimmung begünstige.

Auf diese Weise wurde eine Theorie entwickelt, die großen Einfluss auf die Psychologie nahm und besagt, dass die Geste allein ein Gefühl auszulösen vermöge. Nämlich jenes Gefühl, von dem man seit Langem weiß, dass es zur gleichen Geste führt.

Kontroverse im Zusammenhang mit der Untersuchung von Strack

Im Anschluss an diese erste Studie wurden weitere Untersuchungen angesetzt, die versuchten, das Ergebnis zu bestätigen. Leider hat keine von ihnen so eindeutige Ergebnisse geliefert, sodass die ursprünglich erzielten Resultate jetzt infrage gestellt werden. Es gibt kein weiteres Experiment, das die Ergebnisse von Stracks Studie von Grund auf stützen würde.

Wenn wir das Experiment zu Hause, vor einem Spiegel, wiederholen, ist es wahrscheinlich, dass ein anderes bekanntes Phänomen auftritt, das wiederum schon oft belegt wurde: der Placeboeffekt. Dank dieses merkwürdigen Effekts sind wir dazu in der Lage, Ergebnisse mit Prozessen, Medikamenten oder Behandlungen zu erzielen, die keine Wirkstoffe enthalten oder bei denen eine reale Wirksamkeit ausbleibt.

Was wir tatsächlich tun können, um mehr zu lachen (und glücklicher zu sein)

Angesichts dieser Situation müssen wir uns fragen, ob es effektive Übungen gibt, um mehr zu lächeln und glücklicher zu sein. Prof. Laurie Santos von der Yale University (Connecticut, USA) demonstriert sie uns im beliebtesten Kurs in der Geschichte der Yale University: In ihrem Kurs How to Be Happy  (zu Deutsch etwa: Wie glücklich sein)  beschreibt sie fünf Aktivitäten, denen wir täglich nachgehen können, wenn wir unseren subjektiven Zustand des Glücks verbessern wollen:

1. Dankbarkeitsliste

Mehrmals pro Woche, wenn nicht sogar jeden Abend, sollten wir in ein Notizbuch oder Heft schreiben, wofür wir dankbar sind. Wir können das tun, indem wir uns die folgenden Fragen beantworten: Was haben wir, das uns glücklich macht? Wem danken wir für seine Anwesenheit in unserem Leben?

2. Ein besserer Schlaf

Es geht nicht darum, viel zu schlafen, sondern darum, einen erholsamen Schlaf zu finden. Acht Stunden täglich zu schlafen, wird mit zunehmendem Alter praktisch zur Utopie. Es scheint so, als würden wir immer weniger schlafen, je älter wir werden. Darüber hinaus haben wir im Erwachsenenalter auch mehr Probleme, was das Einschlafen erschwert.

Wir alle kennen jedoch die Vorteile eines erholsamen Schlafs. So trägt ein gesunder Schlaf beispielsweise dazu bei, dass unser Hormonsystems einwandfrei funktioniert, was wiederum wichtige Prozesse wie Stoffwechsel, Verdauung und Konzentration beeinflusst.

Schlafende Frau

3. Meditation

Wenn wir lediglich zehn Minuten täglich meditieren, verbessert sich unsere Stimmung. Die Wirksamkeit dieser Praktik wurde mehrfach belegt. Außerdem hat sie eine besondere Eigenschaft: Wer meditiert, begünstigt dadurch seine volle Konzentration, seine Achtsamkeit.

4. Zeit mit geliebten Menschen verbringen

Zeit mit Menschen zu verbringen, die wir lieben, hilft uns, zu entspannen, Verpflichtungen zu vergessen und letztendlich glücklicher zu sein. Denn soziale Bindungen und zwischenmenschliche Beziehungen hängen mit Glücksmomenten zusammen: Urlaub, Abenteuer, Feste, Feiern, Ausflüge, Spiele etc. machen uns Freude.

5. Zeitersparnis in sozialen Netzwerken

Mehr Zeit mit seinen Liebsten zu verbringen, bedeutet, weniger Zeit mit anderen Formen der Kommunikation zu verbringen, wie z. B. Nachrichten am Handy zu empfangen und zu verschicken.

Es stimmt natürlich, dass uns soziale Netzwerke viele Vorteilen gebracht haben, aber „echte Beziehungen“ haben darunter leiden müssen. Wir sollten nicht vergessen, dass reale Zusammenhänge viel wichtiger sind, wenn es um die subjektive Wahrnehmung unserer Lebensqualität geht. Denn ein Lächeln aufgrund von Glück ist da, um es mit anderen zu teilen, und nicht nur durch ein Emoticon.

Und zu guter Letzt solltest du nicht vergessen, mehr zu lächeln!