Kognitives Aufmerksamkeitssyndrom: Worum geht es dabei?

· 6. März 2019

Was tun wir Menschen, wenn etwas uns herunterzieht? Das hängt natürlich von der Person ab. Einige Menschen versuchen, Strategien zur emotionalen Regulierung anzuwenden, andere hingegen greifen auf negative und gefährdende Gedanken zurück. Wenn etwas sie verärgert, traurig oder wütend macht, tun sie nichts anderes, als sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Hilft Kopfzerbrechen aber, damit unangenehme Emotionen verschwinden? Auf keinen Fall und ganz im Gegenteil. Das Einzige, was wir durch Kopfzerbrechen gewinnen, ist der Eintritt in einen Teufelskreis, in dem wir uns nur auf unsere Probleme konzentrieren und uns dadurch noch schlechter fühlen. Das Problem ist, dass wir uns nicht immer bewusst sind, wann wir in diesen nutzlosen Kreislauf eintreten. Und obwohl einige Menschen sich dessen vielleicht eher bewusst, tun sie doch nichts, um zu entkommen – oder?

„Wir sind, was wir denken. Alles, was wir sind, kommt und geht mit unseren Gedanken. Mit unseren Gedanken erschaffen wir die Welt.“

Buddha

Worin besteht das kognitive Aufmerksamkeitssyndrom?

Die Kognitionspsychologie lehrt, dass die Art und Weise, wie Menschen Informationen und ihre Gedanken über eine Situation verarbeiten, tatsächlich ihre emotionale Erfahrung bestimmt und so einen Einfluss auf ihr Wohlbefinden hat. Diesbezüglich lässt sicher mit Sicherheit sagen, dass einige Strategien, mit intensiven Erfahrung umzugehen, effektiver sind als andere.

Personen, die traurig oder besorgt über etwas sind, aber nach Lösungen suchen und ihren Geist entspannen, werden sich besser fühlen als solche, die in ihren schädlichen Ideen feststecken und sich den Kopf zerbrechen, als gäbe es kein Morgen. Dieses letzte Beispiel entspricht dem, was denen passiert, die unter dem kognitiven Aufmerksamkeitssyndrom leiden.

Das kognitive Aufmerksamkeitssyndrom ist gekennzeichnet durch ein Muster von negativen Gedanken und Emotionen, von denen die Betroffenen nicht lassen können. Warum aber passiert das? Weil in ihrem Kopf eine Reihe von metakognitiven Prozessen abläuft, die diesen Zyklus chronisch und unveränderlich machen.

Traurige Frau auf dem Sofa

Kognitive Verarbeitung beim kognitiven Aufmerksamkeitssyndrom

Dieses Syndrom zeichnet sich durch ein Gedankenmuster aus, das Grübeln, Sorge, fixierte Aufmerksamkeit und negative Bewältigung umfasst. Zunächst einmal ist ihre Aufmerksamkeit auf die Reizen oder Situationen fixiert, die sie unbehaglich fühlen lassen. Und weil sie ihre Aufmerksamkeit vorwiegend auf negative Ereignisse richten, werden diese stärker wahrgenommen als positive Ereignisse. Das bedeutet, dass ein Ereignis sehr positiv sein muss, damit sie ihm eine gewisse Bedeutung zuschreiben. Daraus ergibt sich eine verzerrte Wahrnehmung der Relation zwischen Gut und Böse, Schwarz und Weiß.

Außerdem gehen Betroffene diese negativen Situationen in ihrem Kopf immer wieder durch, was es ihnen unmöglich macht, ihre Aufmerksamkeit von diesen pessimistischen Gedanken abzulenken. Schließlich führt der ein Mangel an geeigneten emotionalen Regulationsstrategien dazu, dass dieser Prozess fortgeführt wird.

„Der Weg zur Überwindung negativer Gedanken und destruktiver Emotionen ist die Entwicklung gegensätzlicher, positiver Emotionen, die stärker und mächtiger sind.“

Dalai Lama

Frau mit kognitivem Aufmerksamkeitssyndrom verzweifelt an negativen Gedanken

Was sind die Folgen dieses Syndroms?

Das ununterbrochene Nachdenken über negative Ereignisse kann zu Depression und Angst führen. Hinsichtlich der Depression ist zu beachten, dass die Möglichkeit besteht, dass der für diese Störung charakteristische negative kognitive Dreiklang – negative Gedanken über sich selbst, die Welt und die Zukunft – intensiviert und verlängert wird. So stellen sich diejenigen, die an Depressionen leiden, Fragen wie „Warum fühle ich mich so?“,  auf die sie negativ und in den meisten Fällen unrealistisch antworten. Ein mögliche Antwort wäre „Weil ich ein kompletter Misserfolg bin“,  anstatt rational zu argumentieren: „Ich fühle mich so, weil ich eine schwere Zeit durchmache, aber sie wird vorbeigehen.“

Auf der anderen Seite gibt es im Hinblick auf die Angst eine Aufmerksamkeitsverzerrung gegenüber möglicher Gefahren. Grüblerische Gedanken wie „Was, wenn das passiert?“ bringen diese „Bedrohungsüberwachung“ zum Ausdruck.

Betroffene wiederholen diese Prozesse immer wieder, bis er automatisch wird. Dies macht sie schließlich unfähig, die positiven Aspekte jeglicher Situationen wahrzunehmen. Ein weiteres Problem ist, dass sie sich nur auf die möglichen Probleme konzentrieren, auf die sie in Zukunft stoßen könnten, anstatt Lösungen für den Fall zu finden, dass diese tatsächlich auftreten. Dies erklärt auch, warum es für sie so schwierig ist, realistische Erwartungen zu entwickeln, im Gegensatz zu ängstlichen und unbegründeten. All diese Komponenten erhöhen ihr Angstniveau und erschweren die psychologische Intervention.

Kurz gesagt, das kognitive Aufmerksamkeitssyndrom behindert die ohnehin schon schwierige Aufgabe, den Geist zu entspannen, wenn etwas Unannehmlichkeiten verursacht. Deshalb ist es so wichtig, sich seiner bewusst zu werden, um es zu überwinden und Wohlbefinden zu erreichen.