Handysucht: die Folgen und was du dagegen tun kannst

Die übermäßige Nutzung des Handys kann ernste Auswirkungen haben, die es zu verhindern gilt.
Handysucht: die Folgen und was du dagegen tun kannst

Letzte Aktualisierung: 28. März 2022

Wir sprechen nicht über ein definiertes Krankheitsbild, doch trotzdem hat die Handysucht unangenehme Folgen und beeinträchtigt den Alltag der Betroffenen. Das Handy ist nicht nur ein Zeitfresser, sondern beeinflusst auch die Denkfähigkeit auf negative Weise.

Psychologische Studien weisen darauf hin, dass eine Handysucht zu schwerfälligen kognitiven Funktionen führen kann. In den letzten Jahren hat sich die Forschung intensiv mit diesem relativ neuen Suchtverhalten und der Verbraucherpsychologie beschäftigt, um die Wechselwirkungen zwischen Gehirn und Technologie zu erkennen.

Die Angewohnheit, aufzustehen und als erste Handlung des Tages auf den Handybildschirm zu schauen, spricht Bände über die Handyabhängigkeit. Dass du das Handy als Uhr verwendest, ist nur eine billige Ausrede.

Handysucht oder Nomophobie

Der Begriff Nomophobie leitet sich von “no mobile phone phobia” oder “Angst, ohne Handy zu sein” ab. Nomophobie ist die irrationale oder zwanghafte Angst, nicht erreichbar zu sein. Wir sprechen von Trennungsangst.

Viele Menschen lassen sich von ihrem Mobiltelefon ablenken und viel Zeit rauben. Wenn das jedoch so weit geht, dass deine Leistung schwindet und das Handy deinen Alltag ruiniert, handelt es sich um ein ernstes Thema, das professionelle Hilfe erfordern kann.

Frau mit Handysucht
Nomophobie ist die Angst oder Sorge, dass die Batterie ausgeht oder das Handy nicht erreichbar ist.

Symptome der Handysucht

Ein Handy nicht benutzen zu können, weil der Akku leer ist, oder es irgendwo zu vergessen, verursacht bei immer mehr Menschen Angstzustände oder Panikattacken. Die Handysucht ist bei Schülern und Studenten immer häufiger zu beobachten.

Nomophobie wird von Psychiatern als eine spezifische Phobie eingestuft. Die Handysucht wird mit sozialen Angststörungen in Verbindung gebracht. Andere Symptome dieser Sucht spiegeln sich in den körperlichen Reaktionen wider, die auftreten, wenn das Handy nicht aufzufinden ist:

  • Angst
  • Störungen der Atmung
  • Zittern und Krämpfe, weil das Handy nicht gefunden wird
  • Starkes Schwitzen
  • Erregung
  • Desorientierung
  • Tachykardie

Psychologische Untersuchungen haben ergeben, dass klügere Menschen die Suchfunktion auf ihrem Smartphone seltener nutzen. Tendenziell weniger intelligente Personen neigen jedoch dazu, Informationen auf ihrem Handy zu suchen. Bestimmt also die Intelligenz oder Denkart die Nutzung dieser Technologie?

Eine Frage der Intelligenz

Gordon Pennycook hat eine Studie geleitet, die zeigt, dass Mobiltelefone die Denkfunktion des Gehirns “verdrängen”. Wenn du die ganze Studie sehen willst, kannst du sie hier nachlesen.

Intuitive Denker suchen oft nach Informationen, die sie eigentlich wissen oder leicht lernen könnten, sie sind aber nicht wirklich bereit, sich die Mühe zu machen, nachzudenken. Im Gegensatz dazu nutzen analytisch denkende Menschen, die laut der Studie in der Regel intelligenter sind, seltener die Suchfunktion ihres Smartphones.

Jahrzehntelange Forschung hat gezeigt, dass Menschen dazu neigen, Anstrengungen zu vermeiden. Wir nutzen unsere Gehirnleistung, um Lösungen zu finden. In unserer modernen Gesellschaft übernimmt jedoch das Smartphone diese Funktion, fast so, als ob es eine Erweiterung unseres Verstandes wäre.

Ein Experiment

Die Wissenschaftler forderten in dieser Studie 660 Menschen dazu auf, ihre Abhängigkeit von Smartphones zu testen. Außerdem bewertete Das Team die Sprach- und Lesefähigkeiten sowie den Denkstil der Teilnehmenden. Die Ergebnisse zeigten, dass Menschen mit mehr analytischen Denkfähigkeiten die Suchfunktion auf ihrem Smartphone viel weniger nutzten.

