Es ist nicht scheinheilig, sondern edelmütig, Hass mit einem Lächeln zu begegnen

27. Januar 2017 en Psychologie 0 Geteilt

Weise ist der, der dazu in der Lage ist, Hass mit einem Lächeln zu begegnen. Das ist keinesfalls scheinheilig und noch weniger feige, sondern edelmütig, und zeigt, dass man verstanden hat, dass es Kämpfe gibt, die es nicht wert sind, ausgetragen zu werden. Denn im Herzen die Samen von Hass zu säen, bedeutet, die Wurzeln der Intelligenz zu zerstören.

Irgendwann lernt jeder von uns, dass wir von zwei verschiedenen Arten von Menschen umgeben sind. Wer welcher Personengruppe angehört, finden wir anhand ihrer Art und Weise, wie sie mit ihren Mitmenschen umgehen, heraus. Auf der einen Seite gibt es da diejenigen, die das Gefühl haben, dass ihnen das gesamte Universum etwas schuldig ist. Sie hegen unaufhörlich Groll. Auf der anderen Seite sind da die Menschen, die alles nehmen, wie es kommt, und mit Gelassenheit darauf reagieren, ihren Weg ohne Hass und Feindseligkeit weiterverfolgen.

„Hass ist der Tod des Denkens.

Thomas Abraham

Es gibt ein altes buddhistische Sprichwort, das uns Hass bildlich vor Augen führt: „Hass ist wie ein glühender Stein.“  Wer ihn in der Hand hält, hat als einziges Ziel, ihn bei der erstbesten Möglichkeit in Richtung anderer zu werfen, doch er wird sich nur selbst daran verbrennen.

Aufgrund der tiefen Krise, in die einige europäische Länder in vielen Lebensbereichen gestürzt sind, sehen wir solches Verhalten aber immer öfter und es scheint, dass die schlechten Seiten des Menschen zum Vorschein kommen: Wir sprechen beispielsweise von dem Aufstieg der rechtsgerichteten Parteien in vielen Staaten der Europäischen Union, die Immigranten als Feinde ansehen. Deutschland trifft es hierbei am härtesten, nachdem wir die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet haben. Auch das Vereinigte Königreich versucht, seine Identität und seine Interessen zu schützen, und hat das Boot verlassen.

Doch wir wissen, dass das nichts Neues ist.

kleiner-mann

Hass: ein primitiver und leidenschaftlicher Automatismus

Vielleicht überrascht uns dieser Fakt, aber unser Gehirn zieht zunächst Misstrauen dem Mitgefühl vor. Hierbei handelt es sich um einen Verteidigungsmechanismus, bei dem sich unsere Erfahrungen aus der Vergangenheit zu einem Wahrnehmungsfilter zusammenschließen, der versucht, uns vor Neuem zu schützen, denn alles, was für uns Menschen neu war, war oftmals eine Bedrohung.

Wir wissen, dass sich die Zeiten geändert haben und dass unsere Realität nun eine andere ist. Aber unser Gehirn wird noch immer von diesen hin und wieder primitiven Instinkten geleitet. Henri Tajfel, der bekannte britische Sozialpsychologe, der für seine Forschungsarbeiten über Vorurteile, Hass und Identitäten berühmt ist, führt uns das mithilfe seiner Studien vor Augen: Das menschliche Wesen wird sich selbst immer als einen Widersacher ansehen.

Hass ist für viele Menschen verführerisch, denn er dient ihnen als Selbstbestätigung: „Du denkst anders über mich, deshalb bist du mein Feind. Ich betrachte dich als Gegner, um mich selbst zu bestätigen, sehe mich als überlegen an und erlebe dieses Gefühl der Macht.“  Diese primitive und für viele unverständliche Lösung ist neurologisch so leicht zu erklären, auch wenn die Erklärung überraschend klingt.

unsicheres-maedchen

Du hast sicherlich schon oft Dinge gehört wie: „Es gibt einen sehr schmalen Grat zwischen Liebe und Hass.“  Das stimmt. Forscher des Neurobiologischen Labors der College University of London (Vereinigtes Königreich) konnten durch eine Studie belegen, dass sich Leidenschaft und Hass in den gleichen Gehirnregionen entwickeln, genauer gesagt im Putamen und der Inselrinde.

Hass gleicht einem Dolchstich mitten ins Herz

Wenn wir Hass empfinden, dann weil wir über einen langen Zeitraum hinweg
sehr viel Wut in uns haben, die einfach nicht verschwinden will… >>> Mehr

Wir müssen vertrauen, um den lodernden Hass aus unserem Herzen zu verbannen

Wir alle haben schon einmal in Bezug auf etwas oder jemanden Hass empfunden. Und es kann gut sein, dass dieses Gefühl sogar mehr als gerechtfertigt war: Jemand hat uns oder einem geliebten Menschen absichtlich geschadet. Aber wir müssen uns über eines im Klaren sein: So sehr dieses Gefühl auch gerechtfertigt sein mag, ist es nicht ratsam, Hass noch zu schüren und zuzulassen, dass er sich irgendwann vertraut anfühlt, fast so als würden wir einem Fremden die Tür öffnen, damit er sich unser Haus zu eigen macht.

„Ein hasserfüllter Mensch vergiftet sich selbst.“

Max Scheler

Jeder von uns hat schon gelesen und gehört, dass uns Hass zu Sklaven macht und wir durch ihn verbittert werden. Aber was müssen wir denn tun, damit das nicht passiert? Müssen wir vergeben? Wie sieht dieser Schritt weg vom Hass und hin zur Toleranz oder Gleichgültigkeit aus?

blumen

Wir sollten uns kurz vorstellen, was Hass überhaupt ist. Dieses Gefühl entsteht inmitten unseres Gehirns, in den zuvor erwähnten Gehirnstrukturen Putamen und Inselrinde. Es ist intensiv und zerstörerisch wie ein loderndes Feuer. Diese einem Brand gleichende Emotion zerstört unsere Fähigkeit, würdevoll und mit Reife zu handeln.

Hass vernebelt die rationale Denkweise unseres Gehirns, dort wo Mitgefühl und eine angemessene Überlegung eigentlich zu finden wären. Außerdem erhöht er unseren Blutdruck und es werden zur gleichen Zeit unzählige physische Mechanismen in Gang gesetzt, die alle nur ein einziges Ziel haben: auf die Bedrohung reagieren. Auf diese Weise zu leben, bedeutet, nicht nur unsere Gesundheit zu beeinträchtigen, sondern wir verabschieden uns auch von den schönen Seiten des menschlichen Wesens.

Um dieses lodernde Feuer zu löschen, müssen wir zuerst wieder lernen, zu vertrauen. Wir sollten uns selbst sagen, dass wir wieder vertrauen werden. Nicht demjenigen, der uns verletzt hat, sondern wir werden uns selbst und darauf vertrauen, dass wir es verdienen, erneut glücklich zu sein.

Vergessen wir Rachegelüste und lächeln wir einfach mit dem Stolz eines jenen, der weiß, was er will, was er wert ist und was er nicht verdient.

Ich habe es gelernt, nutzlose Diskussionen zu vermeiden

Vielleicht liegt es an zunehmender Reife, dem Alter oder
Resignation, aber irgendwann realisiert jeder… >>> Mehr

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Isabelle Arsenault

Auch interessant