Verabschiede dich durch Achtsamkeit von der Angst

20. November 2017 en Psychologie 41 Geteilt
Person mit Schlüsselloch in der Brust

Menschen erleben eine andere Art von Angst als Tiere: psychologische Angst. Die Besonderheit dieser Form der Angst ist, dass sie nichts mit einer wirklichen, objektiven oder unmittelbaren Gefahr zu tun hat. Achtsamkeit kann dir helfen, diese Angst zu überwinden, und in diesem Artikel möchten wir zeigen, wie du sie dir zunutze machen kannst.

Psychologische Angst bezieht sich immer auf etwas, das passieren könnte, oder etwas, das bereits passiert ist und sich wiederholen könnte. Es bezieht sich niemals auf etwas, das in einem konkreten Moment geschieht. Der Körper einer Person, die an dieser Form von Angst leidet, befindet sich im Hier und Jetzt – ihr Verstand jedoch in der Zukunft. Er antizipiert mögliche Realitäten oder Wiederholungen vergangener Realitäten, auch wenn diese äußerst unwahrscheinlich sind.

Psychologische Angst oder Angst vor Gefahren, die nur in unserem Verstand bestehen

Achtsamkeit und das Leiden des Denkens

Das Leiden des Denkens bezieht sich auf fehlende Harmonie zwischen Geist und Körper. Die Gedanken gehen in eine Richtung, die Emotionen in eine andere und die Sinne vermitteln noch etwas anderes. Mit Achtsamkeit lassen sich diese Elemente wieder in Harmonie miteinander bringen.

Menschen, die ohne solche Harmonie leben, erleben ihr Dasein in Fragmenten, nicht nur im Hier und Jetzt. Ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit ist verzerrt. Während sie in Vergangenheit und Zukunft schweifen, können sie der Gegenwart nicht ausreichend Aufmerksamkeit widmen und fehlinterpretieren Situationen. Das ist die Basis der pathopsychologischen Angst.

Der Geist einer ängstlichen Person hat ein Eigenleben. Er führt es getrennt vom Körper und von der objektiven Realität. Der ängstliche Geist versucht, zukünftige Gefahren zu vermeiden. Das tut er so lange, bis der Körper schließlich Angststörungen entwickelt.

Angst als Erfahrungsvermeidung

Die besondere Art des Verhaltens von Menschen, die an psychologischer Angst leiden, wird als Erfahrungsvermeidung bezeichnet. Erfahrungsvermeidung tritt auf, wenn ein Mensch mit einer bestimmten Erfahrung nicht in Kontakt bleiben möchte, seien es körperliche Empfindungen, Gefühle, Gedanken oder  Erinnerungen an diese. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die Natur der Erfahrungen verändert. Die Bemühungen, diese Erfahrungen zu vermeiden, führen allerdings nicht zu mehr Sicherheit.

Ganz im Gegenteil. Sie verschlimmern die Empfindungen, bis die Person sich letztendlich völlig ihrer Kontrolle beraubt fühlt. Daher bringt die Erfahrungsvermeidung ein viel höheres Risiko mit sich, noch mehr Angst zu entwickeln.

Betroffene werden eher Panikattacken erleiden als Menschen, die ihre Empfindungen akzeptieren. Die Unterdrückung von Gedanken und Gefühlen trägt deutlich zur generalisierten Angststörung, spezifischen Phobien und posttraumatischen Belastungsstörungen bei.

Mann steckt seinen Kopf in vertrockneten Boden

Die wichtigsten Symptome, die Angststörungen gemein haben, in deren Therapie Achtsamkeit hilfreich sein kann, sind die folgenden:

  • Erfahrungsvermeidung
  • Kognitive Starrheit oder die Tendenz, immer auf die gleiche Weise zu denken, ohne Alternativen zu erwägen
  • Ein starres Repertoire an Antworten

Wie kann Achtsamkeit helfen, psychologische Angst zu reduzieren?

Ängste durch Achtsamkeit zu heilen ist ein Prozess, der auf Vereinigung beruht. Damit dies geschieht, sollten alle Fragmente, in die sich die Welt des Betroffenen gespalten hat, in das Gewissen integriert werden. Die Behandlung von Angstzuständen durch Achtsamkeit basiert auf drei grundlegenden Zielen:

  • Erweitern der Wahrnehmung über eigene Erfahrungen. Es geht darum, deine emotionalen Reaktionen mit erhöhter Klarheit zu beobachten. Es geht darum, sich der äußeren Handlungen und der inneren Vermeidung, die wir ausführen, bewusst zu werden, um die Angst zu kontrollieren.
  • Einen radikalen Wandel in der Einstellung zum Leben herbeiführen. Wir werden versuchen, unsere Einstellung, die allzu kritisch und kontrollierend ist, zu ändern, um eine harmonischere, mitfühlendere und nicht wertende Einstellung zu erreichen. Wir akzeptieren den Inhalt unabhängig von seinem Anschein.
  • Verbesserung der allgemeinen Lebensqualität. Wir werden die kognitive Flexibilität betonen und uns ganz auf unsere Gegenwart konzentrieren, um Veränderungen hervorzurufen, die unser Leben bereichern werden.

Frau liegt lächelnd auf der Wiese

Was können wir durch Achtsamkeit gewinnen?

Wer Achtsamkeit über längere Zeit praktiziert, kann mit folgenden Veränderungen rechnen:

  • Sich inneren Geschehen bewusster werden
  • Neue Perspektiven auf sich selbst gewinnen und die Tiefe des Geschehens und ihre jeweiligen Ursachen wahrnehmen
  • Phänomene des Denkens und Emotionen, Erinnerungen, Empfindungen, Bilder usw. bewusst zulassen, anstatt sie zu blockieren

Daraus folgt, dass die Praxis der Achtsamkeit uns hilft, zu sehen, wie sich unsere Gedanken, Emotionen und Empfindungen ändern. Wir verstehen dann, dass es keine Möglichkeit gibt, die angenehmen Zustände beizubehalten und zu fixieren und die unangenehmen Zustände vollständig zu verwerfen.

Achtsames Aussetzen mit dem, vor dem wir Angst haben, oder aufhören, zu fliehen

Bei der Art der Exposition, die in der Achtsamkeit angewendet wird, nähern wir uns dem, was wir fürchten, und bleiben dort, bis die Angst nachlässt oder verschwindet.

Das Beobachten der Empfindungen, die mit der Angst verbunden sind, ohne zu urteilen und ohne zu versuchen, ihnen zu entkommen oder sie zu vermeiden, kann die emotionale Reaktivität eines Menschen reduzieren. Im Allgemeinen wird emotionales Unbehagen als weniger unangenehm und weniger bedrohlich empfunden, weil sich seine subjektive Bedeutung verändert. Dies kann zu einer Verbesserung der Toleranz gegenüber negativen Gefühlen und Situationen führen.

So können wir durch Achtsamkeit bewusst Unannehmlichkeiten meistern. Dies wird unsere Fähigkeit verbessern, mit der Situation umzugehen. Wir wissen, dass Angst Widerstand erfordert, um zu bleiben oder zu wachsen. Die Herausforderung besteht darin, in der Gegenwart die notwendige Zeit zu schaffen.

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