Klopfen - ein vielversprechendes Tool bei Ängsten aller Art

Ein Gastbeitrag von Dr. Antonia Pfeiffer. "Klopftechniken bieten die Möglichkeit, direkt auf körperlicher Ebene sogenannte Sicherheits-Signale an bestimmte Gehirnareale zu senden."
Klopfen - ein vielversprechendes Tool bei Ängsten aller Art

Geschrieben von Dr. Antonia Pfeiffer

Letzte Aktualisierung: 23. Dezember 2021

Vielleicht kennst du das Gefühl. In manchen Momenten können beruhigende Gedanken, ein neues Mindset, gute Ratschläge von Freunden nicht richtig greifen. Trotz positiver Worte rutscht dir das Herz in die Hose, zittert die Stimme in der Prüfung, lassen sich die Sorgen nicht so recht beruhigen. Obwohl du mit Gedanken versuchst dagegen zusteuern, macht der Körper anscheinend, was er will. In diesem kleinen Artikel soll es um eine Methode gehen, die genau an dieser Stelle Abhilfe schaffen kann und die in den letzten Jahren zunehmend an Beliebtheit gewonnen hat. Genauer gesagt, nicht nur eine Methode, sondern eine Gruppe von Methoden: die Klopftechniken.

Vielleicht hast du schon einmal etwas von diesen Techniken gehört, zum Beispiel über die deutsche Methode PEP* oder die amerikanischen Methoden EFT** und TFT***. Sie alle verbinden die Konfrontation mit unangenehmen Themen, Emotionen oder Erinnerungen mit dem Klopfen auf Hautpunkte, die aus der klassischen Akupunktur entnommen sind. Dadurch lassen sich starke Emotionen und Körperempfindungen oft schnell und nachhaltig regulieren. Gerade deshalb zweifeln Kritiker manchmal daran, ob das Ganze mit rechten Dingen zugeht. Und immer wieder steht dabei folgende Frage im Raum: „Ist das Ganze nicht ziemlich esoterisch?“

Das ist es nicht, es ist viel eher physiologisch und psychotherapeutisch.

Klopftechniken wirken direkt über die Haut

Die ersten Klopftechniken

Tatsächlich entstand die erste Klopftechnik TFT, Thought Field Therapy, als ein erfahrener Verhaltenstherapeut bei einer schweren Phobie in der Konfrontationstherapie seine Patientin aufforderte einen Akupunkturpunkt zu klopfen. Diesen hatte er gerade auf einem Seminar kennengelernt, er folgte in der Not einer inneren Eingebung. Denn ihre hartnäckige Angst hatte sich in den letzten 1,5 Jahren trotz der Einsicht, dass sie eindeutig irrational war, keinen Zentimeter vom Fleck bewegt. Nach einigen Minuten Klopfen war die Angst verschwunden.

Vielleicht geht es dir wie mir, als ich den Bericht das erste Mal las – es regt sich Abwehr und Zweifel. Wie kann eine Angst, die man seit vielen Sitzungen bearbeitet, sich plötzlich in Luft auflösen? Ist diese Schilderung nicht etwas übertrieben? Diese Fragen sind berechtigt, wenn man davon ausgeht, dass wir allein über unsere Gedanken Ängste beeinflussen können. Doch zum Glück hat die Natur in uns Menschen verschiedene Stellschrauben angelegt, wie wir Emotionen beeinflussen und regulieren können.

Aus neurowissenschaftlicher Sicht

Aus neurowissenschaftlicher Sicht bietet sich zum einen eine Regulation über unsere klugen Gedanken an. Hier werden unbewusste Areale des Gehirns, die wichtig für die Entstehung von Angst sind, durch bewusste positive oder rationale Gedanken reguliert. Zugleich gibt es jedoch ebenfalls die Möglichkeit, direkt auf körperlicher Ebene sogenannten Sicherheits-Signale an eben diese Gehirnareale zu senden.

Wenn man wissen möchte, was diese Signale sind, muss man im Übrigen nur daran denken, wie man ein Baby oder Kleinkind beruhigen würde. Rhythmus, Berührung, Spielen, Lachen, beruhigende und liebevolle Worte zählen zum Beispiel dazu. Diese signalisieren auf einer nicht kognitiven Ebene, dass Ängste nachlassen können.

Die Stellschraube der körperlichen Regulation wird beim Klopftechniken intensiv genutzt. Dabei spielt die Tatsache, dass man auf Akupunkturpunkte klopft, vermutlich nur eine untergeordnete Rolle. Denn die Haut als solche ist direkt mit den emotionalen Arealen verbunden. Ein gleichmäßiger (Klopf-) Rhythmus wirkt per se regulierend. Auch das Erlebnis des gemeinsamen Klopfens trägt zu dem Gefühl bei, dass, auch wenn einige Anteile des Gehirns Gefahr melden, wir im Hier und Jetzt ganz sicher sind.

Klopftechniken als Therapieform

Neben dem Klopfen stehen besonders bei den jüngeren Techniken, wie der Methode PEP, im Übrigen die therapeutische Arbeit an den Ursprüngen der Themen im Mittelpunkt einer Sitzung. Diese werden mit kreativen Affirmationen transformiert.

Gerade deshalb lohnt es sich auch das Klopfen gemeinsam mit deinem gut geschulten Therapeuten oder Coach kennenzulernen. Denn obwohl man das Klopfen auch als Selbsthilfetechnik allein zu Hause in aufregenden oder schwierigen Momenten aus der Tasche kramen kann, bleibt es eine therapeutische Technik, die besonders gut auch als Selbsthilfetool angewendet werden kann, wenn man sie von jemand gelernt hat, der bei den ersten mutigen Klopfversuchen zur Seite steht.

 

*Prozess- und Embodiment fokussierte Psychologie
**Emotional Freedom Technique
***Thought Field Therapy

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