Hausarbeit kann eine therapeutische Wirkung haben

09 Dezember, 2017
 

“Sauber machen” hat nicht nur eine wörtliche Bedeutung, sondern auch eine symbolische: emotionalen Ballast loswerden und Dinge hinter sich lassen, die keinen Nutzen mehr haben. Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass Unordnung Stress und Sorgen verursachen kann. Ordnung dagegen wirkt beruhigend. Deshalb ist die Idee der Hausarbeit als Therapie nicht aus der Luft gegriffen. Wenn die Hausarbeit als eine Übung zur Achtsamkeit ausgeübt wird, kann sie psychologische Vorteile mit sich bringen. Ja, Hausarbeit kann für viele Menschen eine therapeutische Wirkung haben.

Hausarbeit als eine positive Aktivität und als eine Art von körperlicher Ertüchtigung kann Stress abbauen, also stelle dich darauf ein, einer der banalsten und unbeliebtesten Verpflichtungen von nun an mit einer anderen Einstellung anzugehen.

Beispiele für Hausarbeit als Therapie

Im Folgenden nennen wir einige Beispiele, wie Hausarbeit Ordnung in den Kopf bringen kann.

  • In einigen Kulturen ist das Säubern des Hauses eine hochgeschätzte und wichtige Arbeit. Zum Beispiel wird diese Tätigkeit in Japan “oosouji” genannt, was so viel bedeutet wie “gründlich säubern”. Traditionell wird am 28. Dezember geputzt, sodass das Neue Jahr in einem sauberen Haus eingeläutet werden kann. Die Japaner sehen es als schlechtes Omen an, wenn Müll und veraltete Ansichten mit in das neue Jahr nimmt.
  • Gesundheitsexperten sagen, dass Hausarbeit eine entspannende und sogar meditative Wirkung haben könne. Laut der Psychologin Isabela Pérez-Luna erfüllen “Putzen und Aufräumen die Funktion eines Mittels zur Katharsis und sind ein Weg, Dinge loszuwerden, die man nicht mehr braucht”.
 
Beim Staubsaugen

  • In ihrem Buch Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert  erklärt Marie Kondo, dass es direkte Folgen für Glück und Wohlbefinden habe, wenn man das Haus in Ordnung halte.
  • In einem Interview mit Radio Times hat die britische Schauspielerin Helena Bonham Carter die therapeutische Wirkung der Hausarbeit beschrieben. Die Partnerin von Tim Burton versicherte, dass sie nicht länger für therapeutische Sitzungen bezahlen müsse, nachdem sie die “Hausarbeit als Therapie”  entdeckt habe. Sie meinte, dass sie ihren Kopf in Ordnung bringen könnte, während sie das Haus aufräumt.

Sauberkeit im Buddhismus

Der Buddhismus sieht die Säuberung des Hauses als eine Art der Meditation an, die man jeden Tag praktizieren kann. Die buddhistischen Mönche sehen in der Hausarbeit eine spirituelle Übung, durch die man seinen Geist, seine Seele und sein Leben kultivieren und säubern kann.

Vergessen wir nicht, dass einer der Nachfolger von Buddha das Nirvana gefunden hat, während er gefegt hat. Gemäß den Buddhisten sind Menschen mit ihrer Umgebung verbunden, die ihr Gemüt widerspiegelt. Sie erklären, dass es sich auf das Gemüt niederschlage, wenn die Umwelt in Unordnung sei. Wenn man also das Haus sauber hält, wird auch das eigene Gemüt ruhig und klar.

 

Buddhisten glauben auch, dass Saubermachen dem Geist helfe, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Das Leben im Hier und Jetzt ist einer der Schlüssel, um Glück und Erfolg zu erlangen.

