Ist ein wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld effektiv?

Wir skizzieren in diesem Artikel die Vor- und Nachteile eines wettbewerbsorientierten ARbeitsumfelds.
Ist ein wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld effektiv?
Valeria Sabater

Geschrieben und geprüft von der Psychologin Valeria Sabater.

Letzte Aktualisierung: 09. Februar 2024

Experten im Bereich der Organisationspsychologie werden diese Frage positiv beantworten, allerdings nur, wenn bestimmte Spielregeln beachtet werden und ein gesundes Betriebsklima herrscht. Andernfalls könnten die Auswirkungen kontraproduktiv sein. Ein wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld kann motivierend sein und die Produktivität fördern, doch nicht alle Arbeitskräfte fühlen sich in dieser Dynamik wohl. Außerdem können sich daraus Konflikte ergeben.

Wir sehen uns anschließend die wichtigsten Vor- und Nachteile eines wettbewerbsorientierten Arbeitsumfelds an.

Wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld

Wettbewerb und Motivation sind eng miteinander verbunden, aber ihre Beziehung ist komplex. Durch den Vergleich mit anderen und die Aussicht auf Belohnungen wie Anerkennung, Beförderungen oder finanzielle Anreize lassen sich viele zu Höchstleistungen anregen. Wie Daniel Goleman in seinem Buch Konzentriert Euch! Eine Anleitung zum modernen Leben erklärt, bewegen wir uns alle irgendwann in einem wettbewerbsorientiertes Umfeld.

In einer immer komplexeren, dynamischen und sich verändernden Welt konkurrieren Einzelpersonen, soziale Gruppen und Organisationen, um eine Position oder bestimmte Ziele zu erreichen. Rivalität und Leistungsdruck sind für diese Szenarien charakteristisch. Doch ist ein wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld tatsächlich effektiv?

Ist ein wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld effektiv?

Befürworter begründen ihre Ansicht mit der unternehmerischen Notwendigkeit, Produktivität und Innovation zu fördern und die Resultate zu verbessern. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass nicht alle Unternehmen und Arbeitskräfte von diesem Ansatz profitieren. Ein Forschungsbericht der Universität Peking betont, dass wir die Persönlichkeit der Arbeitskräfte und das Teamklima berücksichtigen müssen, um die Frage zu beantworten, die uns in diesem Artikel beschäftigt.

Wann ist also ein wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld förderlich und wann nicht?

Positive Aspekte

Eine in der Fachzeitschrift Personality and Individual Differences veröffentlichte Studie bekräftigt, dass Wettbewerb Innovation fördert. Er fördert unsere Motivation und unser Engagement, deshalb wirkt er sich positiv auf die Unternehmensziele aus. Wir können folgende Vorteile beobachten:

  • Höhere Produktivität
  • Mehr Innovation und Kreativität
  • Belohnung der Arbeitskräfte
  • Motivation, um neue Fähigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln
  • Inspiration durch die Erfolge von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern
  • Verbesserung der Marktposition des Unternehmens

Wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld: die effektive Gestaltung

Eine in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Social Psychology veröffentlichte Studie regt zum Nachdenken an: Erfolg bedeutet häufig, dass wir jene Personen übertreffen müssen, die uns zu einem früheren Zeitpunkt hilfreich zur Seite standen. Wir machen diese Erfahrung im Alltag immer wieder. Damit durch diesen Wettbewerb keine Konflikte entstehen, muss das Unternehmen entsprechende Voraussetzungen gewährleisten:

  • Wertschätzung aller Arbeitskräfte
  • Belohnung von Bemühungen
  • Strategien zur Stressbewältigung
  • Unterstützung von Personen ohne Wettbewerbsfähigkeit
  • Ausgleich zwischen Kooperation und Wettbewerb
  • Förderung der beruflichen Karriere der Arbeitskräfte
  • Information über die Unternehmenspolitik und Wettbewerbskultur
  • Förderung der Gruppenkultur

Negative Aspekte

Ein wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld funktioniert nicht in Organisationen, in denen Rücksichtslosigkeit toleriert wird. Wenn es an Respekt, Fairness und kollegialer Zusammenarbeit mangelt, wird das Unternehmen seine Ziele nicht erreichen. Einige charakteristische Merkmale für diese Situation sind:

  • Stressiges und anspruchsvolles Arbeitsklima
  • Unzureichende Organisation, fehlende Protokolle und unklare Arbeitsprozesse
  • Einige Mitarbeiter empfinden aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks Unwohlsein.
  • Arbeitskräfte werden als wertlose, austauschbare Teile der Organisation betrachtet.
  • Die Arbeitskräfte kämpfen um ihren Arbeitsplatz, erhalten jedoch keine Belohnungen zur Motivation.
  • Die psychische Gesundheit steht durch den hohen Leistungsdruck auf dem Spiel.

Wettbewerbsorientiertes Arbeitsumfeld: die Folgen

In dem beschriebenen Umfeld sind Konflikte an der Tagesordnung. Das Nationale Institut für Gesundheit am Arbeitsplatz in Oslo veröffentlichte eine sehr aufschlussreiche Analyse zu diesem Thema, die betont, dass diese Probleme häufig zu krankheitsbedingten Arbeitsausfällen führen. Zudem sind weitere Konsequenzen zu beobachten:

  • Stress und Ängste
  • Unehrliches oder unethisches Verhalten
  • Mobbing am Arbeitsplatz
  • Geringere Produktivität und weniger Innovation
  • Konformismus

Gesunder Wettbewerb

Während Wettbewerb dazu beitragen kann, die Motivation zu steigern und Innovationen zu fördern, können übermäßiger Wettbewerbsdruck und mangelnde Zusammenarbeit auch zu negativen Auswirkungen auf die Mitarbeiter führen. Es ist daher entscheidend, ein ausgewogenes Maß an Wettbewerb zu fördern, das die individuelle Leistung anerkennt, aber auch ein unterstützendes und kooperatives Arbeitsumfeld schafft.

Letztlich sollte jedes Unternehmen die spezifischen Bedürfnisse seiner Mitarbeiter berücksichtigen, um eine effektive Arbeitsumgebung zu schaffen, die sowohl die Leistung als auch das Wohlbefinden der Arbeitskräfte fördert.


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