Die Studie wurde in der Zeitschrift Computers in Human Behavior veröffentlicht (Barr et al., 2015). Sie belegt, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen fortgesetzter Smartphone-Nutzung und verminderter Intelligenz besteht.

Handysucht: Apps machen abhängig

Die Handysucht scheint uns bei Denkvorgängen ungeschickter zu machen. Gewohnheiten wie die ständige Anwesenheit in sozialen Netzen oder die Sucht nach WhatsApp treten immer häufiger auf und können sehr negative Auswirkungen haben.

Die Auswirkungen der ständigen Handynutzung

Eine Studie von IDC Research hat dies deutlich gemacht. Rund 80 % der Smartphone-Nutzer überprüfen ihr mobiles Gerät mindestens einmal innerhalb von 15 Minuten nach dem Aufwachen.

Dr. Nikole Benders-Hadi weist darauf hin, dass das Handy nach dem Aufwachen unsere Angst verstärken kann.

Vermehrtes Unbehagen

In einer Studie der Universität Göteborg in Schweden untersuchten Forscher die Auswirkungen der Smartphone-Nutzung bei jungen Menschen zwischen 20 und 30 Jahren über einen Zeitraum von einem Jahr. Die Ergebnisse zeigten, dass die lange Handynutzung sowohl bei Männern als auch bei Frauen vermehrt zu Depressionen, Stress und Schlafproblemen führt.

Mangel an Aufmerksamkeit durch Handysucht

Wenn du soziale Medien, E-Mails oder Nachrichten abrufst, beeinflussen die Meinungen, Anfragen und Werbeanzeigen deine eigenen Denkmuster. Du wirst abgelenkt, kannst dich nicht mehr konzentrieren und bist weniger leistungsfähig.

Handysucht beim Aufwachen

Julie Morgenstern, Autorin des Buches “Never Check Email In The Morning”, erwähnt, dass wir uns den ganzen Tag nicht mehr erholen, wenn wir nach dem Aufwachen als Erstes zum Handy greifen. Die Nachrichten, Überraschungen, Mahnungen und Probleme nehmen kein Ende. Es gibt kaum etwas, das nicht mindestens 59 Minuten warten kann.

Handysucht beim Aufwachen
Wenn du gleich nach dem Aufwachen dein Handy checkst, wirkt sich das auf den ganzen Tag negativ aus.

Dopaminschub durch Handysucht

Wenn du soziale Medien oder E-Mails abrufst, schüttet das Gehirn eine Menge Dopamin aus. Diese Neurochemikalie gibt dir das Gefühl der Belohnung und Zufriedenheit. Das Gehirn sehnt sich nach Dopamin wie ein Achtjähriger nach Süßigkeiten, also wird es die Wiederholung von Verhaltensweisen fördern, die zur Dopaminausschüttung führen.

Die richtige Nutzung des Handys kann deine Routine verändern

Handys sind inzwischen in vielen Bereichen fast unverzichtbar und haben natürlich auch Vorteile, wenn sie richtig zum Einsatz kommen. Wir haben ein paar Tipps für dich, um dies zu erreichen:

  • Aktiviere den Flugmodus, wenn du dein Smartphone als Wecker verwendest.
  • Lösche alle Anwendungen, die du nicht benutzt.
  • Deaktiviere Benachrichtigungen. Du kannst zu bestimmten Zeiten gezielt nach Informationen suchen.
  • Verbanne dein Handy aus deiner morgendlichen Routine.
  • Rufe E-Mails nur während der Arbeitszeit am Computer ab.
  • Du kannst jederzeit erreicht werden, wenn das notwendig ist, du musst nicht alle fünf Minuten auf dein Handy schauen.
  • Verwende eine App, um die Zeit zu messen, in der du das Handy verwendest. 

Es geht nicht darum, auf das Smartphone zu verzichten, sondern es verantwortungsvoll einzusetzen, um deiner Gesundheit nicht zu schaden und Suchtverhalten zu verhindern.

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  • Barr, Nathaniel et al. The Brain in Your Pocket: Evidence That Smartphones Are Used to Supplant Thinking. Computers in Human Behavior 48 (2015): 473–480.
  • IDC Research Report. Always Connected: How Smartphones And Social Keep Us Engaged. An IDC Research Report, Sponsored By Facebook.
  • Thomée S, Härenstam A, Hagberg M. Uso de teléfonos móviles y estrés, trastornos del sueño y síntomas de depresión entre adultos jóvenes: un estudio de cohorte prospectivo. BMC Salud Pública . 2011;11:66. Publicado el 31 de enero de 2011. doi:10.1186/1471-2458-11-66