Enochlophobie oder die Angst vor Menschenmassen

Erfahre heute Interessantes über die Angst vor Menschenmassen und ihre Ursachen.
Enochlophobie oder die Angst vor Menschenmassen

Geschrieben von Redaktionsteam

Letzte Aktualisierung: 02. August 2022

Vermutlich kennst du eine Person mit Enochlophobie, die vor Menschenmassen Angst hat und sich unter anderem in Diskotheken, auf Demonstrationen oder in überfüllten Einkaufszentren nicht wohlfühlt. Betroffene nehmen Menschenmengen als Gefahr wahr und haben auch Angst, darin stecken zu bleiben oder sich zu verletzen. Lies weiter, wir erklären anschließend wissenswerte Fakten über dieses Thema.

Enochlophobie oder die Angst vor Menschenmengen

Enochlophobie (auch Demophobie oder Ochlophobie) ist eine spezifische Phobie, die sich in einer intensiven, irrationalen und unverhältnismäßigen Angst vor Menschenmengen äußert. Betroffene vermeiden diese Situationen wann immer möglich. Im DSM-5 ist die Enochlophobie unter den Angststörungen zu finden.

Enochlophobie oder die Angst vor Menschenmengen

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, Angst und Phobie zu differenzieren. Angst ist ein Schutzmechanismus, der bis zu einem gewissen Grad normal ist. Es handelt sich um eine Reaktion auf eine reale oder eingebildete Gefahrensituation. Eine Phobie hingegen ist übertriebene, unverhältnismäßige und lähmende Angst, die das Leben der betroffenen Person beeinträchtigt.

Enochlophobie tritt bei Frauen häufiger als bei Männern auf, meist im frühen Erwachsenenalter.

“Ich weiß, du kannst mich stolz nennen, aber ich hasse Menschenmengen.”

Walter Savage Landor

Eine irrationale Angst?

Die irrationale Angst ist ein Merkmal von Phobien, doch es handelt sich vielfach um primitive Ängste, die unseren Vorfahren halfen, ihr Überleben zu sichern. Beispiele dafür sind Höhenangst, Angst vor Schlangen, Feuer usw. Auch bei Menschenmengen ist das so. Rational gesehen ist diese Angst verständlich: Du könntest verletzt oder ausgeraubt werden oder dich anstecken. Eine Phobie bedeutet jedoch übertriebene Angst, die das Leben der betroffenen Person beeinträchtigt.

Die Unterschiede zwischen Enochlophobie und Agoraphobie

Die Agoraphobie (Platzangst) verursacht ähnliche Ängste wie die Enochlophobie, doch in diesem Fall entstehen diese durch das Gefühl, in einer Notsituation nicht entkommen zu können oder hilflos eine Panikattacke zu erleiden. Diese Angst kann an einem überfüllten Ort entstehen, dies ist jedoch keine Voraussetzung.

Ursachen der Enochlophobie

In den meisten Fällen entstehen Phobien durch traumatische Erfahrungen oder durch die Beobachtung von Gefahren. Wenn eine Person beispielsweise in einer Menschenmenge feststeckt und kaum atmen kann, kann dies der Auslöser für Enochlophobie sein. Kommt es in dieser Situation zu einer Panikattacke, hat die Person danach vielleicht auch Angst davor, diese Situation erneut zu erleben.

Es gibt allerdings auch Autoren, die von einer (genetischen) Anfälligkeit für Angst oder Angststörungen ausgehen. Wenn diese Personen zusätzlich eine traumatische Situation erleben oder beobachten, ist eine Phobie wahrscheinlicher.

Symptome

Wie bei jeder spezifischen Phobie sind folgende Hauptsymptome zu beobachten:

  • intensive, irrationale und unverhältnismäßige Angst vor Menschenmengen und
  • das Vermeiden dieser Situation.

Es gibt außerdem kognitive (vernunftwidrige Gedanken wie “Ich werde ersticken”) und physiologische (Tachykardie, Schwindel, Kurzatmigkeit, Hyperventilation, Erbrechen, Herzklopfen, übermäßiges Schwitzen…) Anzeichen. Letztere sind denen einer Panikattacke ähnlich.

Frau mit Enochlophobie

Enochlophobie: Was tun?

In der Regel kommen wie auch bei anderen Phobien die Expositionstherapie und die kognitive Verhaltenstherapie zum Einsatz (Pérez et al. 2010). Bei der Expositionstherapie werden Patienten schrittweise der Situation ausgesetzt, die sie fürchten. Die kognitive Verhaltenstherapie hilft Betroffenen, irrationale oder dysfunktionale Gedanken zu ändern und mit der Angst besser umzugehen. Die kognitive Umstrukturierung ermöglicht eine realistischer und anpassungsfähigere Denkweise.

Andererseits kommen auch Anxiolytika zum Einsatz, um die Symptome dieser Phobie zu reduzieren. Um langfristige Ergebnisse zu erzielen, ist jedoch immer die Kombination mit einer Psychotherapie zu empfehlen. Eine erlernte Phobie kann auch wieder verlernt werden. Wenn du Angst vor Menschenmengen hast und dies ein Problem in deinem Alltag darstellt, solltest du unbedingt psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.

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  • American Psychiatric Association –APA- (2014). DSM-5. Manual diagnóstico y estadístico de los trastornos mentales. Madrid: Panamericana.
  • Belloch, A., Sandín, B. y Ramos, F. (2010). Manual de Psicopatología. Volumen I y II. Madrid: McGraw-Hill.
  • Pérez, M., Fernández, J.R., Fernández, C. y Amigo, I. (2010). Guía de tratamientos psicológicos eficaces I y II. Madrid: Pirámide.