Isabel Allende: Biografie einer grandiosen Schriftstellerin

· 3. April 2019

Isabel Allende Llona ist eine chilenische Schriftstellerin, deren Werke in 35 Sprachen übersetzt wurden. Mit mehr als siebzig Millionen verkauften Büchern gilt sie als die meistgelesene lebende spanischsprachige Autorin der Welt. Sie ist die Tochter des Diplomaten Tomás Allende Pesce, Cousin des ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende, der beim Militärputsch am 11. September 1973 gestürzt wurde.

Sie selbst entschied sich in Zeiten enormer politischer Turbulenzen für einen literarischen Aktivismus gegen patriarchalische ideologische Vorgaben und gab Frauen ein umfangreiches Manifest zu ihrem persönlichen Erwachen an die Hand. Isabel Allende hat durch ihr Schreiben die erhabene Schönheit des Weiblichen offenbart und ihren Lesern diese allgemein verdrängten Eigenschaften auf magische Weise ins Bewusstsein gerufen. Sie hat es verstanden, uns mit viel Feingefühl eine bedingungslose Liebe zur Schönheit, zum Schönen der Welt und der Menschen zu vermitteln. Sie zu lesen oder ihr zuzuhören ist ein Akt, der an sich den Geist erhebt.

Sie ist eine Frau, die sich dafür einsetzt, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Eine literarische Aktivistin, deren Waffen Liebe und Schönheit sind. Heute wollen wir durch ihr Leben und einen Teil ihrer Arbeit reisen, in einer kleinen Hommage an diese große Frau, die uns so viel gegeben hat.

Ihre frühen Jahre

Sie wurde in Lima, Peru, geboren, wo sie während der Zeit lebte, in der ihr Vater dort als Diplomat tätig war. Nach der Trennung ihrer Eltern kehrte Isabel mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Chile zurück. Eine Zeit lang lebten sie im Haus ihres Großvaters mütterlicherseits, einer autoritären Persönlichkeit, die Isabel in einigen sehr wichtigen Aspekten ihres Lebens beeinflusst hat. Nach dem Studium heiratete sie ihren ersten Mann, Miguel Frías, der der Vater ihrer beiden Kinder Paula und Nicolas ist.

1967 wurde Isabel Redakteurin der Frauenzeitschrift PaulaIhre Artikel, die sich mit der Rolle der Frauen in der chilenischen Gesellschaft beschäftigten, waren urkomisch ironisch und eben deshalb auch sehr umstritten. Dies war eine Zeit des Wandels in Chile, geprägt von Modernität und der Bewegung zur Befreiung der Frau in dieser katholischen, konservativen und patriarchalischen Gesellschaft.

„Es gab eine Zeit, in der es nicht als sexy galt, eine Feministin zu sein. Das Patriarchat stellte es sehr klug an, das Stereotyp der feministischen Frau zu schaffen, die sich nicht enthaart.“

Isabel Allende

Isabel Allende auf einer Konferenz

Ihre Karriere und ihr Exil

Nach dem Militärputsch wurde Isabel Allende ins Exil nach Venezuela gezwungen, wo sie dreizehn Jahre lang bei einer Zeitung und in einer Schule arbeitete. Während ihres Aufenthalts in Venezuela erhielt sie die Nachricht vom sehr ernsten Gesundheitszustand ihres Großvaters.

Da Isabel nicht nach Chile zurückkehren konnte, um an seiner Seite zu sein, begann sie, ihm einen Brief zu schreiben, der für diese lateinamerikanische Frau zu einem beispiellosen literarischen Erfolg werden sollte: Das Geisterhaus Im Jahre 1993 wurde dieses Werk von Bille August mit großem Erfolg auf die Leinwand gebracht.

Nach dem Erfolg ihres ersten Romans schrieb Isabel zwei weitere Bücher, die in der Welt der Literatur ebenso erfolgreich sein sollten: Von Liebe und Schatten  und Die Geschichten der Eva Luna Kurz nach der Veröffentlichung ihres dritten Romans beschloss Isabel, ihre Arbeit in der Schule aufzugeben und sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Nach der Scheidung von ihrem ersten Mann heiratete Isabel William Gordon, einen US-amerikanischen Anwalt, und zog in die Vereinigten Staaten, wo sie seit 1988 lebt.

