Leben im Ausland: Würdest du dich leicht daran anpassen?

6. November 2019
Würdest du dich leicht daran anpassen, im Ausland zu leben? Heute werden wir über eine Studie sprechen, in der einige der Faktoren ermittelt wurden, die für das Leben im Ausland eine wichtige Rolle spielen.

Das Leben im Ausland scheint heute einfacher zu sein als noch zuvor, und die Welt scheint im Laufe der Zeit kleiner zu werden. Lange Distanzen stellen kein Problem mehr dar. Außerdem verbinden wir uns jeden Tag mit Menschen aus anderen Ländern und anderen Kulturen. Diese Menschen sind uns immer näher und zugänglicher. Heutzutage scheinen mehr Menschen daran interessiert zu sein, in ein anderes Land zu ziehen.

Obwohl einige notgedrungen in ein anderes Land ziehen, gehen viele andere diesen Schritt, um ihre Lebensqualität zu verbessern oder um im Ausland zu studieren oder zu arbeiten. Die Wahrheit ist, dass das Reisen an einen Ort und ein Umzug nicht dasselbe sind. Wenn du im Ausland leben möchtest, musst du dich an einem anderen Ort niederlassen. Darüber hinaus musst du dich auch an eine andere Lebensweise anpassen.

Die Psychologie interessiert sich auch für diese Art der Anpassung an andere Umgebungen. In den letzten Jahrzehnten konzentrierten sich mehrere Untersuchungen hauptsächlich auf den Stress des Unbekannten und auf die Fähigkeit jedes Menschen, sich einer anderen Kultur zu stellen.

Bis vor Kurzem gab es jedoch keine Informationen darüber, wie sich die sozialen Normen anderer Kulturen auf das Wohlbefinden der Menschen auswirken. Ein Forscherteam der Universität Essex, das von Nicolas Geeraert geleitet wurde, veröffentlichte einen Bericht über die Auswirkungen sozialer Normen und die Persönlichkeitsmerkmale, die die Anpassung von Einwanderern beeinflussen.

Die Starrheit sozialer Normen

Menschen aus "schwierigen" Ländern können sich am besten an das Leben im Ausland anpassen

Trotz der Tatsache, dass wir in einer globalisierten Welt leben, spalten und distanzieren soziale Normen die Menschen am meisten. Infolgedessen machen sie es auch neuen Bewohnern schwer, sich anzupassen.

Grundsätzlich teilt uns diese Studie mit, dass es „schwierige“ Länder, in Bezug auf die Anpassung, gibt. Dies ist auf die Starrheit ihrer sozialen Normen und die geringe Toleranz gegenüber Abweichungen zurückzuführen. Im Gegensatz dazu gibt es flexiblere Länder mit weniger starren sozialen Normen, die Unterschiede tolerieren.

Es besteht kein Zweifel, dass sich in diesem Szenario die Menschen, die in „schwierigen“ Ländern oder Kulturen geboren wurden und dort aufgewachsen sind, am besten an das Leben im Ausland anpassen. Diese Menschen haben ein ausgeprägtes Gespür für soziale Normen. Somit ist es sehr einfach, sie zu erkennen und sie zu integrieren.

Es spielt keine Rolle, ob du in dem einen oder anderen Land geboren wurdest. Die Studie bestätigt, dass kulturelle Enge sich negativ auf die Anpassungsfähigkeit an andere Kulturen auswirkt. Die Faktoren, die diese Auswirkungen erheblich verringern, sind:

  • das Bedürfnis nach Akzeptanz,
  • ein Bedürfnis, deinen Beitrag zu leisten und mit anderen zusammenzuarbeiten,
  • drittens solltest du dir keine Vorzugsbehandlung erwarten und
  • schließlich solltest du der Versuchung widerstehen, die Regeln zu brechen.

Leben im Ausland: das Experiment

Die wichtigsten Faktoren, im Zusammenhang mit der Anpassung an das Leben im Ausland, scheinen die Persönlichkeits- und kulturellen Faktoren zu sein.

Geeraerts Team arbeitete mit 889 Freiwilligen zusammen, die an einem internationalen Austauschprogramm teilnahmen. Alle waren Schüler in der Sekundarstufe, die 18 Monate bei einer Familie im Zielland lebten. Sie besuchten dort die örtliche Schule.

Diese Schüler der Studie füllten Fragebögen aus, in denen die soziokulturelle Anpassung gemessen wurde. Außerdem bewerteten sie die psychologische Anpassung, das heißt ob sie sich in ihrem Zielland gut fühlten. Schließlich wurden in den Fragebögen auch sechs Persönlichkeitsmerkmale gemessen:

  1. Offenheit für Erfahrung
  2. Bescheidenheit und Ehrlichkeit
  3. Freundlichkeit
  4. Emotionalität
  5. Gewissen
  6. Extroversion

Insgesamt nahmen 23 Länder an der Studie teil. Einige von ihnen, wie Indien, Malaysia, Japan und China, gelten als besonders „schwierig“.

Auf der anderen Seite des Spektrums gab es „flexiblere“ Länder wie Brasilien, Ungarn, Neuseeland und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Leben im Ausland: die Ergebnisse

Die Schlussfolgerungen bestätigten die erwarteten Ergebnisse, nachdem die gesammelten Daten analysiert wurden. So stellte das Forscherteam fest, dass:

  • Menschen, die in besonders flexible Länder gereist sind und dort gewohnt haben, hatten die geringsten Probleme, sich an soziale Normen anzupassen.
  • Ausländer, die bescheiden und angenehm waren, passten sich besser an ihre Umgebung an.

Zusammenfassend scheinen die beiden wichtigsten Faktoren, im Zusammenhang mit der Anpassung an das Leben im Ausland, die Persönlichkeits- und kulturellen Faktoren zu sein.

  • Geeraert, N., Li, R., Ward, C., Gelfand, M., & Demes, K. A. (2019). A Tight Spot: How Personality Moderates the Impact of Social Norms on Sojourner Adaptation. Psychological Science, 30(3), 333–342. https://doi.org/10.1177/0956797618815488
  • Maddux, William; D. Galinsky, Adam. (2009) Cultural Borders and Mental Barriers: The Relationship Between Living Abroad and Creativity. Journal of Personality and Social Psychology, Vol. 96, No. 5.