Emotionales Unwohlsein in Verbindung mit akustischen Halluzinationen oder Tinnitus

· 12. Juli 2018

Es kann sein, dass dir die Worte „akustische Halluzinationen“ oder „Tinnitus“ nicht viel sagen, doch tatsächlich haben wir sie alle irgendwann in unserem Leben einmal erlebt. Ist es dir noch nie passiert, dass du ein piependes oder summendes Geräusch gehört hast, das andere Leute um dich herum nicht wahrgenommen haben? Dieses Piepsen im Ohr bedeutet nicht, dass jemand hinter deinem Rücken schlecht über dich redet, es ist Tinnitus!

Im Allgemeinen ist dieses mehr oder weniger nervige Geräusch vorübergehend und verschwindet nach kurzer Zeit von selbst, richtig? Stelle dir dennoch vor, du würdest es dauerhaft hören. Wie, glaubst du, würde es dein tägliches Leben beeinflussen, dieses Piepen oder Summen ständig zu hören? Lies weiter und entdecke die Bedeutung psychologischer und emotionaler Faktoren für die Entstehung und Aufrechterhaltung eines permanenten Tinnitus.

„Akustische Halluzinationen verhindern, dass ich absolute Stille empfinde.“

Santiago Segura

Fangen wir am Anfang an: Was genau ist Tinnitus?

Mit dieser kurzen Einführung haben wir nun alle eine Vorstellung davon, was Tinnitus ist, oder? Aber um noch besser zu verstehen, worum es sich dabei handelt, definieren wir den Begriff nun genauer. Eine akustische Halluzination oder ein Tinnitus ist zunächst die Wahrnehmung eines Klangs in Abwesenheit einer externe Klangquelle, die ihn auslösen würde.

Lasst uns ein Beispiel betrachten. Wenn das Piepen oder Summen, das wir wahrnehmen, durch den Fernsehen verursacht wird, dann ist es kein Tinnitus. Auf der anderen Seite müssen wir beachten, dass wir nicht immer einer akustischen Halluzination gegenüberstehen, auch wenn wir keine externe Schallquelle ausmachen können.

Darüber hinaus kann der Tinnitus nur in einem Ohr auftreten, in beiden, oder er kann sich auf den ganzen Kopf ausbreiten. Schlussendlich, obwohl wir hier von einem Piepsen oder Summen sprechen, kann er auch als komplexerer Lärm wahrgenommen werden, wie das Geräusch von Grillen oder das Rauschen des Meeres.

Schnecke am Meer

Welche Arten von Tinnitus gibt es?

Abgesehen davon, dass sich die Art des Klangs unterscheidet, den Tinnituspatienten wahrnehmen, klassifizieren wir den Tinnitus allgemein objektiv oder subjektiv:

  • Der objektive Tinnitus ist die Wahrnehmung eines Schalls, der im Körper erzeugt und über die Knochen weitergeleitet wird, oder eines Schalls, der in das Mittelohrs geleitet wird und so zum Innenohr gelangt. Seine Entstehung lässt sich daher nicht auf eine Anomalie des Gehörs zurückführen, sondern auf einen physischen Klang, der wie ein normaler Klang wahrgenommen wird.
    Das bedeutet im Umkehrschluss, dass er bei der Auskultation von Ärzten vernommen werden kann. Sein Ursprung liegt meist in Blutgefäßen und hat damit eine konkrete, oft behandelbare Ursache. Diese Art von Tinnitus hat deshalb eine gute Prognose, er macht aber nur 5 % der Fälle akustischer Halluzinationen aus.
  • Im Gegensatz dazu kann der subjektive Tinnitus nur vom Patienten wahrgenommen werden. Das heißt, diese Art von akustischer Halluzination ist die Wahrnehmung von Geräuschen in Abwesenheit physikalischer Klänge.
    Das bedeutet jedoch nicht, dass die betroffene Person den Tinnitus erfinden würde. Vielmehr handelt es sich um eine Phantomempfindung, die auf Pathologien im Ohr oder im Nervensystem beruht. Diese Art von Tinnitus mag neurologische, otologische, kardiovaskuläre, metabolische oder pharmakologische Ursachen haben. Oder psychologische. Ja, auch psychologische. Ein solcher Tinnitus kann nach intensivem emotionalem Unbehagen auftreten.

„Die Pflege der Ohren ist etwas, woran leider nicht gedacht wird, solange man damit kein Problem hat.“

Chris Martin

Wie kann der Tinnitus das Leben derer beeinflussen, die daran leiden?

Jetzt, da wir etwas mehr über den Tinnitus wissen, wollen wir die Frage beantworten, wie er sich auf das Leben derer auswirkt, die daran leiden? Wie bei allen Erkrankungen, kommt es natürlich auf den Einzelfall an. Es gibt Menschen, die dadurch kein Unbehagen fühlen und die es schaffen, den Tinnitus als einen weiteren Aspekt ihres Lebens zu verinnerlichen, ohne dass dieser in ihren Alltag eingreifen würde. Sie schaffen es, diese Halluzinationen zu ignorieren, ungefähr so, wie es die Menschen machen, die in großen Städten leben und den Lärm auf der Straße nicht mehr „hören“.

„Entweder du gewöhnst dich daran, oder du wirst verrückt.“

Steve Martin

Aber es gibt auch Fälle von Menschen, bei denen dieses Symptom Emotionen negativer Wertigkeit erzeugt, wie Angst, Frust oder Wut. Hier geraten die Betroffenen oft in einen Teufelskreis, in dem sie nicht aufhören können, ihre Aufmerksamkeit auf den Tinnitus zu richten. Sie hätten so gern ihre Ruhe, doch da dies nicht möglich ist, steigt ihre Besorgnis immer weiter. Sie befürchten, dass der Tinnitus noch an Intensität zunehmen könnte und dass sie damit nicht fertig werden könnten.

Im Allgemeinen werden sie von diesen Gedanken gefangen gehalten, können nicht damit aufhören, an das Geräusch zu denken. Das bedeutet auch, dass sie Freizeitaktivitäten und andere angenehme Beschäftigungen weniger Aufmerksamkeit widmen. Das wiederum verstärkt ihre Konzentration auf die Halluzination. Sie geraten in den bereits erwähnten Teufelskreis, aus dem sie nicht mehr herauskommen, in dem ihre Beschwerden immer weiter zunehmen. Darüber hinaus dürfen wir auch nicht die Schlafstörungen vergessen, die diese akustischen Halluzinationen hervorrufen können.

Frau, die an Tinnitus leidet, greift sich ans Ohr

Häufig, wenn wir psychische Probleme haben und nicht wissen, wie wir mit ihnen umgehen sollen, fehlen uns tatsächlich wirksame Strategien und Werkzeuge zur Regulation unserer Emotionen. Diese sind gleichfalls erforderlich, um den Tinnitus zu behandeln. Dann ist es wichtig, einen geeigneten Psychologen zu kontaktieren, der auf die Behandlung akustischer Halluzinationen spezialisiert ist.

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Chris Benson, Aaron Burden und Callie Morgan