Glücklich zu sein bedeutet nicht unbedingt, die Beste zu sein

· 19. Januar 2018

Der oder die Beste sein: In unserer Gesellschaft ist das zu einem der wichtigsten Ziele geworden. Schon in jungen Jahren werden unsere Leistungen in verschiedenen Bereichen mit Noten bewertet, ohne Rücksicht darauf, ob wir Spaß an dem haben, was wir tun oder nicht. Menschen, die nur Einser bekommen, gelten als „die Besten“, was ihnen die Akzeptanz und Bewunderung ihrer Mitmenschen einbringt.

Im Allgemeinen fühlen sie sich mit dieser Anerkennung sehr wohl. Wer möchte nicht für seine Verdienste anerkannt und für seine Leistungen geschätzt werden? Auf der anderen Seite werden diejenigen, die nicht die herausragenden Leistungen erbringen, die jeder von ihnen erwartet, von ihren Kollegen, Professoren, sogar von den eigenen Eltern beleidigt oder beschimpft. Manche Eltern tadeln oder bestrafen ihre Kinder, weil sie denken, wenn diese nicht zu den Besten gehören, würden aus ihnen keine vernünftigen Erwachsenen.

Die Beste sein, um Selbstwertgefühl zu erlangen?

Wenn du in etwas die Beste bist, fühlst du dich vielleicht perfekt. Die Nummer Eins zu sein erhöht dein Selbstbewusstsein, weil es die Bewunderung anderer anzieht und weitere positive Konsequenzen hat, die wir etwas zu sehr schätzen. Dabei sprechen wir von Ruhm, Erfolg, Geld … von Dingen, die wir in unserer Gesellschaft überproportional wertschätzen und für die wir trotz aller Kosten kämpfen müssen.

Jede möchte die Beste sein in dem dem, was sie tut, denn wenn das nicht so wäre, worauf käme es dann an?

Frau vor dem Spiegel

Dies ist die Falle des Selbstwertgefühls oder der Liebe, die du für dich selbst hast. Wir assoziieren Selbstliebe häufig mit äußeren Eigenschaften, aber dies schafft ein abhängiges Selbstwertgefühl: Wir lieben und bewundern uns selbst, wenn wir attraktiv, groß, dünn, gebildet, angestellt oder in einer Beziehung sind … oder wenn wir in allem, was wir tun, die Beste sind. Deshalb hassen wir uns selbst, schimpfen uns selbst aus und bestrafen uns selbst, wenn wir nicht haben, was wir gerade aufgelistet haben.

Deshalb macht es keinen Sinn, zu versuchen, ein gesundes Selbstwertgefühl zu erlangen, indem man seine Tugenden und Errungenschaften auflistet.

Die Beste sein, die Fleißigste, die Schönste

Die Besten, die Fleißigsten, die Schönsten, die Freundlichsten, die Nummer Eins in der Klasse – es ist alles nur Luft. Es hat keinen Wert an sich und es nützt weniger, als du denkst. Es lässt dich glauben, dass die Beste zu sein das Wertvollste wäre, das es gäbe, und leider glaubt das fast jeder.

Du gewinnst nicht mehr Selbstwertgefühl, indem du besser als jeder andere bist, noch macht es dich glücklicher. Wenn das der Fall wäre, gäbe es nicht so viele erfolgreiche, berühmte, reiche, attraktive Menschen, die gestanden haben, sehr unglücklich zu sein und deren Leben in einer Tragödie endeten. Wie viele berühmte Athleten sind in die Welt der Drogen abgerutscht, weil sie den Anforderungen ihrer selbst und ihrer Trainer nicht bewältigen konnten? Wie viele Schauspieler, Sänger und Künstler haben sich das Leben genommen oder sind Opfer ihrer eigenen Misshandlungen geworden?

Die Schlechteste sein und sich trotzdem selbst akzeptieren

Der Wunsch, die Beste zu sein, führt nur zu Angst. Diese Kultur der Anstrengung, ein ehrenwerter Mann oder eine ehrenwerte Frau zu sein und das Leben mit Blut, Schweiß und Tränen zu meistern – all das hat eine Vielzahl unglücklicher Menschen geschaffen. Seelen, die sich selbst auferlegte Ziele erreichen wollen, die sie grundlos verfolgen, da ja niemand dazu verpflichtet ist. Und dennoch werden sie ihrem Glück kein bisschen näher kommen. Neben Angst kann der Wunsch, die Beste zu sein, auch eine tiefe Depression auslösen, wenn du eben nicht alles sein kannst, was du sein wolltest.

Am Ende wirst du nur erreichen, dass dein Glück und deine Selbstliebe von externen Faktoren abhängen, anstatt eine Grundlage in dir selbst zu haben. Wenn du also aufhören willst, an dieser irrationalen Idee mitschuldig zu sein, kannst du damit beginnen, bedingungslose Akzeptanz zu üben. Akzeptanz und Selbstwertgefühl mögen ähnlich klingen, aber sie sind tatsächlich anders.

Roter Baum in Herzform

Gesunde Akzeptanz

Gesunde Akzeptanz hängt nicht davon ab, die Beste oder die Schlechteste zu sein, die Attraktivste oder die Hässlichste, die Klügste oder die Dümmste. Akzeptanz besteht darin, sich selbst zu mögen, sich selbst zu lieben, auf sich selbst aufzupassen und sich selbst zu verwöhnen, egal wer du bist oder was du getan hast. Du liebst dich einfach selbst, weil du eine Person bist, die allein aufgrund ihrer Geburt wertvoll ist.

Nichts Externes kann mehr oder weniger Wert zu einem Menschen beitragen, weil Menschen nicht quantitativ gemessen werden können. Es gibt kein Lineal, mit dem du den Wert von irgendjemandem messen kannst. Alle Urteile, die wir gegenüber uns selbst und anderen Menschen fällen, sind ein Produkt der Kultur, ein soziales Konstrukt.

Wir laden dich ein, über Folgendes nachzudenken: Stelle dir vor, dass du in etwas die Schlechteste bist – bei der Arbeit, im Unterricht, im Freundeskreis – und trotzdem glücklich und zufrieden mit dir selbst. Es ist möglich, nicht wahr? Nun, wenn du in der Lage bist, dich in deiner Vorstellung an diesen Ort zu versetzen, dann kannst du anfangen, in der realen Welt darauf zuzugehen. Wir hoffen, es wird ein Weg voller wunderbarer Entdeckungen!