Erwachsen werden: mehr als nur die volle Geschäftsfähigkeit

Erwachsen werden hat nicht nur Vorteile, ist jedoch eine aufregende Herausforderungen, die neue Möglichkeiten mit sich bringt und interessante Welten öffnet.
Erwachsen werden: mehr als nur die volle Geschäftsfähigkeit

Letzte Aktualisierung: 02. März 2022

Ab wann beginnt eigentlich das “Erwachsensein”? Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist der Begriff tatsächlich definiert. Personen unter 18 Jahre werden als minderjährig geführt. All diejenigen, die das 18. Lebensjahr erreicht haben, gelten fortan als erwachsen. Doch was hat das für Auswirkungen? Wir analysieren nachfolgend, welche Dinge der Erwachsenenstatus früher oder später unwillkürlich mit sich bringt.

Erwachsen werden bedeutet, Verantwortung übernehmen

Bis zum 18. Lebensjahr verläuft das Leben von Kindern und Jugendlichen vergleichsweise einfach und unbeschwert. Auch, wenn sie Unfug anstellen, können sie dafür nur bedingt haftbar gemacht werden. Ernste Konsequenzen drohen häufig nicht.

Vor allem jüngere Kinder finden in den ersten Lebensjahren Gefallen daran, ihre Eltern zu imitieren. Dadurch lernen sie, entdecken die Welt auf ihre Weise und sehen in den Erwachsenen Vorbilder. Der Ernsthaftigkeit des Lebens müssen sich die Kinder noch nicht stellen und das ist für die unbeschwerte Entwicklung auch genau richtig so.

Bis zur Vollendung des siebten Lebensjahres ist die Haftung von Kindern ausgeschlossen, außer wenn sie vorsätzlich Schäden verursachen. Diese Vorsätzlichkeit muss jedoch im Einzelfall genau geprüft werden und hängt unter anderem vom Entwicklungsstand des Kindes ab. Anders ist es im Straßenverkehr: Hier gilt die Haftbarkeit erst ab dem 10. Lebensjahr, da Kinder die Verkehrsregeln zuerst lernen müssen.

erwachsen sein und studieren

Erwachsen werden: finanzielle Verantwortungen

Ab dem 18. Lebensjahr ändert sich im Bereich der Finanzen vieles. Mussten sich junge Erwachsene bis dahin vor allem um die Verwaltung ihrer Taschengeldbeträge kümmern, stehen nun ganz neue Aufgaben an. Spätestens mit 18 Jahren beginnen viele junge Erwachsene ein Studium oder eine Ausbildung.

Das monatliche Budget will vernünftig verwaltet werden, damit am Ende kein Minus auf dem Konto oder in der Haushaltskasse herrscht. Erwachsene müssen wissen, wie sie ihre Finanzen im Blick behalten. Junge Menschen können sich zur Finanzplanung beispielsweise ein Haushaltsbuch anfertigen und die Einnahmen und Ausgaben eintragen. So zeigt sich ganz genau, ob es Sparpotenzial gibt oder ob das Geld bis zum Monatsende reicht.

Tipp: Viele Telefon- oder Internetanbieter bieten Sparmöglichkeiten. Sie bieten jungen Erwachsenen günstige Tarifkonditionen, wenn sie beispielsweise ihren ersten eigenen Handyvertrag abschließen. Um nicht in die Kostenfalle zu geraten, empfehle Verbraucherschützer einen monatlichen Fixbetrag oder noch besser eine Prepaid-Karte.

Wichtige Versicherungen abschließen

Erwachsen sein bedeutet, voll geschäftsfähig zu sein. Deshalb sollte der Alltag bestmöglich abgesichert sein. Viele Versicherungsunternehmen bieten auch hierfür spezielle Junge-Erwachsenen-Tarife. Mit diesen Versicherungen sollten sich junge Erwachsene für die optimale weitere Lebensplanung unbedingt auseinandersetzen:

  • Privathaftpflicht
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Hausratversicherung
  • Autoversicherung (falls ein eigenes Fahrzeug genutzt wird)

Auch die Altersvorsorge kann nicht früh genug beginnen. Wer als junger Erwachsener bereits Geld einspart, kann den Zinseszins nutzen. Ideal für den Einstieg sind beispielsweise Sparpläne, welche schon einen Vermögensaufbau ab geringen Beträgen (beispielsweise 25 Euro/Monat) ermöglichen.

Erwachsen werden: Hatten die Eltern vielleicht doch recht?

Viele Kinder und junge Erwachsene können manche Weisheiten ihrer Eltern nur noch mit Augenrollen ertragen. Da heißt es beispielsweise, dass die Schulzeit der schönste Lebensabschnitt ist. Wie die “The Children’s Worlds“-Studie zeigt, gehen deutsche Kinder eher ungern in die Schule.

