Gordon Allport: Biografie des Vaters der Persönlichkeitspsychologie

· 21. Mai 2019

Gordon Allport war ein US-amerikanischer Psychologe, der wegen seines Beitrags zu den Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie in die Geschichte dieser Wissenschaft eingegangen ist. Seine Persönlichkeitstheorie gilt als eine der ersten humanistischen Theorien um den Menschen als ein autonomes Gebilde mit einem freien Willen. Allport argumentierte, dass die Menschen nicht nur durch Instinkte und Impulse angetrieben seien und auch nicht von ihrer Vergangenheit beherrscht würden.

Darüber vermittelt sein Werk diese Inhalte auf didaktisch ausgezeichnete Art und Weise. Es ist sehr unterhaltsam, interessant und somit auch attraktiv für die breite Öffentlichkeit. Ohne Zweifel ist er ein Autor, der es verdient, nicht nur von Experten der Psychologie, sondern auch von jedem anderen, der seinen Durst nach Wissen und Gedanken im Bereich der Psychologie stillen möchte, gelesen zu werden.

Neben seiner Persönlichkeitstheorie lieferte Gordon Allport auch einige wichtige Erkenntnisse in den Bereichen der Psychologie der Motivation, der Vorurteile und der Religion der Individuen. Damit ist sein Erbe überaus breit und er hat sich zu einer wirklich interessanten Figur auf dem Gebiet der Psychologie entwickelt. Im Laufe dieses Artikels wollen wir einige Besonderheiten und Beiträge dieses Psychologen aufzeigen. Begleitest du uns dabei, sie zu entdecken?

Das frühe Leben von Gordon Allport

Gordon Allport wurde im Jahr 1887 in Indiana, USA, geboren, doch seine Familie übersiedelte nach Ohio, als Gordon noch sehr jung war. Sein Vater war Arzt und arbeitet von zu Hause aus. Daher lebten Gordon und seine Geschwister seit ihrer Kindheit in einer medizinisch geprägten Welt. Diese Nähe zur Medizin weckte in ihm das Interesse für weitere Studien und insbesondere für die Psychologie.

Dennoch waren seine ersten akademischen Schritte nicht mit der Medizin oder der Psychologie verbunden. Allport erreichte einen Abschluss in Wirschaftswissenschaften und Philosophie, obwohl er weiterhin und ungebremst ein großes Interesse für die Sozialpsychologie hatte. Er lebte ein ziemlich ruhiges Leben, gemächlich und ohne allzu viele Überraschungen.

Schließlich absolvierte er eine Ausbildung zum Psychologen und unternahm danach eine Reise nach Europa, genauer gesagt in die österreichische Hauptstadt Wien. Diese Reise war wohl eines der wichtigsten Ereignisse in seinem Leben, denn sie bedeutete auch seine Annäherung an Sigmund Freud. Nun, aus dieser Begegnung ergab sich wohl keine große Bewunderung des Vaters der Psychoanalyse. Eher das Gegenteil schien der Fall gewesen zu sein: Allport hielt Freuds Theorien, wie auch viele andere Psychologen, die die humanistische Schule bildeten, für zu stark beschränkend.

Gordon Allport

Seine Arbeit

Nachdem er aus Europa zurückgekehrt war, begann Gordon Allport seine Arbeit als Professor der Psychologie an der Harvard University (Massachusetts, USA) wo er bis zu seinem Tode tätig blieb. Während seines Aufenthalts an dieser Universität engagierte er sich in zahlreichen Ausschüssen und unterrichtete einige für seine Zeit wirklich innovativen Kurse. Im Jahr 1939 wurde er zum Präsidenten der American Psychologial Association gewählt.

Schon zu Lebzeiten erhielt er als Anerkennung für seine Arbeit und seine Beiträge zur Psychologie zahlreiche Auszeichungen. Die American Psychological Association verlieh ihm den Distinguished Scientific Contribution Award, einen sehr begehrten Preis unter Psychologen.

