Fünf Weisheiten von Miguel de Unamuno

09 März, 2020
Die Werke von Miguel de Unamuno sind geprägt von einigen Bedenken, die er in zahlreichen seiner Schriften zum Ausdruck brachte. In unserem heutigen Artikel werden wir uns auf fünf seiner interessantesten Weisheiten konzentrieren.
 

Miguel de Unamuno war ein spanischer Schriftsteller und Philosoph, der zur sogenannten Generation von 98 gehörte. In seinen Werken können wir sehen, dass er alle existierenden literarischen Genres bediente: Romane, Essays, Lyrik und Theater. Dennoch war der charakteristischste Aspekt, mit dem sich dieser Autor befasste, zugleich auch das vorherrschende Thema in all seinen Arbeiten: der Existentialismus.

Aus diesem Grund haben wir fünf Aussprüche und Weisheiten von Miguel de Unamuno ausgewählt, die besonders gut die vielen philosophischen Bedenken widerspiegeln, die sich in seinen Werken finden lassen.

Bevor wir uns diesen Weisheiten widmen, möchten wir noch darauf hinweisen, dass der Existentialismus, der in Unamunos Leben so präsent war, aus den Erfahrungen resultierte, die die Generation von 98 (1898) gemacht hatte. Die politische, soziale, ökonomische und moralische Krise jener Zeit war dabei die Quelle ihrer Inspiration. Daher spiegeln sich die Qualen und Nöte dieser Zeiten in den Arbeiten jener Schriftsteller wider. Und nun werden wir uns einigen sehr interessanten Aussprüchen und Weisheiten von Miguel de Unamuno zuwenden.

Miguel de Unamuno - aufgeschlagenes Buch
 

Die Weisheiten von Miguel de Unamuno

1. Liebe lässt uns glauben

“Liebe lässt uns an Gott glauben, auf den wir hoffen und der uns die Hoffnung auf ein zukünftiges Leben gibt. Diese Liebe lässt uns an das glauben, was der Traum der Hoffnung in uns erschafft.“

Referenzierungen auf Gott sind in Unamunos Werken sehr bedeutend und präsent. Der Artikel „Die Sehnsucht nach Gott in den Arbeiten von Miguel de Unamuno“ besagt, dass Unamuno „einen persönlichen Gott“ suchte, „der Unsterblichkeit und Ausdauer garantiert […]  und seiner Existenz einen Sinn gibt.“

Mit diesem Ausspruch bringt uns Miguel de Unamuno jedoch einem Paradoxon näher, in dem er sich selber befand. Einerseits haben wir Hoffnung, die so notwendig und so menschlich ist. Aber andererseits haben wir auch die Qual, die diese Hoffnung hervorruft und das, was er als „Träumerei“ oder „Traum“ bezeichnet.

Dieser Widerspruch wird auch in den Ergebnissen der Forschungen deutlich, die über diesen Schriftsteller angestellt wurden. Daher sind sich Forscher bis heute nicht darüber einig, ob er ein Atheist, Agnostiker oder ein religiöser Mensch war.

2. Miguel de Unamuno über die Vorzüge des Lesens

“Je weniger wir lesen, desto schädlicher wird das, was wir lesen.“

Dieses Sprichwort von Miguel de Unamuno bezieht sich auf eine Beschäftigung, die heutzutage immer seltener praktiziert wird: das Lesen. Trotz der großen Wichtigkeit des Lesens, auf die auch der Artikel „Die Bedeutung und die Auswirkungen des Lesens, Schreibens und kritischen Denkens in der höheren Bildung“ hinweist, wusste Unamuno bereits zu seiner Zeit, wie anfällig und verwundbar Menschen sind, die nicht lesen.

 

Wenn ein Mensch nicht regelmäßig liest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er damit aufhört, kritisch zu sein. Allerdings trägt aber genau diese kritische Denkhaltung dazu bei, dass wir nicht alles glauben, was wir lesen oder hören. Vieles wird mit der Zielsetzung geschrieben, uns zu überzeugen oder zu überreden. Daher ist Lesen eine Möglichkeit, mit der wir vermeiden können, durch Worte manipuliert zu werden.

3. Die Wissenschaft lehrt uns zu hinterfragen

“Die wahre Wissenschaft lehrt uns vor allem, zu zweifeln und unwissend zu sein.“

Diese dritte Weisheit hängt eng mit der vorherigen zusammen. Genauso wie zu wenig lesen dazu führen kann, dass uns alles, was wir lesen, glaubhaft und wahr erscheint, lehrt uns auch die Wissenschaft etwas sehr Entscheidendes: die Kunst des Fragens und des Zweifelns.

Wenn wir Dinge in Frage stellen oder Zweifel haben, hilft uns dies dabei, die richtigen Antworten zu finden. Außerdem erlangen wir dadurch größeres Wissen. Wenn wir uns unwissend fühlen, inspiriert uns dieses Gefühl dazu, weiter zu lernen und neue Entdeckungen zu machen. In diesem Zusammenhang könnten wir auch an den Ausspruch eines sehr bekannten Philosophen denken. Sokrates sagte: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“.

4. Ein Vorteil davon, nicht glücklich zu sein

“Einer der Vorteile davon, nicht glücklich zu sein, ist der, dass du dir wünschen kannst, glücklich zu sein.“

Von all den zahlreichen Überlegungen, die Unamunos Geist anstellte, war die Vorstellung, glücklich zu sein, wohl die bedeutendste. Wir alle können uns mit der Suche nach Glück identifizieren. Allerdings scheint dieses Ziel unerreichbar zu sein, da wir wohl niemals in der Lage zu sein scheinen, das vollkommene Glück zu erreichen.

 

Diese Weisheit von Miguel de Unamuno weist auf den einzigen Vorteil hin, den es hat, nicht glücklich zu sein. Es ist der Wunsch oder vielleicht auch die Hoffnung (wie wir in der ersten Weisheit gesehen haben), dass dieser Zustand nicht für immer andauern wird. Allerdings ist dies eine Sehnsucht, die sich wohl nie zu verwirklichen scheint.

Miguel de Unamuno - Frau mit einem Schmetterling

5. Miguel de Unamuno über mangelnde Liebe

“Es ist traurig, sich nicht geliebt zu fühlen, aber es ist noch viel trauriger, nicht lieben zu können.“

Unsere letzte Weisheit von Miguel de Unamuno erlaubt uns, über die Liebe zu reflektieren. Es gibt viele Menschen, die geliebt werden wollen, obwohl sie sich selber nicht lieben. Wenn wir unser Selbstwertgefühl stärken, wird uns das dabei helfen, uns geliebt zu fühlen. Und dadurch können wir auch das Glück erlangen, nach dem wir uns sehnen.

Religion, Liebe, Glück und Zweifel sind die Themen, die dieser Schriftsteller in den meisten seiner Arbeiten aufgegriffen und behandelt hat. Diese Weisheiten laden uns zum Nachdenken ein, da die Themen uns absolut nicht fremd sind. Tatsächlich können sie uns sogar zu Introspektionen anregen, in die sich Unamuno selber regelmäßig vertiefte.

 

Miguel de Unamuno ist eine wahre Referenzfigur. Sein Denken ist eine Reflexion der Zeit, in der er gelebt hat. Wir haben das auch in seinen Weisheiten gesehen. Allerdings sind seine Aussprüche keineswegs altmodisch oder veraltet. Im Gegenteil, sie überdauerten sein Leben und werden in die Geschichte projiziert. Sogar bis in die heutige Zeit, wo sie mit Klarheit erklingen.

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