Spätestens mit Studienbeginn oder beim Start der Ausbildung wird schnell klar: Die Eltern hatten mit ihrer nervigen Aussage vielleicht doch recht. Während die Schule oft erst ab 8:00 Uhr beginnt, müssen Auszubildende häufig schon um 7:00 Uhr oder sogar noch früher am Arbeitsplatz erscheinen.

Der Tag ist beim Studium oder der Ausbildung deutlich länger. Während ein durchschnittlicher Schultag ca. 6 bis 7 Stunden mit Pausenzeiten hat, ist der Alltag von 18+ Jährigen viel anstrengender. Wer sich selbst kritisch eingesteht, dass die Eltern vielleicht doch recht hatten, hat einen wesentlichen Schritt zur Weiterentwicklung getan. Ideale Voraussetzungen, um auch im weiteren Leben selbstkritisch und erfolgreich voranzukommen.

erwachsen werden und Zukunft planen

Ziele junger Erwachsener

Im Kindergarten, der Grundschule und vor dem Einstieg in die Berufswelt ist das Leben meist recht unbeschwert. Mit den Eltern und Großeltern im Rückhalt müssen sich Kinder um nichts Gedanken machen. Die Erwachsenen buchen den Urlaub, kaufen die Kleidung und kümmern sich um das tägliche Essen: Sie sorgen sich um alle Aspekte des Lebens ihrer Kinder.

Nach dem 18. Geburtstag verändert sich vieles, auch die Denkweise junger Erwachsener. Wer eigenverantwortlich lebt und zu Hause auszieht, spürt die Veränderungen noch viel intensiver. War es einst „cool“ in den Tag hineinzuleben, fühlt es sich plötzlich gar nicht mehr so gut an. Wer seine Zeit damit verbringt, auf der Couch zu sitzen, Videospiele zu spielen oder zu schlafen, verpasst sein ganzes Leben. Vielen jungen Erwachsenen wird das plötzlich bewusst.

Eine bewährte Strategie, um sich im Alltag besser zu organisieren, sind spezifische Zielsetzungen. Kurz-, mittel- und langfristige Ziele könnten wie folgt aussehen:

  • kurzfristiges Ziel: diese Woche die Wohnung putzen
  • mittelfristiges Ziel: einen bestimmten Betrag pro Monat ansparen
  • langfristiges Ziel: die Ausbildung oder das Studium nach einer bestimmten Zeit abschließen

Wer Ziele definiert, weiß auch in schwierigen Zeiten, welcher Weg richtig ist. Damit die Zielsetzungen noch eindrücklicher funktionieren, sollten sie am besten gut sichtbar ausformuliert werden. Eine Klebenotiz am Kühlschrank oder PC oder eine Erinnerung im Smartphone helfen dabei, die Ziele nicht zu vergessen.

Wer sich der Herausforderung stellt, lernt fürs Leben

Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben sich vorwiegend antiautoritäre Erziehungsstile durchgesetzt. Eine der Folgen: Eltern kritisieren ihre Kinder selten. Ursächlich dafür können Ergebnisse aus Studien sein, die Kindern bei zu viel Kritik fehlende Empathie bescheinigen.

Mit dem 18. Lebensjahr werden die jungen Menschen jedoch als geschäftsfähig eingestuft und wie Erwachsene behandelt. Der Alltag ändert sich, auch im Umgang mit anderen (jungen) Erwachsenen.

Haben die Eltern einst mit Kritik oder Tadel gespart, geht es in der realen Welt häufig etwas rauer zu. Vor allem Auszubildende fühlen sich häufig überfordert, wenn sie mit neuen Lernaufgaben und vor allem Kritik konfrontiert werden. Junge Erwachsene müssen oft erst Kritikfähigkeit lernen. Sie müssen wissen, sie richtig und professionell anzunehmen und sie korrekt zu formulieren.

Beide Aufgaben sind für junge Menschen kompliziert. Sie nehmen Kritik oft sehr persönlich und müssen in der Folge mit Ärger, Traurigkeit oder Enttäuschung umgehen. Zu viel Emotionalität wirkt allerdings kontraproduktiv. Eine gute Übung, um mit Kritik besser umzugehen, ist,

  • durchatmen,
  • ruhig bleiben,
  • Kritik nie persönlich nehmen und
  • sich vor der Antwort Zeit zum Reflektieren nehmen.

Auch unberechtigte Kritik hilft jungen Menschen in ihrem Lernprozess: Sie können sich darin üben, konstruktiv, freundlich und bestimmt auf die Kritik zu antworten. Dadurch lernen sie, besser mit diesen Situationen umzugehen. 

Tipp: Um die Kritikfähigkeit zu schulen, ist Zuhören gefragt. Manchmal versperren Menschen ihre Ohren und hören die Kritik gar nicht bis zum Ende. Diese Reaktion ist normal, kann jedoch verbessert werden. Zuhören ist eine Fähigkeit, die in vielen persönlichen und beruflichen Situationen von großer Hilfe ist. 

Erwachsen werden ist keine einfache, jedoch eine aufregende und im Normalfall auch sehr befriedigende Herausforderung.

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