Der Tod ihrer Tochter Paula und das Erwachen zum Leben

1992 starb ihre Tochter Paula im Alter von 28 Jahren in einem Krankenhaus in Madrid. Dieses Ereignis prägte Isabel Allende und stürzte sie in einen Zustand tiefer Trauer und Verzweiflung, bei dem sie lange Zeit brauchte, um wieder herauszukommen. In dieser schmerzhaften Zeit schrieb Isabel den Roman Paula ein Spiegel der Kindheit und Jugend ihrer geliebten Tochter. Ein Tribut der Liebe zu ihrer Tochter, der sich als weiterer authentischer Bestseller konsolidierte, in dem sich viele Leserinnen wiedererkannten.

Paula  ist ein Roman, der, wie Das Geisterhaus,  als Brief, Liebeserklärung und zugleich als Reise zur Akzeptanz des Todes ihrer Tochter begann. Das Schreiben begann im Krankenhaus, neben ihrer Tochter und sie sah zu, wie diese langsam verblasste. Was Paula  wirklich repräsentiert, ist nicht nur ein Brief an ihre Tochter, sondern eine Autobiografie, in der die Autorin die Geschichte ihrer Familie erzählt.

Im Kontext der Situation in ihrem Land und der Dramen und Familienreisen hat sich Isabel in diesem Roman bis auf die Seele ausgezogen. Sie hatte bei vielen Gelegenheiten die heilende Kraft des Schreibens kommentiert, um den großen Dramen des Lebens zu begegnen. In Paula  nehmen wir wahr, wie die Autorin selbst die Umstände und den Tod ihrer Tochter zu akzeptieren lernt, während sie schreibt. Es ist ein Roman, der in gewisser Weise eine therapeutische Übung zur Schaffung von Bewusstsein für die Realität darstellt.

Mit dem Geld aus dem Verkauf von Paula  gründete sie die Isabel Allende Stiftung als Hommage an ihre Tochter, die als Sozialpädagogin und Psychologin in Randgemeinden in Venezuela und Spanien gearbeitet hatte.

Vier Jahre später, als Isabel ihre tiefe Depression überwunden hatte, schrieb sie Aphrodite Dieses Buch wurde zu einem Lied über die Tatsache, lebendig zu sein und die Welt mit allen Sinnen zu genießen. Es gilt als ein Lebenslied, das der Dankbarkeit und Sinnlichkeit gewidmet ist und mit der gleichen Sensibilität geschrieben wurde wie all ihre früheren Werke.

Isabel Allende lächelt

Die schöne Spiegelung des Weiblichen

Isabel Allendes gesamtes Werk erinnert an Dantes geliebte Muse Beatrice, die das Stereotyp der so idealisierten „Minneherrin“ aus dem Männlichen konsolidierte. Der Dame, die allein durch die Tatsache, dass sie existiert, den Geliebten verbessert. Der Frau, die das Spiegelbild desjenigen zurückgibt, der sie liebt. Des große anderen, durch den wir uns mit der eigenen göttlichen Natur verbinden. Sie ist die Quelle hinter dem Spiegel, aus der Kreativität, Inspiration und die besten Aspekte unserer selbst hervorgehen und uns über unser bisheriges Potenzial erheben. Die „Minneherrin“, so begriff Dante seine Beatrice.

Isabel hat es auf individuelle und deshalb nicht weniger professionelle Weise verstanden, diesen Archetyp der“Minneherrin“, den wir bei Dante kennengelernt haben, umzuwandeln und mit ihrer Literatur einen neuen Spiegel zu schaffen, in dem Frauen sich selbst reflektieren, erkennen und lieben.

In ihren Werken finden wir unzählige weibliche Protagonistinnen, unterschiedliche Frauen mit verschiedenen Hintergründen, wie es in der Realität der Fall ist. Da ist zum Beispiel Die Stadt der wilden Götter,  ein Werk, in dem die Frau, obwohl sie nicht die Hauptfigur ist, eine grundlegende Rolle spielt. Dem wollen wir hinzufügen, dass die Frau in der Stadt der wilden Götter  im fortgeschrittenen Alter ist und sie trotzdem nichts aufhält.

Ein weiteres wichtiges Merkmal der chilenischen Schriftstellerin ist ihre Reflexion Lateinamerikas. Über seine Bräuche, Traditionen, die bestehende Dualität und die indigenen Stämme hinaus, verteidigt Isabel die Schönheit der Menschen und der Welt in jeder Ecke, in jeder Gesellschaft, egal wie abgelegen.

„Vielleicht sind wir auf dieser Welt, um die Liebe zu suchen, sie zu finden und zu verlieren, immer und immer wieder. Mit jeder Liebe werden wir neu geboren, und mit jeder Liebe, die endet, nehmen wir eine neue Wunde auf. Ich bin mit stolzen Narben bedeckt.“

Isabel Allende