Kuriositäten aus der Welt der Hygiene

Heute stehen uns Tausende von Körperpflegeprodukten zur Verfügung, aber das war nicht immer so. Hygienische Praktiken kamen erst nach der industriellen Revolution auf.
Kuriositäten aus der Welt der Hygiene

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 14. März 2023

In der griechischen Mythologie war Hygieia, die Göttin der Gesundheit, für die Körperpflege und Hygiene zuständig. Ihr haben wir unser heutiges Wort Hygiene zu verdanken. Sie war ein Vorbild von Hippokrates, der sich für die Körperpflege zur Prävention von Krankheiten einsetzte. Auch im römischen Reich gab es ein Bewusstsein für Körperpflege. Die öffentlichen Badeanstalten waren sehr beliebt. Allerdings waren Ästhetik und Gesellschaft wichtiger als die Hygiene selbst.

Wir schauen uns anschließend einige Kuriositäten im Bereich der Hygiene an. Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir separate Badezimmer im Haus für unsere Körperpflege nutzen. Manche Menschen sind Reinheitsfanatiker, einige davon entwickeln sogar Phobien gegen den Kontakt mit Schmutz und greifen zu extremen Hygienemaßnahmen. Im Fachjargon spricht man von Mysophobie. Lies weiter, wir haben weitere kuriose Fakten zusammengestellt.

“Aufräumen ist der Akt der Konfrontation mit sich selbst.”

Marie Kondo

Kuriose Fakten im Bereich der Hygiene

Einer der wichtigsten Aspekte der persönlichen Hygiene ist das Händewaschen. Lange Zeit wurde dieser heute alltäglichen Geste keine Bedeutung beigemessen. Die Körperpflege war höchstens für die Schönheit wichtig. Es war normal, sich mit den Händen die Nase zu putzen und sich danach ohne Händewaschen an den Mittagstisch zu setzen.

Vintage Badewanne für persönliche Hygiene
Jahrelang galt das Baden als Statussymbol, Hygiene war Nebensache.

Erst im Jahr 1675 gelang es dem niederländischen Naturforscher Antoni van Leeuwenhoek, Bakterien unter einem Mikroskop sichtbar zu machen. Der ungarisch-österreichische Geburtshelfer Ignaz Philipp Semmelweis entdeckte schließlich 1847/48 in einer Studie, wie wichtig die Handdesinfektion ist, um die Müttersterblichkeit zu reduzieren. Er bemühte sich zeitlebens darum, Hygienemaßnahmen bei der Entbindung einzuführen, wurde jedoch von Ärztekollegen abgelehnt.

Apropos Händewaschen und Hygiene, folgende Fakten werden dich interessieren: 

  • Viele Bakterien halten sich bis zu drei Stunden lang auf ungewaschenen Händen.
  • Nicht alle Bakterien sind für das menschliche Auge unsichtbar: Thiomargarita namibiensis ist mit 0,75 mm vermutlich die größte Bakterie der Welt.
  • Der Welttag des Händewaschens findet alljährlich am 15. Oktober statt.
  • Auf nassen Händen sind bis zu 1.000 Mal mehr Keime als auf trockenen Händen zu finden.
  • Auf Münzen und Papiergeld tummeln sich bis zu 3.000 Baktieren, doch auf den trockenen Oberflächen überleben sie nur kurze Zeit.
  • Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, sich mindestens 10 Mal am Tag die Hände zu waschen.

Louis Pasteur bewies in den 1860er-Jahren, dass Lebensmittel durch das Erhitzen keimfrei gemacht werden können, was ihre Haltbarkeit verlängert. Das Wort Pasteurisierung erinnert uns noch heute daran. 

Hygiene im Mittelalter

Im Mittelalter galt Baden als unsittlich. Die Kirche verbot das öffentliche Baden, da sie Nacktheit und das Berühren des Körpers mit den Händen als unmoralisch einstufte. Bei der routinemäßigen oberflächlichen Reinigung wurde empfohlen, die Genitalien nicht zu berühren. Körperhygiene war nicht von Belang.

Kurios ist auch, dass die Defäkation als ehrenhafte Handlung galt. Es handelte sich nicht um eine Privatangelegenheit, sondern oft als gesellschaftliche Unterhaltung. Es gab Orte, an denen Stuhlreihen mit Löchern aufgestellt waren, die eine lebhafte Unterhaltung beim Stuhlgang ermöglichten. Die Toilette war eine Erfindung des Kapitalismus, die erst viel später aufkam.

Andere Länder, andere Sitten: Montezuma, der Herrscher über das Reich der Azteken, liebte das Bad. Bei der Ankunft der Europäer sollen die Azteken über ihren starken Körpergeruch schockiert gewesen sein. 

öffentliche Toiletten und Hygiene
In Rom wurden die antiken Toiletten für Klo-Gespräche genutzt.

Hygiene vor und in der Zeit der Aufklärung

Im 17. Jahrhundert herrschte allgemeine Angst vor Wasser. Bereits im 16. Jahrhundert rieten viele Ärzte den Menschen, sich von Wasser fernzuhalten oder zumindest nicht zu baden. Sie glaubten, dass die Pest über das Wasser übertragen werden könnte. Dieser Glaube verbreitete sich und wurde fast zu einer Besessenheit. Viele glaubten sogar, dass Schmutz vor Infektionen schützen würde. Es war deshalb üblich, Gesicht und Hände nur mit einem trockenen Tuch abzuwischen. Am Königshof und in wohlhabenden Häusern wurden Parfüms und aromatischer Essig zur Körperhygiene verwendet.

Mit dem Beginn der Aufklärung veränderten sich diese Ansichten. Rousseau war einer der Ersten, der das tägliche Baden mit kaltem Wasser empfahl. In Paris wurde eine Heißbadeanstalt eröffnet und plötzlich wurde das Waschen des Körpers mit Vergnügen und Gesundheit in Verbindung gebracht. Duftbäder wurden sehr populär.

Bis ins 19. Jahrhundert war die tägliche Hygiene fast ausschließlich ein Privileg der Oberschicht. Allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, dass Zugang zu Wasser und Bad eine grundlegende Voraussetzung für die Gesundheit ist. Doch bis heute haben wir es nicht geschafft, allen diese Grundbedingungen zu bieten.

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