Einflüsse auf das Bindungsverhalten von adoptierten Kindern

· 13. Juli 2018

Warum ist es so wichtig, über das Bindungsverhalten von adoptierten Kindern zu sprechen? Weil alle adoptierten Kinder in ihren ersten Lebensjahren bestimmte Erfahrungen machen, die ihre spätere Entwicklung erschweren können – Erfahrungen, mit denen andere Kinder nicht zu kämpfen haben.

Diese Erfahrungen können bei adoptierten Kindern zu Verzögerungen in der Entwicklung und bedenklichen Verhaltensweisen führen. Manche sind zu sehr von ihren Adoptiveltern abhängig, während andere emotional distanziert sind. Lies weiter, um mögliche Gründe für diese Entwicklungen zu erfahren.

„Wenn wir einer Mutter, einer Familie, einer Sprache, einer Kultur angehören, konstruieren wir unsere Identität, wir werden jemand.“

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Welche Variablen beeinflussen das Bindungsverhalten von adoptierten Kindern?

Adoptierte Kinder durchlaufen oft schwierige, für ihr Alter ungewöhnliche Situationen, bevor sie in ihrer neuen Familie ankommen. Einige dieser Situationen spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Bindung. Wenn die Kinder in ihrer leiblichen Familie, bei den Pflegeeltern oder im Waisenhaus misshandelt oder vernachlässigt wurden, dann entwickeln sie weniger sichere Bindungen zu ihren Adoptiveltern.

In ihren ersten Lebensjahren brauchen Kinder Erwachsene in ihrer Umgebung, die auf ihr Bedürfnis nach Rückhalt und Zuneigung eingehen. Kinder werden misstrauisch und ängstlich, wenn sie von ihrer Bezugsperson ignoriert oder aggressiv behandelt werden. Sie müssen sich bei ihrer Bezugsperson sicher fühlen, da dieser Umgang ihre späteren Beziehungen beeinflussen wird.

Das Gleiche passiert, wenn Kinder für eine lange Zeit institutionalisiert werden. Heute gibt es eine Vielzahl von Richtlinien, die verhindern sollen, dass Kinder in Waisenhäusern misshandelt werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass die emotionalen und psychologischen Bedürfnisse, die in diesem Alter so eine große Rolle spielen, umfassend erfüllt werden könnten. Das hat direkte Auswirkungen auf das Bindungsverhalten von adoptierten Kindern.

Selbst wenn sie körperlich betreut werden, gibt es meist nur einen Heimerzieher für mehrere Kinder. Und dieser Erzieher hat einfach nicht die Möglichkeit, sich in dem Maße emotional um jeden einzelnen zu kümmern, wie er es bräuchte.

„Was mit den Kindern gemacht wird, werden sie der Gesellschaft antun.“

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Was können Adoptiveltern tun, um eine sichere Bindung zu fördern?

Adoptiveltern haben zwar keine Kontrolle über frühere Erfahrungen, können aber dennoch etwas tun, um eine angemessene soziale und emotionale Entwicklung ermöglichen. Elterliche Verhaltensweisen und Persönlichkeiten spielen bei der Entwicklung von Bindung eine fundamentale Rolle.

Variablen, die eine sichere Bindung bei adoptierten Kindern fördern:

  • Emotionale Stabilität
  • Stresstoleranz
  • Flexibilität
  • Angemessener Ausdruck von Zuneigung

Mit anderen Worten, Adoptiveltern sollten vernünftig sein und selbst ein sicheres Bindungsverhalten zeigen. Auf diese Weise können sie ihren Kindern mit gutem Beispiel vorangehen.

Adoptiveltern sollten auch die Mittel haben, Widrigkeiten zu begegnen, ihre negativen Emotionen zu regulieren und um Hilfe zu fragen, wenn sie sie brauchen. Wenn sie um Hilfe bitten, dann sollten sie sich auch nicht als schlechte Eltern fühlen. Die Bereitschaft, nach Hilfe zu fragen, zeigt ihren Kindern schließlich, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen.

Das wird ihnen auch helfen, ihre Adoption zu verstehen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Das ist enorm wichtig, da sich viele adoptierte Kinder schuldig, unwichtig und verlassen fühlen. Wenn sie ihren Blickwinkel ändern können, werden sie in der Lage sein, sichere Bindungen aufzubauen.

„Es kommt nicht darauf an, dass jeder das Recht hat, ein Kind zu adoptieren, sondern dass jedes Kind das Recht hat, von jemandem adoptiert zu werden, der es liebt.“

Fernando Savater

Bildmaterial mit freundlicher Genehmigung von Rene Bernal, Larm Rmah und Ben White