Die Wunderfrage: Worin besteht sie?

· 17. Oktober 2018

„Stelle dir vor, dein Wecker klingelt und wenn du aufwachst, ist ein Wunder geschehen und alle deine Probleme haben sich in Luft aufgelöst. Wie würdest du erkennen, dass das Problem, das dich hier in die Therapie gebracht hat, nicht mehr existiert?“ Mit dieser Frage würde eine Therapie beginnen, wenn mit der Technik der Wunderfrage gearbeitet wird, die in einem Teilgebiet der lösungsorientierten Kurztherapie zum Einsatz kommt. In diesem Beitrag schauen wir uns die Wunderfrage im Detail an.

Steve de Shazer war ein Verfechter dieser Technik. Es war das Ziel seiner Arbeit, die Ausnahmen im Leben seiner Patienten zu finden. Das bedeutet, Umstände zu enthüllen, in denen das jeweilige Problem nicht vorhanden ist, und diese so weit wie möglich zu expandieren.

In erster Linie sind lösungsorientierte Kurztherapien, wie der Name schon sagt, kurz. Daher ist eine solche Therapie auf ungefähr zehn Sitzungen reduziert. Die Therapeuten zielen darauf ab, dass ihre Patienten sich vorstellen, wie ihr Leben aussehen würde, wenn ihr Problem plötzlich verschwunden wäre.

Wenn wir uns zu sehr in unsere Probleme vertiefen, hält uns das davon ab, auf die positiven Dinge um uns herum zu achten. Manchmal konzentrieren wir uns auf unsere Probleme, anstatt die guten Seite des Lebens zu erkennen. Mit der Technik der Wunderfrage versuchen Therapeuten nichts weniger als ein Wunder zu bewirken: Menschen zum Nachdenken darüber zu bringen, wie ihr Leben aussähe, wenn sie das Glück hätten, ohne ihre Probleme aufzuwachen.

Ein Mann wundert sich und stellt sich Fragen, während er aufmerksam ein brennendes Teelicht beobachtet.

Was hält dich davon ab, das zu tun, was du willst?

„Ich würde erkennen, dass mein Problem nicht mehr besteht, wenn ich aufwachte und keinen Schmerz in meiner Brust spürte. Wenn ich mein Frühstück in Ruhe genießen könnte, ohne alle zwei Minuten auf die Uhr zu sehen, wenn ich meine Kinder aufwecken und ihnen sagen könnte, wie sehr ich sie liebe, wenn ich einfach aufwachen und zufrieden sein könnte, meine Familie und mein Job zu haben, wenn ich den Stress vergessen und den Moment genießen könnte“,  wäre ein mögliche Antwort auf die Wunderfrage.

Nur spezialisierte Therapeuten sollten diese Technik anwenden, denn nur sie wissen, wie sie die Erzählung des Patienten lenken und es ihm dadurch erlauben können, jene Details zu erkennen, die seinen Sinnen bislang entgehen. Dank der Wunderfrage kann der Betroffene sehen, was sich geändert hat und was er nicht mehr wahrnimmt, seit er sich auf das Problem konzentriert.

Die Selbsterkenntnis und die Vorstellung, was passieren würde, wenn alles „in Ordnung“ wäre, gibt uns eine Ahnung von den Zielen, die wir verfolgen sollten. Gibt es einen externen Faktor, der uns davon abhält, weiterzumachen, oder halten wir uns nur selbst auf? Manchmal sind wir der Einzige, der uns von dem abhält, was wir erreichen möchten. Wenn wir uns einen besseren Tag vorstellen, kommen wir dem Wissen darum näher, was wir erreichen wollen und können!

Während einer Therapie wird sich die Zukunft vorgestellt, hierbei hilft die Wunderfrage.

Was nach der Wunderfrage kommt

Es ist nicht genug, das Problem zu identifizieren und seine Konsequenzen zu erkennen. Nachdem wir die Veränderungen ausgemacht haben, die dieses Problem in unser Leben gebracht hat, müssen wir handeln. Dazu gibt es eine Technik innerhalb der lösungsorientierten Kurztherapie, die „Schmetterlingseffekt“ genannt wird. Diese Übung kann dabei helfen, zu sehen, dass nach einer kleinen Änderung weitere Änderungen auftreten werden. Fast wie bei einer Kettenreaktion.

Wir sollten uns nicht nur vorstellen, was passieren würde – übernehmen wir die Kontrolle und fangeen wir damit an, uns Mühe zu geben. Zu wissen, welche Rolle unser Problem in unserem Leben spielt, könnte der schwierigste Teil sein, Seien wir bereit, nach dem ersten Schritt auch den zweiten zu gehen!

Obwohl die Technik der Wunderfrage ein guter Ausgangspunkt ist, gibt es noch viel zu tun. Nachdem wir erkannt haben, dass unser Problem uns davon abgehalten hat, das zu tun, was wir wollen, sind Entscheidungen darüber zu treffen, was geändert und welche Ziele erreicht werden sollen.

Nun, sage mir: Was würde passieren, wenn all die Sorgen, die dich nachts wach halten, plötzlich verschwinden? Frage dich selbst, welche Veränderungen du einleiten kannst, um dein Leben zu verbessern! Doch denke daran: Über Nacht passiert nur wenig.