Immer für dich da: Eine Freundschaft fürs Leben

· 27. November 2018

Wie unendlich groß und wunderschön doch die Welt der Literatur ist. Sie ist, wie jede andere Kunst auch, eine Parallelwelt zu unserer eigenen. Und oft liegt sie doch sehr nah an der Realität. Bücher und Erzählungen sind häufig wie ein Spiegel. Sie führen uns unverblümt und in der Handschrift des Autors die Realität vor Augen. In diesem Fall ist es die der Autorin Kristin Hannah, die unser Interesse geweckt hat. Es gibt wunderschöne Bücher von ihr, und Immer für dich da  ist zweifellos eines davon.

In diesem Buch geht es um die Angst zweier Teenager, die sich einsam fühlen. Beide denken, dass das Gefühl der Einsamkeit für die jeweils andere kein Thema wäre. Doch der Schein trügt. Eines Tages treffen sie, wie so oft im wirklichen Leben, in einer unglücklichen Situation aufeinander. In einem Moment der Verletzlichkeit gestehen sie einander ihre Einsamkeit.

Es ist eine Zeit, in der Tully einfach nicht mehr weiter weiß und aufhören muss, sich selbst zu schützen. Sie muss vertrauen, weil sie sich sonst weiterhin selbst schaden würde. Kate ist an ihrer Seite und stärkt ihr den Rücken, wie sie es immer tun wird (in ihren letzten Jahren auf der High School, im College und noch viele weitere Male), damit Tully nicht untergeht. Im Grunde genommen, damit es keiner von beiden tut.

Um wahre Freundinnen zu werden, müssen wir etwas riskieren. Manchmal enttäuschen uns Menschen; Mädchen können untereinander sehr grausam sein, aber wir dürfen nicht zulassen, dass uns das aufhält. Wenn man uns verletzt, müssen wir wieder aufstehen, den Staub unserer Gefühle von uns abschütteln und es noch einmal versuchen.

Immer für dich da  erzählt die Geschichte von zwei Freundinnen

Die Geschichte erzählt davon, wie die Angst vor Ablehnung der Neugierde weicht, mehr zu erfahren und aus sich herauszukommen. Uns begegnet dabei die altbekannte Herausforderung, der Wunsch, eine Liebe zu finden, die der in Romanen beschriebenen gleicht. Diese Geschichte zeigt uns, dass es über die Erfahrung hinaus das Wichtigste ist, was wir aus ihr machen: unser Werkzeugkoffer für die großen Momente im Leben.

Kate hat eine Familie, die sie liebt und ihr Regeln vorschreibt. Tully ist ein Stern, der nach so vielen Male, in denen er von seiner Mutter verlassen wurde, lernen musste, selbst zu leuchten. In beiden erkennen wir ein gemeinsames Bedürfnis, das sich kein Teenager jemals eingestehen würde: der Wunsch, in den Augen der Eltern Stolz aufblitzen zu sehen. Kate denkt, dass Tully alles hätte, und Tully denkt, dass Kate alles hätte, was es dazu braucht.

Gedanken, ja sogar Ängste, sind ätherische, körperlose Dinge, bis du ihnen durch deine Stimme Kraft gibst. Und sobald sie ein Gewicht bekommen, können sie dich niedermachen.

Zwei Freundinnen fahren nebeneinander Fahrrad

Ihre Freundschaft blüht auf, als ihnen klar wird, dass eine von ihnen reden und die andere zuhören kann. Tully weiß recht bald, was sie zukünftig machen und wie sie an dieses Ziel kommen will. Kate, die gute Kate, braucht dafür etwas länger. Bis dahin hält sie sich an Tully und stärkt sie, wenn sie droht, zu fallen, wenn die Kraft ihrer Vergangenheit sie auf den Boden eines dunklen Brunnens ziehen will.

Beide versuchen, sich so zu retten, wie sie es gelernt haben. Tully ist ein Fernsehstar, während Kate liebt, gibt und versteht, dass es Menschen gibt, die so verletzt worden sind, dass sie nicht gelernt haben, um Vergebung zu bitten. Tully besitzt solch eine Präsenz, dass jeder seine Aufmerksamkeit auf sie richtet, wenn sie den Raum betritt. Kate ist so mutig, dass sie im selben Raum sein kann, auch wenn niemand sie anschaut, und trotzdem alle beschützt. Auf gewisse Weise haucht Kate Tully Leben ein und Tully Kate. Sie leben in zwei sehr verschiedenen Welten, und doch können sich beide Luft zum Atmen geben.

Liebe und Freundschaft

Immer für dich da  ist kein realistischer Roman, und das soll er auch gar nicht sein. Er möchte kein getreuer Spiegel der Realität sein. Natürlich funktionieren die meisten Freundschaften nicht auf diese Weise, wie es hier beschrieben wird. Dennoch möchte die Autorin daran erinnern, dass man die Hoffnung nie aufgeben darf, und das tut sie in einer wunderschöne Erzählung darüber, wie es sein könnte.

Vielleicht ist eines der schönsten Elemente in diesem Buch der Aspekt, wie es zum Ausdruck bringt, was eine Mutter oder Tochter in jenen Momenten fühlt, in denen sich eine von beiden der lauernden Gefahren nur allzu bewusst ist, während die andere sie vollkommen ignoriert und sich einem lodernden Feuer nähert, dass eine trügerische Freiheit verspricht.

Das Buch beschreibt durch seine Charaktere genau jene Ambivalenz, die beinhaltet, dass Sicherheit am selben Ort zu finden ist, von dem aus wir in unserer Jugend auf die Suche nach Unabhängigkeit aufbrechen: im Kreise der Familie.

Wir möchten nicht zu viel vorwegnehmen, falls einige unserer Leser, nachdem sie nun diesen Artikel gelesen haben, noch in den Lesegenuss von Immer für dich da  kommen wollen. Wobei die Lektüre noch immer ein Genuss wäre, auch wenn wir die ganze Geschichte erzählen würden. Und das gilt vor allem, weil die Geschichte an sich es allemal wert ist, gelesen zu werden.

Zwei Hände halten sich gegenseitig fest

Sicherlich ist es eine großartige Leistung von Kristin Hannah, zwei Charaktere zu erschaffen, die wir bei ihrer Entwicklung begleiten dürfen. Ein gutes Beispiel dafür ist Kate und wie sie lernt, eine gute Mutter zu sein. Die Gesten ihrer Tochter, die sie verletzen, positiv stimmen, wütend machen oder berühren.

Tully sah ihre beste Freundin an. In ihrem Blick drängten sich mehr als dreißig Jahre und sie erinnerten sich an die Mädchen, die sie einst gewesen waren, an die Träume, die sie geteilt hatten, und an die Frauen, die sie geworden waren. „Das haben wir gut gemacht, oder?“, stellte sie fest.

Anmerkung der Redaktion: Immer für dich da  ist kein Teenager-Roman, sondern ein Roman über das Leben. Die Jugend ist nur der Ausgangspunkt für den spannenden Weg, den beide getrennt voneinander und gemeinsam gehen werden.