Männlicher Chauvinismus: Ein Problem, das wir gemeinsam lösen müssen

29. Juli 2018 en Psychologie 0 Geteilt
Männlicher Chauvinismus - Eine Frau ist in einem Rennen mit Männern durch ihr symbolisches Geschlecht belastet.

Sexistische Männer und Frauen formen und erhalten eine rückständige und ungerechte Gesellschaft. Diese Einstellung kann offensichtlich zutage treten oder subtiler ausgedrückt werden. Sie basiert auf einem autoritären Denken, das erstens veraltet und zweitens schädlich ist. Es ist unser aller Verantwortung, dieses Problem zu lösen und männlichen Chauvinismus aus unseren Köpfen und Institutionen zu verbannen.

Victor Hugo sagte, dass die erste Gleichheit in Gerechtigkeit bestehe. Das ist zwei Jahrhunderte her. Andere Schriftsteller und Denker wie Mary Wollstonecraft, Virginia Woolf, Simone de Beauvoir oder Emilia Pardo Bazan haben ebenfalls Zeugnis abgelegt, um uns aufzuwecken. Ihre Ideen und Gedanken haben das Potenzial, uns zu Fortschritten zu verhelfen, was Freiheit und Gleichheit betrifft. Aber oft scheint es, als ob wir mit unseren Erfolgen bei der Gleichstellung der Geschlechter gerade erst die Startlinie passiert hätten.

Der aktuelle, frei gewählte Präsident der Vereinigten Staaten hat zum Beispiel sehr klare Ansichten zum weiblichen Geschlecht. Er hat gesagt: „Frauen sind im Wesentlichen ästhetisch ansprechende Objekte.“  Wir leben in einer Welt, in der Frauen in so gut wie jedem Zusammenhang sexualisiert und herabgestuft werden. Nicht nur das, sondern auch in einer Welt, deren Gesetze nach Chauvinismus, Autoritarismus und Patriarchat stinken. Solche Gesetze und Systeme überleben von einer Generation zur nächsten und von einer Legislatur zu anderen.

Unser System ist voller Löcher und Vorurteile. Wir alle wissen das. Es ist nicht möglich, die psychologischen, sozialen und politischen Grundlagen an einem Tag zu ändern. Das System zu ändern, bedeutet, die Einstellung der Menschen zu ändern. Das lässt sich nur durch Entschlossenheit und Zusammenarbeit erreichen. Wenn wir nicht alle überzeugen können, brauchen wir zumindest eine lautstarke Mehrheit. Die stille Mehrheit ist keine Mehrheit.

„Der erste Mann, der eine Frau mit einer Blume verglichen hat, war ein Poet. Der zweite ein Idiot.“

Voltaire

Mann größer Frau

Chauvinistische Männer und Frauen gehen uns alle an

Chauvinistische Männer und Frauen sind überall um uns herum. Es gibt sie in unseren Familien, am Arbeitsplatz und im Freundeskreis. Vielleicht bist sogar du selbst chauvinistisch. Vielleicht gehörst du zu den Leuten, die Chauvinismus leben und weitergeben, ohne es überhaupt zu merken.

Deine Handlungen, Kommentare oder Reaktionen könnten im Kern chauvinistisch sein. Das heißt nicht, dass du ein schlechter Mensch wärst. Aber es spiegelt deine Erziehung wider. Es zeigt auch, wie unsere Kultur uns alle auf eine stille, zähe und althergebrachte Art und Weise beeinflusst. Vielleicht bist du sogar jemand, der Ungleichheit und Gewalt gegen Frauen offen verurteilt. Trotzdem könntest du in die Falle des Chauvinismus geraten, wenn du es am wenigsten erwartest.

Deshalb ist es so wichtig, diesen einen Punkt zu verstehen: Chauvinistische Männer und Frauen wurden nicht so geboren. Chauvinismus ist keine angeborene Eigenschaft. Er ist auch nicht das Ergebnis von irgendwelchen Verbindungen im Hirn, die uns auf eine bestimmte Weise handeln lassen. Genauso, wie wir lernen, zu lesen, Fahrrad zu fahren oder unregelmäßige Verben zu konjugieren, können wir auch „lernen“, sexistisch zu sein. Wir folgen dem Beispiel der anderen und verinnerlichen das.

