Macht die Ehe glücklich?

Verschiedene Studien haben diese Fragen analysiert und sind zu erstaunlichen Schlussfolgerungen gelangt. Erfahre mehr darüber!
Macht die Ehe glücklich?

Letzte Aktualisierung: 29. Juli 2022

In Deutschland heiraten jedes Jahr rund 380.000 Paare und versprechen, sich ewig treu zu sein. Welche Auswirkungen hat die Ehe auf das Paar? Macht sie tatsächlich glücklich? Verschiedene Studien haben diese Fragen analysiert und sind zu erstaunlichen Schlussfolgerungen gelangt. Wenn ihr die Entscheidung bereits getroffen und die Save The Date Karten schon verschickt habt, werden euch die Antworten zusätzlich stärken. Ihr habt den Schritt noch nicht gewagt? Auch dann empfehlen wir euch, diesen Artikel zu lesen.

Macht die Ehe glücklich?

Dr. Edward F. Diener, ehemaliger Psychologieprofessor an der Universität von Utah und Virginia, untersuchte unter anderem das subjektive Wohlbefinden von Ehepaaren. In einer 15 Jahre dauernden Studie mit 24.000 Teilnehmern beobachtete er, dass junge Paare bereits ein Jahr vor der Hochzeit vermehrtes Glück empfinden und dieses Hoch auch bis zu zwei Jahren nach dem Ja-Wort anhält. Im dritten Jahr normalisiert sich das Zufriedenheitsniveau allerdings wieder.

Dies entspricht dem Prinzip der hedonischen Tretmühle, das erklärt, warum der Glücksrausch nie länger anhält. Wir passen uns an die Umstände an, egal, ob diese gut oder schlecht sind. Du kannst dir dieses Prinzip wie eine Schaukel vorstellen, die irgendwann zur Ruhe kommt und sich in der Mitte einpendelt. Dieses Anpassungsprinzip ist unter anderem auch nach einem Lottogewinn zu beobachten.

Diener beobachtete jedoch große Unterschiede, die ebenfalls sehr aufschlussreich sind: Viele Teilnehmer waren nach der Hochzeit dauerhaft glücklich, andere bezeichneten sich jedoch unglücklicher als davor. Deshalb ist es sehr schwierig, aus dieser Studie allgemeine Schlüsse zu ziehen.

“Das Geheimnis einer langen Ehe? Ganz einfach: Man muss nur die richtige Frau finden und alt genug werden.”

Gordon Alexander Craig

Glück in der Ehe

Die persönliche Einstellung ist grundlegend

Fest steht, dass die Einstellung des Paars und die persönliche Situation vor der Hochzeit dabei eine wesentliche Rolle spielen. Menschen mit geringer Zufriedenheit oder wenigen sozialen Kontakten profitieren in der Regel am meisten von der Ehe. In seinen weltweiten Studien stellte der Wissenschaftler jedoch auch fest, dass die Lebenszufriedenheit nach der Ehe im Allgemeinen eindeutig besser ist. 

Ein Psychologenteam der Florida State University unter der Leitung von James McNulty stellte fest, dass die implizite Einstellung Interessantes über die Zufriedenheit nach vier Jahren Ehe verrät. Wenn bereits bei Beginn der Beziehung unbewusste negative Assoziationen vorhanden waren, war die Zufriedenheit nach vier Jahren deutlich geringer.

In diesem Zusammenhang führte Matthew Hertenstein an der DePauw Universität eine kuriose Studie durch: Er analysierte das Lächeln von über 700 Personen auf Schulfotos und schaute sich den Beziehungsstatus dieser Personen im Erwachsenenalter an. Jene Teilnehmer, die auf den Schulfotos nur wenig lächelten, waren geschieden. Die Wahrscheinlichkeit einer Scheidung war bei ernstem Blick auf den Fotos dreimal höher. Wir können daraus schlussfolgern, dass von Grund aus glückliche Menschen durch ihre positive Einstellung auch in der Ehe glücklicher sind.

Ehe macht glücklich

Weniger Depressionen, bessere Gesundheit

Aus verschiedenen Studien geht hervor, dass Verheiratete seltener an Depressionen, Angststörungen oder Suchtkrankheiten leiden. Das Eheleben bringt Stabilität und reduziert das Risiko für Gemütsstörungen, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. 

Die neuseeländische Psychologin Kate Scott konnte dies mit ihrem Forscherteam in einer Studie mit mehr als 34.493 Teilnehmenden nachweisen. Sie erwähnt, dass die Ehe die “seelische Gesundheit beflügelt”, eine Trennung oder Scheidung Betroffene jedoch anfälliger für Gemütsstörungen macht.

Scarlett Lin Gomez und ihr Forscherteam, das am Cancer Prevention Institute of Califorina arbeitet, weist außerdem darauf hin, dass das Sterberisiko bei verheirateten im Vergleich zu ledigen Krebspatienten geringer ist. Die Gründe dafür sind nicht eindeutig, doch Gomez geht davon aus, dass die gesünderen Lebensgewohnheiten in der Ehe eine Rolle spielen. 

Andere Studien sprechen von einer längeren Lebenserwartung, unter anderem bei verheirateten Menschen mit Herzbeschwerden. So reduziert sich zum Beispiel das Risiko für einen Schlaganfall. Auch das Immunsystem wird durch die Ehe gestärkt, Stresssituationen können besser gemanagt werden und die Allgemeingesundheit verbessert sich.

“Die Ehe ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann.”

Sören Kiergegaard

glückliche Ehe

Verständnis macht in der Ehe glücklich

Um in der Ehe Glück zu finden, sind Verständnis und emotionales Engagement besonders wichtig. Wie bereits erwähnt, ist auch eine positive Einstellung grundlegend, um von allen anderen Vorteilen der Lebensgemeinschaft zu profitieren. Die wichtigste Zutat ist sicherlich Liebe, doch auch Ehrlichkeit, Vertrauen, Offenheit, Kommunikation, ein aufrichtiges Wir-Gefühl, gemeinsames Lachen, Zeit und Fairness sind entscheidende Faktoren, die eine erfolgreiche Ehe ausmachen.

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