Die Zehn Gebote der Hausarbeit

In seinem Buch Die Kunst des achtsamen Putzens: Wie wir Haus und Seele reinigen  zählt Keisuke Matsumoto die Zehn Gebote auf, die befolgt werden sollten, wenn man sein Leben durch Hausarbeit verbessern möchte:

  • Behandle die Gegenstände mit Sorgfalt. Jeder Gegenstand ist mit viel Mühe und Hingabe hergestellt worden, deswegen muss er respektvoll behandelt werden.
  • Zeige Dankbarkeit gegenüber den Gegenständen, die dir nützlich sind. Wenn du sie nicht mehr brauchst, entsorge sie. Du kannst ihnen neues Leben schenken, indem du sie jemandem gibst, der sie vielleicht noch gut gebrauchen kann.
  • Es ist am besten, gleich morgens sauber zu machen. Wenn man den Tag mit Ruhe und Stille beginnt, während alle anderen noch schlafen, wird dein Herz Frieden fühlen und der Geist wird klar sein.
Eine Schublade wird aufgeräumt

  • Bevor man ins Bett geht, sollte man die Dinge wegstellen und in Ordnung bringen, die man tagsüber gebraucht und bewegt hat. Das macht das Saubermachen am nächsten Tag einfacher.
 
  • Wenn du am Morgen sauber machst und am Abend aufräumst, wirst du feststellen, dass du dich tagsüber erfrischt fühlst.
  • Bevor du sauber machst, öffne die Fenster und lüfte das Haus, um die Luft zu säubern. Wenn du die frische Luft auf deiner Haut spürst, wirst du dich wacher und reiner fühlen.
  • Wenn du den Wind fühlst, der durch das Fenster bläst, wird der Kontakt zwischen dir und der Natur hergestellt. Die Luft ist im Frühling und Herbst mild und angenehm, im Sommer warm und im Winter eisig. Wenn man sowohl ihre Lieblichkeit als auch ihre Härte auf seiner Haut spürt, wird es möglich, sich mit seiner eigenen Verletzlichkeit und mit der Kraft der Natur in Verbindung zu identifizieren.
  • Um Respekt gegenüber dem Leben zu zeigen, sollte man nach jeder Mahlzeit aufräumen, damit man keine Insekten anzieht und sie unnötigerweise töten muss.
  • Anstatt der Vergangenheit nachzutrauern und sich um die Zukunft zu sorgen, versuche im gegenwärtigen Moment zu leben. Um diese Vorstellung auf die Hausarbeit anzuwenden, handle nach dem Motto: Verschiebe nicht auf morgen, was du heute kannst besorgen.
  • Die Aufgaben im Haushalt zwischen allen Mitgliedern der Familie aufzuteilen, hilft, schätzen zu lernen, was andere Menschen für dich tun. Wenn man versteht, dass alle aufeinander angewiesen sind, hilft das dabei, ein Team zu formen und an andere zu denken, bevor man etwas tut.

Hausarbeit kann therapeutisch sein

Das Bedürfnis, unsere Umgebung sauber und ordentlich zu halten, rührt aus unserem Bedürfnis nach Erneuerung. Darüber hinaus kann das Aufräumen der Umgebung ein Moment der täglichen oder wöchentlichen Meditation sein. Nutze den Vorteil dieser Gelegenheit, eine Übung der Achtsamkeit zu praktizieren.

 

Um dies zu tun, sollte man versuchen, diese Zeit nicht zu nutzen, seine Probleme zu lösen, Fernsehen zu gucken oder mit dem Partner zu streiten. Man muss sich auf die Tätigkeit konzentrieren, organisieren, still bleiben und vor allem seine Aufmerksamkeit auf das richten, was man gerade tut. Dieser Zustand der völligen Aufmerksamkeit versetzt einen in die Lage, einen meditativen Zustand zu erreichen, in dem die Gehirnaktivität abnimmt. Auf diese Weise reduziert man Stress und Angstzustände. So kann Hausarbeit zu einer regenerierenden körperlichen und geistlichen Übung werden.