Manchmal ist der beste Weg zu helfen, nicht mehr zu helfen

· 12. März 2018

Hilfe wird oft überbewertet. Wir denken, Hilfe sei ein Synonym von Freundlichkeit, Solidarität und Gastfreundschaft, aber das Problem ist, dass sie nicht immer das Abbild einer Zusammenarbeit zwischen Menschen ist, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Vielmehr helfen Menschen normalerweise, um sich um etwas zu kümmern, von dem sie denken, dass es die andere Person nicht oder nicht gut tun könne, dass sie zu langsam, zu jung oder zu alt dafür sei.

Man könnte diese Haltung als eine Art „toxische Hilfe“ bezeichnen, weil sie die Probleme der anderen Person lösen, ohne ihr die Chance zu geben, sich ihren Herausforderungen selbst zu stellen. Zusätzlich dazu, dass sie ihre Fähigkeiten nicht entwickeln kann, vermittelt die Hilfe die klare Botschaft, dass man nicht glaubt, dass sie es könnte.

In den Augen der Gesellschaft ist Hilfe eine positive Sache, aber wenn man etwas genauer hinschaut, kann man viele Beispiele für Menschen finden, deren Fähigkeiten unterentwickelt sind, weil einige „gute Samariter“ zu viele ihrer Herausforderungen für sie gelöst haben, obwohl sie deren Hilfe nicht wirklich brauchten. Da sind zum Beispiel jene Menschen, deren Eltern ihre Hausarbeiten für sie erledigt hatten, die all ihre sozialen Probleme und auch jegliche Art von Frustration vollständig beseitigt haben. Daher gilt: Auch wenn wir mit unserer Hilfe die besten Absichten verfolgen, missachten wir zuweilen denjenigen, dem wir helfen, und ignorieren seine Fähigkeiten, Meinungen und Einstellungen.

Hilf, indem du nicht hilfst

Dinge für andere Menschen zu tun ist positiv, solange es sich dabei um eine Zusammenarbeit oder Kooperation handelt. Wenn beispielsweise zwei Personen das Ziel verfolgen, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, müssen sie zusammenarbeiten. Vielleicht richtet dazu einer das Büro ein und der andere kümmert sich um die Werbung. Dies wäre ein Beispiel für eine echte Zusammenarbeit, die beide Parteien bereichert, da beide von ihren Anstrengungen profitieren und der Erfolg dadurch wahrscheinlicher wird.

Hände reichen

 

Wenn die Hilfe jedoch nur in eine Richtung geht, kann sie schädlich sein, da sie die Fähigkeiten der anderen Person verringert und destruktive Gedanken fördert. Du denkst vielleicht, dass:

  • Jemand wirklich Hilfe brauche
  • Du verpflichtet seist, zu helfen
  • Es bereichernd für dich sei, zu helfen

Aber niemand profitiert von dieser Art von Hilfe. Erstens, weil die Person, der geholfen wird, die Botschaft erhält, dass sie nicht in der Lage sei, ihr Problem selbst zu lösen. Und das ist ein tödlicher Schlag für ihr Selbstwertgefühl. Und zweitens, weil diese Hilfe die Samen der Angst in den Helfer pflanzt. Sie lässt ihn glauben, dass er nicht nein sagen dürfe, wenn die andere Person nach etwas fragt.

Es ist leicht, zu sehen, wie die persönliche Beziehung zwischen den beiden unter dieser toxischen Hilfe leiden kann. Der Helfer wird immer besorgt nach der anderen Person Ausschau halten und ihre Bedürfnisse vor seine eigenen stellen, was in Ablehnung enden kann.

Helikopter-Familien

Helikopter-Eltern sind überbeschützend und daher Gift für ihre Kinder. Sie können die Vorstellung, dass diese leiden, nicht ertragen, aber ihr Konzept des Leidens ist verzerrt. Es handelt sich in der Regel um Eltern, die selbst Traumata erlitten haben und nicht wollen, dass ihre Kinder das Gleiche erleben, weshalb sie sie auf eine äußerst beschützende Art und Weise aufziehen. Sie lösen alle ihre Probleme für sie, sogar diejenigen, die das Kind bereits selbst lösen könnte, über das Alter hinaus, in dem sie Autonomie entwickeln müssten.

Dies bedeutet, dass das Kind nicht lernt. Weil ihre Eltern ihr Leben für sie leben, machen sie nie einen Fehler und als Konsequenz müssen sie sich nie frustriert fühlen, aus ihren Fehlern lernen und wiedergutmachen, was der einzige Weg ist, zu lernen und zu reifen. Die Entwicklung des Kindes stagniert, obwohl es ein riesiges Potenzial hätte, das es nutzen könnte.

Wenn es das Erwachsenenalter erreicht, bleibt es unentschlossen. Es neigt auch dazu, Probleme mit seinem Selbstwertgefühl zu haben. Dabei sagt es sich selbst, dass es seine Probleme nicht bewältigen könne, ohne dass ihnen jemand helfe. Auch wird es in allen Lebensbereichen bedürftig bleiben. Daher tendiert es dazu, Partner auszuwählen, die es genauso behandeln wie die eigenen Eltern, sodass ihre Fähigkeiten unentwickelt bleiben.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wenn du wirklich helfen oder besser gesagt mit jemandem zusammenarbeiten willst, solltest du dich von dem Wunsch leiten lassen, dass diese Person sich selbst entwickelt und an Selbstvertrauen gewinnt. Du kannst ihr Selbstwertgefühl stärken, indem du betonst, was sie gut gemacht hat, ihren Entschluss unterstützen, indem du Vorschläge unterbreitest und ihre Fähigkeit zur Problemlösung durch weitere Herausforderungen förderst.

Es ist wichtig, Geduld zu haben und zu akzeptieren, dass das Leben mit vielen Frustrationen einhergeht, aber dass niemand jemals an ihnen gestorben ist.

Wenn du für die Person das Hindernis beseitigst, beraubst du sie der Möglichkeit, selbst eine Lösung zu finden. Sie muss dann nicht aktiv werden, sich nicht den Kopf zerbrechen, nicht versuchen, Alternativen zu finden, weil du ihnen all diese Aufgaben abnimmst.

Vater und Sohn

Wenn beispielsweise ein junger Erwachsener keinen Job finden kann, aber seine Eltern ihm nur allzu gern jeden Monat Geld geben, damit es in Wohlstand leben kann, warum sollte sich der Nachwuchs dann bemühen? Aber diese Situation ist auch eine Unannehmlichkeit für die Eltern, denn wenn sie so handeln, was soll ihr Kind dann tun, wenn sie eines Tages nicht mehr da sind, um ihm Geld zu geben? Sie verurteilen es mit ihrem Verhalten. In diesem Fall würde eine echte Zusammenarbeit wesentlich mehr dazu beitragen, dass sie ihren Lebenslauf aufpolieren, einen Beruf wählen und nach einem Job suchen, damit sie sich endlich fühlen können, als hätten sie Einfluss auf ihr eigenes Leben. Denkst du nicht? In der Politik nennt man das Hilfe zur Selbsthilfe.