Es war einmal eine Prinzessin, die sich selbst gerettet hat

· 2. Januar 2018

Es war einmal eine Prinzessin, die sich selbst retten konnte. Eine anonyme Prinzessin, die jeden Tag durch die Straßen ging und weder die Sonne noch den Wind fürchtete. Eine derjenigen, die stolpern und wieder aufstehen. Die Ängste genauso sammeln wie Siege und interessante Geheimnisse. Niemand spricht über ihren Wert. Es ist aber auch nicht notwendig, weil sie diesen in ihrem Herzen geschrieben trägt.

Sie brauchte keinen tapferen Prinzen. Anstatt sich in eine Ecke ihres Heims zu kauern, traute sie sich, sich aus dem Fenster hinauszulehnen. Den Drachen zu beobachten und seine Schwachpunkte zu erkennen. Sie verstand es, sich selbst ein Gegengift herzustellen, das schnell und effizient wirkte, bevor die Hürden des Lebens sie lähmen konnten. In ihrer Geschichte spielen Prinzen und Küsse keine Rolle, denn ihr Mut wurde aus ihrem Inneren geboren. Nicht aus der Inspiration durch andere. Ihre Tapferkeit nährte sich vom Tun, nicht vom Warten.

Wir sprechen von einer Prinzessin, die mit offenen Augen durch’s Leben geht.

Eine Prinzessin, die sich allein rettete

Sie rettete sich allein, weil ihre Eltern verstanden, dass in ihr ein enormes Potenzial steckt. So zögerten sie nicht, ihre Träume zu nähren, obwohl diese nicht rosa oder lila waren. Obwohl sie auch als kleines Mädchen nicht davon träumte, Plastikbabys spazieren zu fahren oder den Puppen die Haare zu färben und zu glätten. Eigentlich bedauerten sie nichts, denn sie hatten niemals das Gefühl, in diesem Unterschied etwas zu vermissen.

Es war ihr möglich, sich selbst zu retten, da sie nicht leichtgläubig war und auf ihren Instinkt hörte, während sie ihre Großmutter im Bett liegen sah. So hatte der Wolf keine Möglichkeit, sie zu fressen: Sie selbst war es, die das Gewehr zückte und ihm die Stirn bot, die ihm Handschellen anlegte, ihn verhaftete und auf das Polizeirevier der Geschichten brachte. So fing sie nach und nach alle bösen Gestalten, die Prinzen bezwungen hatten.

Prinzessin mit rosa Kleid im Herbstwald

Eine Prinzessin, die andere brauchte

Selbstverständlich brauchte sie andere Menschen. Nichtsdestotrotz niemals einen Prinzen, der dieselbe Rolle rezitieren würde wie sie ihnen die Gaukler in ihren anscheinend unschuldigen Geschichten zuschrieben. Sie brauchte einfach sterbliche und mit unzähligen Fehlern behaftete Personen um sich herum, die sie unterstützten. Die ihr Möglichkeiten aufzeigten, wie etwas zu machen ist. Die sie manchmal auf die beste Option hinwiesen, obwohl sie niemals darauf angewiesen war, dass sie etwas für sie erledigten. Wenn es jemand dennoch tat, zögerte sie nicht, sich zu bedanken und demjenigen auch einen Gefallen zu tun.

Denn die Prinzessin, die sich selbst rettete, verstand, dass wir in einer Welt leben, in der Gegenseitigkeit funktioniert und erwartet wird. In dieser Wechselseitigkeit aber war sie nicht diejenige, die man mit Küssen und Liebe bezahlte. Nein, es konnte ebensogut sein, dass sie mit Küssen und Liebe bezahlte. Sie tat dies, um zu retten, denn im Retten war sie gut.

Sich selbst retten. Sie tat es jeden Tag. Wenn sie nicht aufhörte, an eine Welt zu glauben, in der kein Mann auf sie herabsieht. In der keine Frau sie verachtete, weil sie, wie sie, eine Frau war. Wenn in der Gleichung, ob man kann oder nicht kann, viele Variablen steckten, aber nicht die Variable Geschlecht.

Eine Prinzessin, die stolz auf sich war

Die Prinzessin, die sich selbst rettete, war stolz auf ihre Sensibilität. Es gab Teile an ihrem Körper, die sie anders gestaltet hätte. Dennoch hörte sie nicht auf, daran zu denken, dass ihre Nase oder ihre Ohren eine fantastische Gabe waren. Sie waren einzigartig und funktionierten außerdem so perfekt, dass sie ihr erlaubten, zu riechen und den Herzschlag anderer zu hören. Sie hatte gelernt, sie zu lieben und zu schätzen.

Einmal las sie eine in Stein gemeißelte Nachricht. Diese lautete, dass es eine Übung der Intelligenz sei, etwas zu lieben, was man nicht ändern kann. Diese Botschaft verinnerlichte sie. Ebenso behielt sie eine andere Nachricht im Gedächtnis. Diese las sie an einer Mauer, an der sie jeden Tag vorbeiging: Es gibt ein Leben vor dem Tod.

Sie machte dieses Motto zu dem ihrigen. Dabei hatte sie in ihrem Herzen nicht das Gefühl, dass dieses Vorhaben sonderbar sei. Sie dachte einfach nur, dass das, was sie tat, konsequent sei und ihren Fähigkeiten entsprach. So kam es, dass diese Prinzessin, die so zerbrechlich wirkte, sich selbst retten konnte.