Lass all deine Komplexe los

· 31. Januar 2018

Nur wenige Dinge sind kathartischer und befriedigender als das Überwinden deiner Komplexe. Dich so auszudrücken und dich so lieben, wie du bist. Dies sind mächtige Waffen, Selbstwertverstärker, eiserne Schilde, die dich vor leerer Kritik und zerstörerischen Kommentaren schützen. Aber wie kannst du all deine Komplexe loslassen?

Bis vor nicht allzu langer Zeit gehörte das Thema Komplexe in die Psychoanalyse. Eine Fachrichtung, in der Begriffe wie Ödipuskomplex und Elektrakomplex auf der Tagesordnung stehen und jegliches Verhalten und Persönlichkeitsmerkmal klassifiziert werden.

„Ein Mann sollte nicht bestrebt sein, seine Komplexe zu beseitigen, sondern mit ihnen in Einklang zu kommen. Sie sind zu Recht das, was sein Verhalten in der Welt bestimmt.“

Sigmund Freud

Das Wort „Komplex“ wurde von Carl Gustav Jung eingeführt und später mit der Freud’schen Psychoanalyse populär. Im Dickicht der Terminologie und in dem Versuch, menschliches Verhalten zu kategorisieren, kehren alle, die sich mit Komplexen befassen, doch immer wieder an den Ausgangsort zurück: Minderwertigkeitsgefühle.

Wenn sich nun jemand im Erkennen und Verstehen deiner Reaktionen auf eigene Mängel bemüht, ist das fast so, als würde er die Nägel entfernen, die deine Kellertür geschlossen halten. Dabei ist der Keller dein privater Raum, in dem du stickige Luft einatmest und der mit Selbstbewusstsein gelüftet werden muss.

Es stimmt, das ist nicht einfach. Der Prozess, destruktive Denkmuster zu durchbrechen oder umzustrukturieren, braucht Zeit und Einfühlungsvermögen. Wie Freud selbst einmal sagte, verbirgt sich hinter manchem Komplex ein wahres Trauma.

Mensch schaut schüchtern nach unten

Der Ursprung von Komplexen

Es ist interessant, die Etymologie der Begriffe zu untersuchen, die wir so oft verwenden. Das Wort „Komplex“ kommt vom lateinischen „complectere“ und bedeutet umarmen oder umfassen. Wir reden als praktisch davon, in engem Griff in den scharfen Krallen eines Bären gefangen zu sein und mit ihm ein einziges Wesen zu bilden, das sowohl Räuber als auch Beute ist.

Jedes Wörterbuch wird dir sagen, dass Komplexe von deinen eigenen, irrationalen Gedanken gespeist werden. Gedanken wie „ich sehe aus wie ein gestrandeter Wal“, „ich bin ein Feigling und ein Strauß, der seinen Kopf in den Boden steckt“  oder „ich bin wertlos“  nähren rücksichtslos das Gefühl der Minderwertigkeit.

Es ist jedoch wichtig, zu verdeutlichen, dass diese irrationalen Gedanken oft aus realen, schmerzhaft Situationen heraus entstehen. Die meisten unserer Komplexe haben ihren Ursprung in der Kindheit. Nicht wertgeschätzt, verbal missbraucht oder von den Eltern erniedrigt zu werden, erzeugt tiefe Wunden.

Mädchen mit Komplexen

Diese traumatischen Ereignisse werden im Jugendalter dann verstärkt. Der Mangel an Selbstwertgefühl und antrainierte Verteidigungsstrategien führen dazu, dass die Person vom Dschungel der Schule überwältigt wird. Die Schule ist ein Ort, an dem Mängel, körperliche Fehler, Verhaltensprobleme und sogar Intelligenz in den Mittelpunkt geraten und grausam herausgestellt werden.

Verabschiede dich von Minderwertigkeitsgefühlen

Es ist wichtig, Immunität gegen das Virus der Minderwertigkeit zu entwickeln. Es hat schwerwiegende Folgen, mit einem fragilen Selbstwertgefühl und Selbstkonzept durchs Leben zu gehen. Zum Beispiel können romantische Beziehungen ungesunde Züge annehmen und nur einer Person Kraft geben, während die andere still bleibt und sich unterwirft.

„Menschen unterscheiden sich von Tieren durch ihr Potenzial, Komplexe zu entwickeln, seien es solche der Überlegenheit oder Minderwertigkeit.“

Fernando Savater

Niemand ist besser als du und du bist nicht besser als jemand anderes. Dies ist eine der Wahrheiten, die man kennen und beachten sollte. Aber der Bär mag es, seine Krallen zu nutzen, um dich immer wieder daran zu erinnern, wie unbedeutend du seist, wie viele Fehler du habest und dass dein Spiegelbild kein Lächeln verdiene.

Dies ist nicht der richtige Weg, um mit mangelndem Selbstwertgefühl umzugehen. Es ist notwendig, Denkmuster zu ändern.

Blumen pflückende Frau

Tipps zur Wiederherstellung deines Selbstwertgefühls

Es gibt keinen einfachen Weg, es zu tun. Um dein Selbstwertgefühl wiederzuerlangen, musst du einem steinigen und im Zickzack verlaufenden Weg folgen, auf dem du nur durch Willenskraft und Mut den Gipfel erreichen kannst, wo du endlich schreien kannst: „Ich liebe mich selbst, so wie ich bin! Ich bin eine gute, schöne, fähige Person, die es wert ist, ihr Glück zu finden.“

Komplexe werden gespeist, wenn man sich selbst unterschätzt. Manchmal entstehen Minderwertigkeitsgefühle in einer toxischen Familie, schwierigen Kindheit oder Jugend. Manchmal sind sie angeboren, was vom Persönlichkeitstyp abhängt. Es ist immer sehr hilfreich, zu wissen, warum du denkst, wie du denkst, und was dich veranlasst hat, solch eine zerstörerische Sicht auf dich selbst zu entwickeln.

Menschen, die sich selbst unterbewerten, werden auch von anderen unterbewertet. Du musst den Diskurs, die Einstellung, den Tonfall und die Behandlung, die du dir selbst gegenüber verwendest, ändern. Um das zu tun, musst du zuerst aufhören, dich mit anderen zu vergleichen. Der einzige gültige Bezugspunkt, auf den du achten solltest, bist du selbst.

Drücke dich aus. Finde einen Kanal, in dem du dich gut fühlen kannst, bekräftige dich selbst, entdecke dich selbst und liebe dich selbst. Tanz, Sport, Malen und Schreiben sind schöne Wege, um deine Emotionen zu kanalisieren.

Denke über die Einstellungen und Personen nach, an die du gebunden bist. Respektieren sie dich? Erlauben sie dir, du selbst zu sein? Lassen sie dich gut fühlen? Manchmal kann sich von bestimmten Umgebungen und Menschen zu trennen eine Möglichkeit sein, das Selbstwertgefühl wiederherzustellen und jene Komplexe loszulassen, die andere Menschen verstärken.

Denke immer daran, dass wir nicht in dieser Welt sind, um zu leiden und unser wunderbares Selbst im Gefängnis der Komplexe einzuschließen. Wir verdienen es, frei, glücklich und authentisch zu sein und vor allem unsere eigene Realität zu leben, nicht die, die andere für uns vorschreiben.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Hilda und Emma Uber