Allport legte großen Wert auf die Motivationen und die bewussten Gedanken des Einzelnen und versuchte in diesem Zusammenhang, ein Gleichgewicht zwischen den Hauptströmungen dieser Zeit zu finden: Der Behaviorismus war noch unvollständig entwickelt und erschien ihm oberflächlich, die Psychoanalyse zu komplex. Nach der Begegnung mit Freud verstärkte sich Allports Interesse an der Entwicklung einer eigenen Theorie.

Er veröffentlichte mehrere Bücher, in denen seine wichtigsten Erkenntnis zusammengestellt sind. Hervorzuheben ist das Werk Werden der Persönlichkeit. Gedanken zur Grundlegung einer Psychologie der Persönlichkeit,  welches eines der bekanntesten und anerkanntesten von Allport ist.

Sein Beitrag zur Psychologie

Gordon Allport ist bekannt dafür, in vielen Bereichen der Psychologie sehr einflussreich gewesen zu sein, insbesondere durch seine Persönlichkeitstheorie. Dieser Theorie zufolge habe jeder Mensch Hunderte von Eigenschaften. Er nannte 4.500 Wörter, die eine Person definieren können, und gruppierte diese in drei Ebenen:

  • Die wesentlichen Eigenschaften: Diese sind die dominierenden Eigenschaften einer Person, die die Identität, die Emotionen und das Verhalten des Individuums bestimmen.
  • Die zentralen Eigenschaften: Sie sind auch Hauptmerkmale, jedoch nicht so dominant. In den meisten Menschen sind diese inhärent und legen den Grundstein für die Persönlichkeit und die Handlungen des Individuums.
  • Die sekundären Eigenschaften: Hierbei handelt es sich um private Eigenschaften, die sich auf den Einzelnen beziehen. Oft werden diese nur vertraulich und unter bestimmten Bedingungen offengelegt.
Profil eines Kopfes, der aus Zahnrädern besteht

Das Erbe von Gordon Allport

Neben seiner Persönlichkeitstheorie beschrieb Gordon Allport auch die Genotypen und die Phänotypen von Personen mit verschiedensten Eigenschaften und damit die inneren Bedingungen, die das Verhalten einer Person motivieren, und deren Effekte. In seiner Arbeit Persönlichkeit: Struktur, Entwicklung und Erfassung der menschlichen Eigenart (1937) definierte er die Persönlichkeit als „die dynamische Organisation jener psychophysischen Systeme, die innerhalb des Individuums ihre Anpassung an die Umgebung bestimmen“.

Darüber hinaus betonte er, dass diese Persönlichkeit bei jedem Menschen anders sei. Er interessierte sich weiterhin für die Natur des Willens, den Antrieb und die Entschlossenheit der Menschen. Er betonte die Wichtigkeit des Lernens, der Verhaltensweisen und der Gedanken jedes Einzelnen, denn sie seien das Produkt einer ganzen Lebensgeschichte. Das bedeutet, was ein Mensch in einem Moment denkt, ist die Frucht seiner Vergangenheit, aber auch seiner Gegenwart.

Allport förderte die „interdisziplinäre Bewegung“ an der Harvard University, in welcher die von Talcott Parsons angeführte Abteilung für Sozialwissenschaften entstand. Daneben kritisierte er auch die Psychoanalyse von Freud und den radikalen Beaviorismus. Im Gegenzug dazu entwickelte er das Konzept des Propriums. Dieses beschreibt das Selbst als zentralen Bestandteil der Persönlichkeit.

Ebenso ging er auf Themen wie Vorurteile und Religion ein. Allport analysierte die Fragestellung der Vorurteile sehr gründlich, vertiefend am Beispiel der Diskriminerung von Juden und Afroamerikanern. All das spiegelt sich in einem seiner bekanntesten Werke wider, in Die Natur des Vorurteils.

Nachdem er sein Leben dem Studium gewidmet hat, verstarb Allport schließlich am 9. Oktober des Jahres 1967. Er hinterließ ein unverkennbares Erbe auf dem Gebiet der Psychologie. Allport gilt bis heute als einer der Pioniere der humanistischen Psychologie und ist zweifellos einer der einflussreichsten Wissenschaftler des zwanzigsten Jahrhunderts.