Freunde mit gewissen Vorzügen oder Liebende ohne Rechte?

9. Januar 2017 en Emotionen 0 Geteilt

Vor Kurzem zirkulierte eine Werbung im Internet, die ein ungewöhnliches Produkt angepriesen hat: ein Pheromon-basiertes Parfum. Die Werbung gab an, dass es 100% effektiv ist. „Die Angehörigen des begehrten Geschlechts werden ganz bezaubert von dir sein“,  verspricht es. Es gab eine „wissenschaftliche“ Erklärung darüber, warum niemand dem mächtigen Effekten dieses magischen Duftes widerstehen könne.

Die Idee, dass Liebe mehr mit Biochemie als mit der Welt der Emotionen zu tun hat, wird immer populärer. Es wurde vorgeschlagen, dass es ein fundamentales Problem gibt, das gelöst werden muss: Im Bereich der Liebe müssen wir lernen, andere mit unserem Charme „einzufangen“ oder „in die Falle zu locken“. Nicht einen Menschen, sondern Angehörige des uns anziehenden Geschlechts.

Sex ohne Liebe ist genauso hohl und lächerlich wie Liebe ohne Sex.

Hunter S. Thompson

Heutzutage scheint eine widersprüchliche Sehnsucht den Durchbruch im Bereich der Liebe zu feiern. Es handelt sich hierbei um die Sehnsucht nach vielen aufeinanderfolgenden Partnern, die unser Ego, unseren Drang, zu experimentieren und unsere Einsamkeit füttern, befriedigen. Gleichzeitig lassen wir einen besonderen Platz frei, der nur von der Ankunft einer ganz bestimmten außergewöhnlichen Person gefüllt werden kann. Der Ankunft „der Liebe unseres Lebens“.

Freunde mit vorübergehenden Vorzügen

In diesem Szenario kommen uns Freunde mit Vorzügen gerade recht. Wir werden es denen von euch, die diese Bezeichnung vielleicht nicht kennen, einmal erklären: Freunde mit gewissen Vorzügen sind Menschen, die eine Freundschaft aufrechterhalten, in der sie ab und an Sex haben. Der entscheidende Punkt liegt darin, dass beide Menschen verstehen, dass Sex zu haben nicht impliziert, keine Freunde mehr zu sein. Außerdem sollte ihre Freundschaft es nicht verhindern, dass Sex Teil dieser Beziehung ist.

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Die Vereinbarungen zwischen Freunden mit gewissen Vorzügen folgen impliziten Regeln, denen beide Mitglieder folgen müssen. Sonst würde diese Art der Beziehung nicht funktionieren.

  • Für Freunde mit gewissen Vorzügen ist fundamental, sich nicht zu verlieben. Keiner von beiden will sich mit Pflichten herumschlagen. Aus diesem Grund hat Sex einfach eine ganz grundlegende Funktion: körperliches Verlangen zu befriedigen.
  • Es gibt noch eine andere Regel, der beide Folge leisten müssen und von der ihre Vereinbarung, sich nicht zu verlieben, abhängt. Nicht vertraut zu sein und sich nicht in das Leben des anderen Menschen einzumischen. Das heißt die Vorzüge haben ein definiertes Limit. Sie dürfen sich berühren und anschauen. Aber sie lassen ihren Freund weder Zeit noch Aufmerksamkeit oder Verständnis einfordern.
  • Die goldene Regel von Freunden mit gewissen Vorzügen ist in jedem Falle, dass es keine Exklusivität gibt. Jeder der beiden Freunde kann sexuelle Beziehungen mit anderen Personen haben. Unter keinen Umständen darf einer der Freunde eifersüchtig sein. Noch darf er die andere Person fragen, warum sie den Bund plötzlich beendet.

Freunde mit gewissen Vorzügen oder Liebende ohne Rechte?

Sehr zur Enttäuschung der Fans von Freunden mit gewissen Vorzügen und den Herstellern von Pheromon-basierten Parfums ist das menschliche Gehirn ein sehr komplexes Organ, in der es keine Abgrenzung zwischen Körper und Emotionen gibt. Die Spitze der Pyramide rein evolutiv zu besetzen hat Konsequenzen.

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Es ist unmöglich, dass ein Mensch mit jemandem Sex hat und dieser nicht mit Emotionen assoziiert wird. Wir neigen also dazu, ihn damit zu assoziieren, was er ist, was er war, und was er sein wird. Es gibt auch keinen Weg, dass die andere Person in dieser Beziehung zu einem einfachen „Stück Fleisch“ wird, das man leicht loswerden oder zur Seite schieben kann, wenn der Akt vollzogen ist.

Die andere Person lässt immer etwas zurück. Ein Echo, das widerhallt, manchmal schüchtern, manchmal sehr laut, und welches von Selbstbestimmtheit oder Selbstverleugnung spricht. Von Erwartungen und Fantasien, von emotionalen Bedürfnissen und Schwächen.

Eine Freundschaft mit gewissen Vorzügen ist eine Quelle von Angst oder Verzweiflung. Von der Angst vor Liebe und den vielfachen Möglichkeiten, zu leiden, die sie birgt. Und vor der Verzweiflung, die das mit sich bringt. Davor, es aufzugeben, mehr vom Leben zu erwarten, als zu fliehen und belanglose Erfahrungen zu machen.

Jene, die sich für diese Art von Beziehung entscheiden, stehen unter dem Einfluss einer unerfüllbaren Sehnsucht: Sie wollen mit dem Feuer spielen, ohne sich zu verbrennen.

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Deshalb neigen Freundschaften mit gewissen Vorzügen dazu, schlecht zu enden. Ganz allgemein gesagt: Sie funktionieren nicht. Mindestens einer von beiden ist gewöhnlich am Ende verletzt.

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