Dunkle Energie im Gehirn: Was ist das?

Wir wissen noch sehr wenig über die Dunkle Energie des Gehirns. Es handelt sich jedoch um ein faszinierendes Thema, das auch das Interesse vieler Wissenschaftler geweckt hat.
Dunkle Energie im Gehirn: Was ist das?
Sergio De Dios González

Geprüft und freigegeben von dem Psychologen Sergio De Dios González.

Geschrieben von Edith Sánchez

Letzte Aktualisierung: 25. November 2022

Der Begriff Dunkle Energie beschreibt in der Kosmologie jenes Energiefeld, das den Kosmos beschleunigt und auseinandertreibt. Dieser Ausdruck wurde von Wissenschaftlern übernommen, um eine Analogie zu bestimmten Gehirnprozessen herzustellen. Derzeit gibt es allerdings nur Hypothesen, die auf folgende Frage aufbauen: Warum verbraucht das Gehirn gleich viel Energie – unabhängig davon, ob es aufmerksam ist oder sich im Ruhezustand befindet? Und warum benötigt unser Denkorgan überhaupt so viel Energie?

Bis jetzt gibt es auf keine dieser Fragen eine endgültige Antwort. Die Dunkle Energie ist nur eine mögliche Erklärung. Wir nehmen dieses Thema anschließend etwas genauer unter die Lupe.

“Die dunkle Materie des Geistes, das Unterbewusstsein, hat die größte psychische Anziehungskraft. Wenn wir die dunkle Materie des Universums ignorieren, erscheinen Anomalien; wenn wir die dunkle Materie des Geistes ignorieren, ist unsere Irrationalität unerklärlich.”

Joel Gold

Dunkle Energie im Gehirn: Was ist das?

Was ist Dunkle Energie?

Die Wissenschaft spricht erst seit 1974 von dunkler Energie. Vera Rubin, eine amerikanische Astronomin, bemerkte, dass Sterne Schwarze Löcher immer mit derselben Geschwindigkeit umkreisen, ganz egal, wie weit sie vom Zentrum dieses Loches entfernt sind. In unserem Sonnensystem i st das anders: Je weiter ein Planet von der Sonne entfernt ist, desto langsamer ist er aufgrund der Schwerkraft.

Wissenschaftler schlossen daraus, dass es noch etwas anderes mit einer größeren Schwerkraft geben muss – etwas, das wir nicht sehen können: die Dunkle Materie. Sie macht etwa 26 % des Universums aus. Den größten Anteil an der Gesamtdichte von Materie und Energie im Universum hat allerdings die Dunkle Energie mit knapp 70 %. Dieses Energiefeld beschleunigt den Kosmos und treibt ihn auseinander. Der größte Teil des Universums ist also nicht sichtbar und kaum wahrnehmbar, wir sehen nur einen Bruchteil von dem, was existiert. 

Die Dunkle Energie des Gehirns

Im Jahr 2006 veröffentlichte der Wissenschaftler Marcus E. Raichle einen Artikel mit dem Titel “The brain’s dark energy” in der Zeitschrift Science. Darin versuchte er, eine Frage zu beantworten, die viele Forscherinnen und Forscher noch immer beschäftigt: Warum braucht das Gehirn so viel Energie? Es macht nur etwa 2 % des Körpergewichts aus, verbraucht jedoch 20 % der Gesamtenergie des Körpers.

Natürlich benötigt es viele Ressourcen, um alle Informationen der Außenwelt zu verarbeiten. Schließlich muss es diese Reize wahrnehmen, interpretieren, eine Auswahl treffen und das Resultat speichern. Wissenschaftler haben allerdings nachgewiesen, dass es für diese Prozess nur 1 % der Energie verwendet, die es insgesamt verbraucht. Deshalb sprechen Experten von der Dunklen Energie des Gehirns, über die wir kaum etwas wissen.

Was ist die Dunkle Energie des Gehirns

Die Hypothesen über die Dunkle Energie des Gehirns

Die konservativeren Wissenschaftler denken, dass die Dunkle Energie vom Gehirn genutzt wird, um die Homöostase des Organismus zu regulieren. Das heißt, das es damit das innere Gleichgewicht der organischen Funktionen zur Erhaltung der Gesundheit erhält.

Andere Forscher glauben, dass diese Dunkle Energie mit dem Funktionieren des Unterbewusstseins zusammenhängt. Sie glauben, dass in dieser Dimension viel mehr Prozesse ablaufen als im Rahmen des Bewusstseins und dass das Gehirn hier die 19 % der Energie verbraucht, von denen wir nicht wissen, was damit passiert. Sie stützen diese Behauptungen auf verschiedene Studien, unter anderem auf eine Forschungsarbeit, die bewiesen hat, dass das Unbewusste 200.000 Mal mehr Verarbeitungskapazität hat als das Bewusste.

Eine andere Studie von Daniel Gilbert hat gezeigt, dass der Verstand 46 % der Zeit abschweift, was diese Hypothese untermauern würde. Derzeit gibt es keine schlüssigen Daten, allerdings ist ein wachsendes Interesse an diesem Thema zu beobachten. Wir sind also auf neue Erkenntnisse sehr gespannt.

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  • Dijksterhuis, A. (2005). The power of the subliminal: On subliminal persuasion and other potential applications. https://philpapers.org/rec/DIJTPO.
  • Killingsworth, M. A. & Gilbert, D. T. (2010, 12 noviembre). A Wandering Mind Is an Unhappy Mind. Science Vol 330, Issue 6006 DOI: 10.1126/science.1192439. https://www.science.org/doi/10.1126/science.1192439.
  • Raichle ME. Neuroscience. The brain’s dark energy. Science. 2006 Nov 24;314(5803):1249-50. Erratum in: Science. 2007 Jan 12;315(5809):187. PMID: 17124311.

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