Manorexie: Männer mit Anorexie

Manorexie bezieht sich auf Männer mit Magersucht, denn diese Essstörung ist schon lange nicht mehr nur Frauensache.
Manorexie: Männer mit Anorexie

Letzte Aktualisierung: 12. November 2021

Anorexie ist eine Essstörung, die in der Regel vorwiegend junge Frauen betrifft, obwohl sie auch bei Männern und in anderen Altersgruppen auftreten kann. Manorexie ist ein Neologismus, der sich auf Männer bezieht, die an der unspezifischen Essstörung Anorexia nervosa leiden.

Dieser Ausdruck soll uns daran erinnern, dass Anorexie längst nicht mehr nur Frauensache ist. Verschiedene Experten sind der Meinung, dass neue Bezeichnungen nötig sind, um Stereotypen zu vermeiden und gleichzeitig die geschlechtsspezifischen Merkmale der Störung zu differenzieren. Manorexie bezieht sich also auf die Besonderheiten von Magersucht bei Männern.

Erfahre nachfolgend Wissenswertes über mögliche Ursprünge und Anzeichen sowie die Wichtigkeit einer therapeutischen Intervention.

Die Ursachen von Manorexie

Der gesellschaftliche Druck, dem hegemonialen Schönheitsideal zu entsprechen, zählt zu den wichtigsten Ursachen dieser Essstörung. Werbung, Medien und insbesondere soziale Netzwerke zeigen uns tagtäglich erfolgreiche und perfekte Modelle, mit denen wir uns selbst vergleichen. Dies wirkt sich in vielen Fällen sehr negativ auf das Selbstwertgefühl junger Menschen aus.

Sie beeinflussen häufig das wahrgenommene Körperbild und beeinträchtigen damit auch den Lebensstil. Wenn wir ständig dieses verzerrte Schönheitsideal vor Augen haben, sind wir anfälliger für Essstörungen.

Dominante Männlichkeitsmodelle, die körperliche Stärke, Agilität und Erfolg repräsentieren, können Manorexie auslösen. Dabei ist das Hauptproblem nicht extreme Schlankheit, wie dies bei anorexischen Frauen der Fall ist, sondern die zwanghafte Kombination von extremen Diäten und exzessivem Sport, um eine athletische Figur vorzeigen zu können.

Des Weiteren können traumatische Ereignisse, Schulversagen oder körperbezogenes Mobbing Manorexie auslösen. Nicht zu vergessen sind mangelnde elterliche Fürsorge oder fehlende Aufmerksamkeit sowie Ernährungsmängel in der Kindheit.

Meist sind es junge Männer, die an Manorexie leiden. Sie haben Angst, dick zu werden und treiben deshalb übermäßig Sport und entwickeln ein sehr restriktives, gefährliches Essverhalten.

Merkmale der Manorexie

Strikte Diäten

Männer mit Manorexie verlieren oft nach und nach ihren Appetit und machen sehr restriktive Diäten. Ferner verwenden manche Abführmittel und verschiedene Arten von Nahrungsergänzungsmitteln, die üblicherweise zur Gewichtsabnahme eingesetzt werden.

Übermäßige körperliche Aktivität

Das vielleicht häufigste Merkmal ist die übermäßige körperliche Betätigung: Betroffene trainieren viel Stunden sehr intensiv. Meist entscheiden sie sich für das Cardio-Training, um Körperfett zu verbrennen.

Verzerrtes Körperbild durch Manorexie

Ein weiteres charakteristisches Anzeichen für diese Art von Essstörung ist eine verzerrte Wahrnehmung des Körperbildes. Betroffene sehen sich im Spiegel dicker oder untrainierter, als sie tatsächlich sind.

Chronische Müdigkeit und allgemeines körperliches Unwohlsein

Manorexie bringt oft körperliche Beschwerden wie ständige Müdigkeit, Magen-Darm-Probleme, Kälteempfinden, Haarausfall und Zahnprobleme mit sich.

Psychosoziale Folgen

Schließlich beeinträchtigt diese Störung das Selbstwertgefühl und kann zu depressiven Symptomen und Angstzuständen führen. Weiterhin kommt es häufig zu emotionalen Störungen, die zu sozialer Isolierung und der Verschlechterung familiärer oder freundschaftlicher Beziehungen führen.

Mann mit Manorexie

Wie wichtig es ist, Hilfe zu suchen

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass Männer mit Essstörungen in vielen Fällen keine Hilfe suchen. Das liegt daran, dass diese Krankheiten noch immer als typisch weiblich klassifiziert werden. Betroffene müssen zuerst erkennen, dass sie ein Problem haben, das jedoch therapiert werden kann.

Die Behandlung von Manorexie ist effektiver, wenn sie aus einer interdisziplinären Perspektive heraus konzipiert wird. Einerseits hilft eine psychologische Therapie, den Ursprung der Gedanken zu identifizieren, die der Störung zugrunde liegen. Ein Beispiel dafür ist, dass Schlankheit mit Schönheit und sozialem Erfolg gleichgesetzt wird.

Zudem ist die Teilnahme eines Ernährungsberaters unerlässlich, der die Aufgabe hat, einen gesunden Ernährungsplan zu entwerfen. Auch eine medizinische Nachuntersuchung ist wesentlich, um den Gesundheitszustand im Allgemeinen und die erzielten Fortschritte zu bewerten.

Ebenso ist die Begleitung der Familie von grundlegender Bedeutung, um bessere Essgewohnheiten zu entwickeln, das Selbstbild zu stärken und diese Störung schrittweise zu überwinden.

Wir sollten alle darüber nachdenken, wie uns das vorgemachte Schönheitsideal beeinflusst und was wir dagegen tun können. Eine freundlichere Einstellung und der Verzicht auf unnötige Kommentare über das Körperbild anderer sind wichtige anfängliche Schritte.

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