Mädchen an einem Tisch; im Hintergrund streiten die Eltern

Unsichtbarer männlicher Chauvinismus

Sexistische und chauvinistische Männer und Frauen sind das Ergebnis eines Umfelds, in dem Männer als überlegen behandelt werden. Sie nehmen diesen Gedanken auf und verinnerlichen ihn im Laufe ihrer Kindheit und Jugend. Wir wissen zum Beispiel, dass sich Geschlechtsstereotypen in einem sehr jungen Alter herausbilden. Vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichte das englischsprachige Magazin Science  einen Artikel, in dem stand, dass Mädchen bereits im Alter von 6 Jahren beginnen, sich weniger „schlau“ zu fühlen als Jungen.

Mädchen beginnen, sich weniger schlau zu fühlen, weil wir unsere Kinder so erziehen. Ihre „Erkenntnis“ ist das Ergebnis dessen, was sie in ihrem täglichen Leben beobachten und was ihnen unterschwellig beigebracht wird. Wenn wir beispielsweise Jungen erziehen, dann bestätigen wir ständig ihre Individualität. Das ist eine übergreifende Charakteristik des Chauvinismus, in dem Stärke und Überlegenheit regieren. Es ist die Fassade, die Männer um jeden Preis aufrechterhalten müssen. In diesem Macho-Club sind die einzig erlaubten Gefühle Autorität und Sexualtrieb.

Werfen wir das Joch des Chauvinismus ab!

Es ist nicht leicht, das Joch des Chauvinismus abzuwerfen. Aber zumindest haben kürzlich Bewegungen wie #MeToo auf die Probleme aufmerksam gemacht. Solche um sich greifenden Phänomene erfüllen ein Bedürfnis: Sie unterstützen Frauen gesellschaftlich und ermutigen sie dazu, ihre Meinung zu sagen. Sie ermächtigen Frauen und vermitteln ihnen, dass sie nicht allein sind.

Die zweite Sache, die solche Kampagnen erreichen können, ist ebenfalls interessant: Sie schaffen Bewusstsein und bringen Ungerechtigkeiten ans Licht, die es immer schon gegeben hat. Sie bringen die Diskrimierung von Frauen genauso ans Licht wie Gewalt gegen Frauen, die Sexualisierung von Frauen und uralte, sexistische Gesetze. Es gibt ohne Zweifel noch immer genügend chauvinistische Männer und Frauen. Aber immer mehr Menschen verurteilen ihr Verhalten und ihre Einstellung öffentlich und täglich. 

Wenn wir es schaffen, uns von den Zwängen des Chauvinismus zu befreien, dann haben wir alle etwas zu gewinnen. Wir können dann alle tief durchatmen und sind freier. Manche Leute glauben, dass wir bereits „genug“ Gleichheit hätten. Man muss sich aber nur umschauen und ein wenig Einfühlungsvermögen haben, um festzustellen, dass das nicht stimmt. Chauvinistische Einstellungen sind überall. In der Art, wie ein Mann mit seiner Partnerin spricht; in der Art, wie eine Mutter ihren Sohn erzieht. Wir sehen sie in der Werbung und in den Songs, zu denen wir tanzen, aber wir achten nicht auf die Worte …

Gleichberechtigung

Erinnern wir uns einfach daran, dass Änderungen nur möglich werden, wenn wir uns alle unseres patriarchalischen Fundaments bewusst werden. Überhaupt: Es reicht nicht, es zu sehen und zu spüren. Bewusstsein ist nutzlos, wenn wir nicht handeln. Es hat keinen Sinn, davon zu wissen, wenn wir es nicht schaffen, eine auf Gleichheit, Respekt, Freiheit und echter Gerechtigkeit basierende Gesellschaft zu erschaffen.

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