Lissa Rankin und die Theorie der Selbstheilung

· 2. September 2018

Es ist kein neues Thema. Seit Menschengedenken spricht man über die Selbstheilung oder die Fähigkeit des menschlichen Körpers, sich selbst zu heilen. Nun veröffentlichte die Ärztin Dr. Lissa Rankin ein Buch mit dem Titel Mind over Medicine: Warum Gedanken oft stärker sind als Medizin.  Wir können uns selbst heilen, wenn wir diesen Ansatz anwenden.

Was die Ärztin Lissa Rankin tut, ist, das ewige Rätsel der Wirksamkeit von Placebos zu untersuchen. Für die Wissenschaft ist die Suggestion als Selbstheilungsmechanismus längst definiert; was in diesem Zusammenhang jedoch noch wenig untersucht wurde, ist, wie man diesen Mechanismus bewusst auslösen kann.

„Krankheiten sind eine Versuchung zur Selbstheilung, eine biologische Reaktion des Überlebensinstinktes angesichts eines emotional unkontrollierbaren Ereignisses.“

Christian Fléche

Wie schafft es der Körper, sich selbst zu heilen? Dies ist die zentrale Frage der Untersuchungen, die von Lissa Rankin durchgeführt wurden. In ihrem Buch spricht sie von sechs wesentlichen Schritten, die dazu führen, dass der Körper sich selbst heilen kann. Sie weist auch auf die wichtigsten Maßnahmen hin, um einen präventiv agierenden Geist in Bezug auf die körperliche Gesundheit zu trainieren.

Ein vorzeigbarer Vorläufer

Im Jahr 1957 wurde ein Fall dokumentiert, der in Bezug auf die berühmten Placebos stark pragmatisiert wurde. Dr. Philip West, seines Zeichens Arzt, behandelte einen Patienten, dessen Nachname Wright war. Dieser litt an einem Lymphosarkom, was eine Form von Krebs ist. Die Krankheit war schon stark fortgeschritten und in verschiedensten Bereichen seines Körpers hatten sich bereits Metastasen gebildet. Der Mann befand sich im Endstadium.

Mann hält eine Maske und betrachtet anderen Mann

Herr Wright hatte jedoch von einem Medikament im experimentellen Stadium gehört, das Krebiozen genannt wurde. Er bestand darauf, dass sein Arzt dieses an ihm testen sollte. Wright erfüllte zwar nicht die Kriterien, um an der klinischen Studie teilzunehmen, doch sein Beharren war so vehement, er flehte gar, sodass der Arzt schlussendlich doch zustimmte – obwohl er wusste, dass der Mann nur noch wenige Tage zu leben hatte.

An einem Freitag hat West hat ihm Krebiozen verabreicht. Am Montag darauf war der Patient sehr vital und zeigte keinerlei Symptome wie Schmerz oder andere Beschwerden. Seine Untersuchung zeigte, dass sich seine Tumore um 50 % reduziert hatten. Eine noch überraschendere Nachricht traf ein, als einige Zeit später eine Studie erschien, die zeigte, dass dieses Medikament eigentlich wirkungslos war. Da wurde der Patient wieder krank. So entschied sich der Arzt, ihn zu belügen. Er sagte ihm, dass es eine neue Version dieser Medizin gäbe, die viel effektiver wäre. Er verabreichte ihm destilliertes Wasser und der Zustand des Patienten verbesserte sich erneut.

Trotz all dieser Beweise wollte die American Medical Association den Tatsachen keinen Glauben mehr schenken. Sie enthüllten, dass West seinen Patienten betrogen hatte. Als dieser das erfahren hat, wurde er wieder krank und erholte sich nicht mehr. Es gibt unzählige ähnliche Fälle. Anhand dieser begann Lissa Rankin ihre Studie.

Lissa Rankin und die Selbstheilung

Lissa Rankin dokumentierte zahlreiche Fälle, in denen der Placebo-Efffekt seine Wirkung gezeigt hat. Er zeigte (und zeigt) sich bei Patienten, die an ganz unterschiedlichen Krankheiten leiden: Krebs, Schilddrüsenleiden, Diabetes, Geschwüre, Haarausfall, HIV und AIDS.

Mann, der sich konzentriert

Sie fand auch verschiedene Berichte, nach denen den Patienten zum Beispiel gesagt wurde, dass sie eine Chemotherapie erhielten. Tatsächlich wurde ihnen jedoch ein Placebo verabreicht. Trotzdem verloren die Menschen ihre Haare und erbrachen sich, weil sie um die Nebenwirkungen gängiger Chemotherapeutika wussten. All dies führte dazu, dass Lissa Rankin sich davon überzeugte, dass der Geist tatsächlich in der Lage sei, den Körper zu heilen. Oder krank zu machen.

Insbesondere zeigte sie, dass, wenn man die richtigen Bedingungen schafft, die den Patienten glauben machen, dass er wieder gesund werden könne, er dann auch wieder gesund werden kann. Der Körper erhält diesen Befehl, diese Anweisung des Gehirns und handelt dementsprechend. Und wenn man sich einredet, dass man sicher krank werde, dann wird man es wohl auch werden.

Die Mittel zur Selbstheilung

Dr. Lissa Rankin bezieht sich auf mehrere Wege, die dem Körper helfen können, diesen Prozess der Selbstheilung einzuleiten. Im Wesentlichen besteht sie jedoch auf zwei Elementen, die sie in diesem Hinblick für entscheidend hält.

Das erste Element ist die Präventivmedizin. Dazu gehören alle gesunden Praktiken, die wir in unserem täglichen Leben anwenden. Über ihre konkrete Wirkung auf den Organismus hinaus führen diese Lebensstile dazu, dass sich die Menschen gesünder fühlen. Unter diesen Bedingungen sind sie weniger empfänglich für Krankheiten.

Der zweite Aspekt hat mit Stress zu tun. Laut Lissa Rankin hat Stress – in allen seinen Formen – eine übermäßig schädliche Wirkung sowohl auf den Geist als auch auf den Körper. Stress aktiviert auf negative Art und Weise, was sich die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse nennt. Das entspricht einer Reaktion auf eine Bedrohung. Doch der Organismus kann nicht unterscheiden, ob es sich um ein Beziehungsproblem oder um ein Erdbeben handelt. Er erlebt beides auf die gleiche Weise.

Mann, der ein lachendes Gesicht isst

Auch wenn Lissa Rankins Studien nicht offiziell bestätigt wurden, so stimmen die meisten Ärzte mit ihr überein, dass die Wirksamkeit von Placebos eine Tatsache ist. Es täte uns allen gut, wenn die Forschung in diese Richtung intensiviert werden würde.